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Steffi Nerius panorama afp 2009
  Foto: AFP, AFP
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Leichtathletik: Steffi Nerius greift wieder an

VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2009 - 07:33

Leverkusen (RP). Die Speerwurfmeisterin möchte noch eine letzte Medaille gewinnen – bei der WM in Berlin. Kurz darauf beendet sie ihre Karriere. Beim TSV Bayer Leverkusen arbeitet sie als Trainerin in der Behindertensport-Abteilung.

Steffi Nerius ist auf großer Abschiedstour. Am 13. September will die Speerwerferin beim Meeting in Thessaloniki ihre Laufbahn als Hochleistungssportlerin nach mehr als anderthalb Jahrzehnten beenden. Doch das Highlight des letzten Wettkampfjahres sollen zuvor die Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 23. August) sein. Dann greift sie noch einmal an, um ihrer reichhaltigen Sammlung an Medaillen ein letztes Edelmetall hinzuzufügen.

In der Hauptstadt schließt sich für die 37 Jahre alte Leverkusenerin ein Kreis. Denn sie startete auch schon bei den ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften auf deutschem Boden, 1993 in Stuttgart. Natürlich erinnert sie sich noch gut an die, wie sie sagt, "super Stimmung" im Stadion. Aber sie hat auch nicht vergessen, dass sie in keiner guten körperlichen Verfassung war nach einer vierstündigen Fahrt bei mehr als 30 Grad und einer tückisch kühlen Lüftung.

Olympia-Silber in Athen

"Am nächsten Tag hatte ich eine schwere Mittelohrentzündung, konnte gar nicht richtig schlucken und nur eine heiße Suppe schlürfen", erzählt sie. "Dadurch habe ich drei, vier Kilo abgenommen und in Stuttgart alles gar nicht so genießen können." Neunte wurde sie, aber es war für sie erst der Anfang einer internationalen Laufbahn, in der sie über viele Jahre zur Speer-Spitze in der Welt gehörte. Bei Weltmeisterschaften gewann sie dreimal Bronze, bei Europameisterschaften Gold (2006) und Silber (2002).

Besonders dramatisch und emotional aber war die Entscheidung bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Sie war Vierte, wie vier Jahre zuvor schon in Sydney, einen winzigen Zentimeter von der Bronzemedaille entfernt, als sie im letzten Versuch und mit einem letzten Kraftakt den Speer 65,82 m weit warf und sogar noch Silber errang.

Mit 13 verließ sie das Elternhaus auf Rügen und ging ins Internat, mit 19 siedelte sie in den Westen, zum TSV Bayer Leverkusen. "Mit Sack und Pack und von heute auf morgen", erzählt sie. "Ich musste mich erst einmal selbst organisieren, alles war für mich neu – etwa ein Konto zu eröffnen, ein Studium anzufangen und mich mit dem Auto auf Autobahnkreuzen zurechtzufinden. Im Nachhinein betrachtet war das sicher alles super für meine Persönlichkeitsentwicklung."

Am 1. Oktober beginnt für Steffi Nerius das Leben jenseits des Spitzensports, dann hat die Diplom-Sportlehrerin eine volle Stelle als Trainerin in der Behindertensport-Abteilung von Bayer Leverkusen, für die sie bisher schon neben ihrer Karriere tätig war. Dass sie etwas sehr vermissen könnte ohne die Wettkampferlebnisse, die sie so viele Jahre genießen konnte, glaubt sie nicht.

"Ich werde einen ausgefüllten Arbeitsablauf haben", sagt sie. "Insofern wird es mir wahrscheinlich nicht langweilig. Ich muss nicht permanent in der Öffentlichkeit sein und kann mir gut ein entspanntes Leben auch so vorstellen." Bei Seniorensportfesten zu starten, dazu hat sie keine Lust, "ich habe den Sport lange genug gemacht". Nur wenn sie mit ihren Athleten trainiert, werde sie "sicher immer mal wieder ein paar Steckwürfe machen".

Worauf sie sich besonders freut, sind die Skiroller-Fahrten (Skiken) "durch Wald und Wiesen" mit ihren Trainern Helge Zöllkau und Matthias Rau. Das haben die drei im Winter schon gemacht, wenn sie im portugiesischen Trainingslager waren.

Und sie kann nachholen, was während der Karriere nicht möglich war und sie wirklich vermisst hat: "Früher, bis zu meinem 13. Lebensjahr, waren wir auf Rügen in den Sommerferien jeden Tag von zehn Uhr morgens bis acht Uhr abends am Strand, haben Volleyball und Doppelkopf gespielt. Wir waren eine Clique von 40, 50 Freunden." Das will sie künftig wieder genießen auf der Insel – wenn auch nicht wie damals acht Wochen am Stück, sondern nur ein oder zwei.

Quelle: RP

 
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