Leichenblass fiel sie Boris Henry in die Arme. Auch der langjährige Freund konnte Christina Obergföll in diesem Augenblick nicht trösten.
Und wenig später flossen die Tränen wie Sturzbäche bei der 30-Jährigen, die zum sechsten Mal ausgezogen war, um endlich das erste Gold in einem internationalen Titelwettstreit zu gewinnen.
Doch nach dreimal Silber und einmal Bronze gab es für die erneut an ihren Nerven gescheiterte Olympiadritte wie zuletzt bei der WM 2009 in Berlin nur Blech.
Erst im vierten Versuch hatte sich die zweimalige Vize-Weltmeisterin (2005, 2007) mit 65,24 m erstmals auf den Bronzeplatz gekämpft und noch einmal Hoffnung geschöpft.
Doch dann ließ sich die Südafrikanerin Sunet Viljoen endgültig von der Weitenjagd zweier anderer inspirieren: Auf ihre 68,38 m wusste Obergföll am Tag nach 68,76 m in "der besten Qualifikation meiner Karriere" keine Antwort.
"Bein Einwerfen habe ich mich noch sensationell gefühlt. Aber schon mein erster Wurf war scheiße. Und dann wurde mir nach dem zweiten Versuch der Stecker gezogen. Und alles, was ich mir hart erarbeitet habe, war weg. Es tut mir leid", sagte Obergföll unter Tränen.
Mit dem Gold hatte die 2007 als größte aller WM-Favoritinnen im japanischen Osaka gescheiterte Offenburgerin im größten Speerwurf-Duell der vergangenen 20 Jahre nie etwas zu tun.
Trotz der gelungenen Qualifikation hatte sie schon geunkt: "Meine große Weite hinterlässt in mir aber auch ein zwiespältiges Gefühl." Irgendwann hat es sie dann wieder gepackt, dieses Nervenflattern, das sie ausgerechnet dann betäubt, wenn sie alles geben soll.