Neben der Spur: Von Delphi bis zum Eishockey
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.03.2009 - 17:26(RP). Die Eishockey-Freunde haben Unerhörtes entdeckt. In nur elf von 28 Fällen habe sich das "Vorrunden-Orakel" bestätigt, nach dem der Erste der Hauptrunde in den Play-offs den Meistertitel errang, heißt es. Schönes Orakel.
Aber sicher nicht ungenauer als das antike Vorbild. Im Unterschied zu modernen Vorhersagern künftiger Ereignisse leistete sich das Orakel von Delphi derart verquaste Ansagen, dass noch heute Stämme von Sprachforschern ihren reichen Arbeitstag mit der Entschlüsselung der Botschaften verbringen. Das hatten die Priester von Delphi natürlich geahnt. Deshalb gab es in der Antike zunächst nur einmal im Jahr neuen Rätselstoff, später aber in jedem Sommermonat. Im Winter wurde drei Monate lang pausiert. Daran hätte sich das Eishockey-Orakel ein Beispiel nehmen sollen.
Oder es orientiert sich am Fußball-Orakel. Das heißt mit Nachnamen Beckenbauer und verwöhnt in seiner Eigenschaft als Kaiser seine Untergebenen mit täglich wechselnden Ausblicken. Das finden manche schon im Ansatz rätselhaft, und gelegentlich ist auch der Rede Sinn mächtig eingedunkelt. Gestört hat es Seine Majestät nie und das Fuß(ball)volk eher selten.
Daraus kann man lernen. Das Eishockey-Orakel sollte dringend in den Sommer verlegt werden und sich durch Auskünfte dieser Art hervortun: Am Ende der einfachen Doppelrunde, die auch als doppelte Einfachrunde oder Hauptspielzeit bezeichnet werden darf (siehe das Kleingedruckte), wird eine Mannschaft an der Tabellenspitze liegen, die danach ganz bestimmt, sicher, wahrscheinlich (Zutreffendes bitte ankreuzen) Deutscher Meister oder Europacup-Sieger wird. Vielleicht aber auch nicht. Wer will das schon wissen.
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