Leichtathletik-WM: Friedrich – Trumpf für Berlin
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 03.08.2009 - 14:36Bochum (RP). Die Hochspringerin Ariane Friedrich gehört zu den Medaillen-Kandidatinnen bei den Weltmeisterschaften. Ebenso wie der Diskuswerfer Harting unterstreicht sie ihre gute Form beim Meeting in Wattenscheid.
Beim Blick nach vorn sah Jürgen Mallow erst einmal zurück. "Bei der WM 2007 in Osaka hat man nicht viele strahlende Japaner von der Bahn gehen sehen. Diesmal werden wir viele Deutsche mit strahlenden Gesichtern sehen", sagte der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach der Gala im Bochumer Stadtteil Wattenscheid.
74 Athleten hatten bereits zuvor ihr Ticket für die Weltmeisterschaft in Berlin (15. bis 23. August) erhalten. "Bis zu 13 können noch dazukommen", kündigte der optimistische Mallow an.
Heute wird der Kader benannt. Mit Sicherheit dabei ist Ariane Friedrich. Wenn der DLV nicht darauf bestanden hätte, dann wäre die Frankfurterin gestern gar nicht gestartet. Ein Woche brauche sie, um nach einem Wettkampf mental wieder da zu sein, erklärte die 22-Jährige.
Am Mittwoch hatte sie in Monte Carlo erstmals nach 15 Siegen in Serie wieder verloren – gegen Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien/beide 2,03 m). Im Lohrheidestadion benötigte die 1,78 m große und 58 Kilo leichte Hochspringerin sechs Versuche, riss dabei zweimal die Latte und hörte auf, als Irina Gordeeva (Russland) an 1,99 m gescheitert war, die sie selbst gemeistert hatte. "Die Höhe ist ja gar nicht so schlecht", sagte die Nummer 1 der Jahres-Weltbestenliste (2,06 m).
Gut in Form zeigte sich auch Diskuswerfer Robert Harting, der mit 68,10 m so weit wie noch nicht in diesem Jahr warf – aber dennoch angesäuert war. Die Art, mit der die technischen Wettkämpfe innerhalb eines Sportfestes immer häufiger "zerhackt" werden, stieß aber nicht nur dem Diskus-Vizeweltmeister unangenehm auf.
Auch beim Kugelstoßen mussten Athleten, die sich schon auf ihre Versuche vorbereitet hatten, mitunter lange warten, weil Läufe anstanden. "Du brennst aus, wenn du so lange warten musst", sagte Harting, der mehr drauf hatte. "Mit besseren Beinen wären noch zwei Meter drin, aus dem Oberkörper noch einer. Aber vielleicht ist es ja auch ganz gut, wenn man nicht alles gesehen hat", meinte der Berliner, der bei der WM ein Medaillenkandidat ist.
Der erhoffte Schritt nach vorne gelang Franka Dietzsch nicht. "Ich trainiere sehr gut und habe mir mehr ausgerechnet", stellte die dreimalige Weltmeisterin enttäuscht fest. Die Probleme mit dem hohen Blutdruck hat die Neubrandenburgerin dank Tabletten im Griff, nicht aber den Diskus.
Dank einer Wildcard des Weltverbandes ist die 41-Jährige automatisch qualifiziert. Mit ihrer Weite von 58,73 m, mit der sie wie auch schon bei der Deutschen Meisterschaft von Nadine Müller (Aachen/59,47) besiegt wurde, hat sie bei der WM keine Chance, das weiß sie: "Damit wird es schwer, die Qualifikation zu meistern."
Gut präsentierten sich die Läufer. Die Mannheimerin Verena Sailer lief die 100 Meter – allerdings mit zu starkem Rückenwind (2,6 m/sek; erlaubt sind lediglich zwei) in 11,11 Sekunden. Carolyn Nytra (Bremen) gewann die 100 Meter Hürden in 12,88 Sekunden, und die Sprintstaffeln liefen mit 38,40 (Männer) und 43,12 Sekunden in die Weltspitze – allerdings wird erst die Weltmeisterschaft Mitte des Monats zeigen, was diese Zeiten wert sind.
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