Rallye Dakar: Tragischer Unfall – Zuschauerin gestötet
zuletzt aktualisiert: 03.01.2010 - 12:49Cordoba (RPO). Eine tote Zuschauerin und viele Verletzte - die berüchtigte Rallye Dakar trug gleich zum Auftakt 2010 Trauer. Ein Notarzt konnte auf der 1. Etappe zwischen Colon und Cordoba in Argentinien nur noch den Tod einer 28-jährigen Frau bestätigen.
"Sie erlitt ein schweres Schädeltrauma sowie Verletzungen am Bauch und am Becken", sagte Norberto Brusa, Notarzt im Krankenhaus von Cordoba: "Während des Transports hat sie zwei Herzstillstände erlitten. Trotz der ärztlichen Maßnahmen ist sie wenig später verstorben."
Nach Angaben der Organisatoren waren der deutsche Pilot Mirco Schultis und sein Schweizer Beifahrer Ulrich Leardi mit ihrem Fahrzeug auf dem 684 km langen ersten Teilabschnitt von der Strecke abgekommen und in eine Gruppe von Zuschauern gerast. Angeblich sollen sich die Fans außerhalb der von den Veranstaltern ausgewiesenen Zuschauerzonen aufgehalten haben.
Die Zuschauerin ist das insgesamt 57. Todesopfer seit der ersten Auflage der umstrittenen Rallye 1978. Im vergangenen Jahr starben der französische Motorradfahrer Pascal Terry sowie zwei Peruaner in einem Transportfahrzeug.
In Anbetracht dieses Unglückes trat der sportliche Teil in den Hintergrund. Dabei hatte der Spanier Joan Roma mit seinem BMW X3 überraschend den Konkurrenten das Nachsehen gegeben.
Vorjahressieger Giniel de Villiers und sein deutscher Beifahrer Dirk von Zitzewitz (Karlshof) landeten mit ihrem VW Race Touareg auf Platz fünf mit 4:31 Minuten auf den Tagessieger.
"Es ist eine Ehre, die erste Dakar-Etappe als Titelverteidiger eröffnen zu dürfen. Leider war es heute nicht besonders von Vorteil", sagte de Villiers, der 2009 den ersten VW-Sieg der Dakar-Geschichte gefeiert hatte.
Als bester VW-Pilot kam der zweimalige Rallye-Weltmeister Carlos Sainz (Spanien) auf Position zwei ins Ziel. Markenkollege Nasser Al-Attiyah aus Katar und dessen Co-Pilot Timo Gottschalk (Berlin) belegten mit 3:29 Minuten Rückstand den vierten Rang.
VW Motorsport-Direktor Kris Nissen meinte: "Am Montag beginnen die schwierigen Abschnitte der Rallye. Erst dann können wir anfangen, ernsthaft über die Strategie nachzudenken."
Bei den Motorradfahrern hatte der Vorjahresvierte David Casteu (Sherco) auf dem ersten Teilabschnitt die Nase vorn. Der Franzose lag nach 1:50,42 Stunden drei Sekunden vor dem Vorjahreszweiten Cyril Despres (Frankreich/KTM) und zwölf Sekunden vor dem spanischen Dakar-Gewinner von 2009, Marc Coma (KTM).
Aufgrund von Überschwemmungen hatten die Organisatoren die Wertungsprüfung um mehr als 50 Kilometer verkürzt. Damit mussten die Autos statt 251 nur noch 199 gezeitete Kilometer absolvieren, die Motorräder 168.
Die Rallye Dakar findet zum zweiten Mal in Südamerika statt und führt seit Samstag auf 14 Etappen über mehr als 9000 Kilometer durch Argentinien und Chile. Dabei wird auch die Atacama durchfahren, die als trockenste Wüste der Welt gilt.
Die Toten der Rallye Dakar
1978/79 Patrick Dodin (F) - Motorradfahrer
1979/80 - 1980/81 3 Journalisten (I) in der Wüste verschollen
1981/82 Bert Osterhuis (NL) - Motorradfahrer, Ursula Zentsch (F) - Journalistin, Kind in Mali - Zuschauer
1982/83 Jean-Noel Pineau (F) - Motorradfahrer, Kind in Mali - Zuschauer
1983/84 Zuschauerin von Range Rover in Obervolta überrollt
1984/85 Kind in Niger - Zuschauer, Toter bei Helikopterunfall in Marokko
1985/86 Yasuo Kaneko (J) - Motorradfahrer, Thierry Sabine (F) - Rallye-Direktor, Francois-Xavier Bagnoud (CH) - Pilot, Daniel Balavoine (F) - Pop-Sänger, Nathalie Odent (F) - Journalistin, Jean-Paul Fur (F) - Fernsehtechniker (alle fünf bei einem Hubschrauberabsturz), Jean-Paolo Marinoni (I) - Motorradfahrer
1986/87 Journalist (F)
1987/88 Kees van Loewenzijn (NL) - LKW-Fahrer, Patrick Canado (F) - PKW-Fahrer, Kind aus Mali - Zuschauer, Jean-Claude Huger (F) - Motorradfahrer, Zuschauerin aus Mauritius, Kind aus Mauritius - Zuschauer
1988/89 - 1989/90 Kaj Salminen (FIN) - Journalist
1990/91 Charles Cabannes (F) - Servicemann ermordet, Petitjean (F) - Begleitarzt 1991/92 2 Begleitfahrer (F), Gilles Lalay (F) - Motorradfahrer
1992/93 - 1993/94 Michel Sansen (B) - Motorradfahrer
1994/95 - 1995/96 Laurent Gueguen (F) - LKW-Fahrer, Kind aus Guinea - Zuschauer
1996/97 Jean-Pierre Leduc (F) - Motorradfahrer
1997/98 5 Zivilisten in Mauretanien nach Frontal-Zusammenprall
2001/02 Daniel Vergnes (F) - Begleitperson Toyota
2002/03 Bruno Cauvy (F) - Auto-Beifahrer
2004/05 Jose Manuel Perez (SPA) - Motorradfahrer, Fabrizio Meoni (I) - Motorradfahrer, 2 Zuschauer nach einem Motorradunfall, 1 Kind nach Unfall mit LKW 2005/06 Andy Caldecott (AUS) - Motorradfahrer, 1 Kind nach Unfall mit PKW, 1 Kind nach Unfall mit Begleitfahrzeug
2006/07 Elmer Symons (RSA) - Motorradfahrer, Eric Aubijoux (FRA) - Motorradfahrer
2009 Pascal Terry (FRA) - Motorradfahrer, zwei Peruaner in einem Transportfahrzeug
2010: Zuschauerin nahe Cordoba von Rallye-Fahrzeug erfasst
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