Nur Milram macht noch Hoffnung: Deutschland-Tour vor dem Aus
zuletzt aktualisiert: 15.10.2008 - 18:09Wien (RPO). Nächster Rückschlag für den deutschen Radsport: Ein langjähriger Sponsor der Deutschland-Tour, der in jedem Jahr für das Bundesland Tirol geworben hat, will sich angesichts der Dopingskandale zurückziehen. Hoffnung macht da nur noch das Milram-Team.
"Wir können uns dieser Einwirkung nicht entziehen. Es schaut derzeit nicht gut aus", sagte Marketingchef Josef Margreiter über die Deutschland-Tor: "Zum derzeitigen Zeitpunkt kann ich eine Werbekooperation im bisherigen Ausmaße ausschließen."
Bei der Deutschland-Tour führte in den vergangen fünf Jahren die Königsetappe jeweils nach Tirol. 2004 war St. Anton der Zielort, 2005 ging es erstmals auf den Rettenbachferner in Sölden, 2006 war Seefeld Etappenziel, ehe es 2007 erneut auf den Rettenbachferner ging.
In diesem Jahr fand der Prolog in Kitzbühel statt, ehe die Königsetappe von dort nach Hochfügen (Zillertal) ging. Die Austragung der Deutschland-Tour 2009 ist ohnehin in Gefahr, sollte die ARD aus der Radsport-Berichterstattung aussteigen.
Einen kleinen Funken Hoffnung bei all den Negativ-Meldungen gibt es dennoch: Milram will das einzige deutsche ProTour-Team weiterhin unterstützen. "Wir haben nicht vor auszusteigen. Wir stehen zu unseren Veträgen", sagte Nordmilch-Marketingvorstand Martin Mischel.
Steigt allerdings das Fernsehen aus, wird auch der Bremer Milchproduzent sein Engagement zumindest überdenken: "Man muss immer den Medienmix sehen. Wenn sich die Verhältnisse jedoch ändern, wird es eine neue Gesamtbeurteilung geben. Aber das wird erst im nächsten Jahr erfolgen."
Das nächste Jahr werden viele Rennen in Deutschland gar nicht mehr erleben. Als bisher letzte Veranstaltung war am Dienstagabend das Stuttgarter Sechstagerennen abgesagt worden. Im vergangenen Jahr hatte es bereits Niedersachen- und Rheinland-Pfalz-Rundfahrt mangels Geldgeber erwischt.
"Man darf nicht verarschen"
Dass die Suche nach Sponsoren schwierig ist, kann sich der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche vorstellen. "Im Moment liegt das Image des Radsports irgendwo zwischen einem Gebrauchtwagenverkäufer und einem Investmentbanker", sagte der Franke. Dennoch sei für ihn der Radsport nicht tot: "Die Leute sehen in Deutschland gerne Radrennen. Man darf sie aber nicht verarschen."
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), warnt vor Schnellschüssen der Geldgeber. "Der deutsche Radsport wird in Mithaftung genommen für internationale Fehlentwicklungen. Wenn dafür deutsche Veranstaltungen abgestraft werden sollen, ist das unlogisch", meinte der frühere Politiker.
Deutschland ist kein traditionelles Radsport-Land, und das könnte der Sportart zum Verhängnis werden. "Da stellt sich die Frage, wer überleben wird. Die großen Radsport-Nationen wie Frankreich, Italien oder Spanien werden schon irgendwie durchkommen", sagte der frühere Rad-Manager Walter Godefroot der Mitteldeutschen Zeitung.
Ums Überleben kämpft der Frühjahrs-Klassikers Rund um den Henninger Turm. "Im Moment kämpfe ich noch. Ich klammere mich an einen dünnen Faden", sagte Bernd Moos-Achenbach. Der Organisator des Henninger-Rennens ist nach dem Ausstieg der Brauerei als Hauptsponsor auf der Suche nach einem neuen Geldgeber.
In zwei bis drei Wochen wird eine Entscheidung über die Zukunft des Rennens fallen. Moos-Achenbachs Erwartungen sind eher gering: "Wer jetzt den Radsport sponsort, muss schon Idealist sein."
Idealisten sind in der Marketingwelt rar, was zählt, sind die Schlagzeilen. Und die gibt es momentan fast ausschließlich zum Thema Doping. Deshalb zog vor wenigen Tagen auch die Brauerei Rothaus die Reißleine. Der Geldgeber von Regio Tour, GP Triberg-Schwarzwald und Sparkassen-Cup will keinen Cent mehr in den Profi-Radsport stecken. Den drei Rennen droht das Aus.
Doch die Brauerei zieht sich nicht komplett zurück, sie will sich künftig im Amateur-Radsport engagieren. Ein Modell, das auch bei anderen Veranstaltern zur Rettung ihres Rennens Schule machen könnte. Auch Artur Tabat, Organisator von Rund um Köln, stellte bereits Überlegungen an, künftig nur noch Amateurrennen zu veranstalten. Profis könne er nicht mehr trauen.
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