Als Alberto Contador mit ernster Miene die Bühne im Hotel Las Artes in Pinto betrat, funkelten seine dunklen Augen im Blitzlichtgewitter der Fotografen.
Den Kragen seines weißen Hemdes lässig nach oben geklappt, präsentierte sich der dreimalige Toursieger angriffslustig wie auf einer Bergetappe und war sich nach seinem positiven Dopingtest offenbar keiner Schuld bewusst.
"Ich bin das Opfer einer Nahrungsmittelverunreinigung", beteuerte der kleine Spanier und ergänzte: "Das ist ein Sonderfall und hat nichts mit anderen Dopingfällen zu tun."
Contador versuchte, den Fall eindringlich Stimme kleinzureden, und doch hatte die Nachricht vom positiven Test am zweiten Ruhetag der Tour de France die Radsport-Welt schwer erschüttert.
Anschließend wurde auch noch bekannt, dass der Vuelta-Zweite Ezequiel Mosquera und dessen Xacobea-Teamkollege David Garcia positiv getestet worden sind.
Doch der Dopingfall Contador stellte alles in den Schatten. Sowohl die A- als auch die B-Probe des 27-Jährigen vom 21. Juli bei der Tour in Pau wiesen geringe Spuren der verbotenen Substanz Clenbuterol auf.
Der Radsport-Weltverband (UCI) sprach eine vorläufige Sperre gegen den Madrilenen aus, will aber weitere wissenschaftliche Untersuchungen zur Klärung des Falles anstrengen.
Er habe am Ruhetag offenbar kontaminiertes Fleisch gegessen, das er am Vortag aus Spanien mitgebracht habe.
"Das ist traurig, dass unser Sport deshalb in Mitleidenschaft gezogen wird", sagte Contador.
Aber die medizinische Kommission der UCI habe ihm bereits bestätigt, dass dies ein Fall von verunreinigten Lebensmitteln gewesen sei.
Die UCI scheint der Version Contadors zu folgen. "Die Konzentration lag bei einem Wert von 50 Pikogramm, der damit 400-mal niedriger war als der, den WADA-Labore in Proben entdecken müssen", hieß es in der UCI-Mitteilung
Sollte Contador als Dopingsünder verurteilt werden, würde ihm als zweitem Radprofi nach Floyd Landis 2006 der Toursieg nachträglich aberkannt.
Im Sommer hatte er mit 39 Sekunden vor Andy Schleck das wichtigste Radsport-Event gewonnen.
Außerdem hatte einst auch Bjarne Riis im Zuge des Telekom-Skandals eingestanden, bei seinem Sieg 1996 gedopt zu haben. Der Titel wurde ihm jedoch nicht aberkannt.
Bereits im Zuge der Operacion Puerto war Contador unter Dopingverdacht geraten. Der Madrilene soll Kunde des Dopingarztes Eufemiano Fuentes gewesen sein, ehe sein Name plötzlich wieder von der Liste verschwand.