Diskuswerfer sorgt für Aufregung vor WM-Start: Harting fordert Freigabe von Doping
VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 05.08.2009 - 11:06Düsseldorf (RP). Doping erlauben, ja oder nein? Kurz vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften bricht der Diskuswerfer Robert Harting eine heikle Diskussion los. Die Veranstalter kündigen schärfere Kontrollen an.
Für gewöhnlich sind es doch Rekorde, die dem Sport die besondere Würze verleihen. Die Lust machen auf den Wettstreit, auf Athleten und außerordentliche Leistungen. Die Athleten Achtung und Wertschätzung verleihen, weil das Geleistete außergewöhnlich und eben nicht alltäglich ist.
Zuletzt aber wurden die Sportbegeisterten was das angeht doch arg strapaziert. Schwer nachvollziehbare 43 Weltrekorde wurden bei der Schwimm-WM in Rom verbessert. Dazu kommen Disziplinen wie Radsport, wo Alberto Contador bei der Tour de France scheinbar mühelos und tagelang Alpenpässe als einer der Ersten erklimmt. Oder Leichtathleten wie Usain Bolt und Tyson Gay, beide Sprinter, die im Rennen um den Titel "schnellster Mann der Welt" seit Wochen von einer Top-Zeit zur nächsten laufen.
Derartige Quantensprünge werden inzwischen längst nicht mehr nur als Segen empfunden. Solche Leistungsexplosionen werfen Zweifel auf. Der Verdacht der Manipulation liegt nahe. Mag sein, dass dies Robert Harting dazu bewogen hat, ausgerechnet vor der WM in Berlin (15. bis 23. August) das bestehende Verbot von Doping neu zu überdenken und eine Diskussion darüber zu entfachen.
"Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das anhört. Dann würde sich zumindest niemand mehr aufregen", sagte er dem "Mannheimer Morgen".
Der Diskuswerfer glaubt: "Sport und Doping gehören so zusammen wie Henne und Ei. Wenn gedopt wird, stellt das den Sport in den Hintergrund – und zwar zu Unrecht." Man dürfe keinen Generalverdacht aussprechen. "Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn ehrlicher Arbeit gebracht werden."
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) reagierte empört. Präsident Clemens Prokop hält solche Überlegungen, Doping freizugeben, für "blanken Unsinn. Sie stehen diametral zu unserer Position als Verband", sagte Prokop, der mehrfach ein strikteres Anti-Doping-Gesetz gefordert hatte. Vor und während der WM in Berlin soll es rund 1500 Tests geben.
Zum Vergleich: In Osaka vor zwei Jahren wurden 1132 Blut- oder Urinproben entnommen, 700 bei den Olympischen Spielen in Peking. 20 Kontrolleure sollen das Prozedere überwachen, die Analyse erfolgt dann binnen 24 Stunden in den Laboren in Köln und Kreischa.
Noch dazu hofft das Internationale Olympische Komitee, durch ein neues Meldesystem für Athleten auch die Hintermänner von Dopingsündern entlarven zu können. Vor Saisonstart soll jeder Athlet sein medizinisches Umfeld offenlegen. Im positiven Doping-Fall würden die Namen der Beteiligten dann auf einer sogenannten schwarzen Liste erscheinen, und die Täter könnten strafrechtlich verfolgt werden.
Ob's hilft? Dopingexperte Werner Franke hat seine Zweifel am System geäußert. "Die Zahlen sagen nichts aus. Wenn die Kontrollen zur falschen Zeit gemacht werden, sind sie negativ. Wer sich vor Ort erwischen lässt, muss saudumm sein", so der Wissenschaftler.
Es ist nicht auszuschließen, dass auch bei der WM Rekorde fallen. Dann stecken Zuschauer und Athleten wieder in der Zwickmühle. Kam dieser legal zustande? Oder eben nicht.
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