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Radsport: Gerdemann und Ciolek führen Milram-Team an

VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 08.01.2009 - 07:51

Dortmund (RP). Fleißige Helfer hatten alle Hände voll zu tun. Bis zur letzten Minute polierten sie den Mannschaftsbus des Radsportteams Milram vor dem Pullman-Hotel in Dortmund. Deutschlands einziges Profiteam der höchsten Kategorie wollte sich der Öffentlichkeit von seiner schönsten Seite präsentieren. Dreck und Streusalz der Ruhrgebietsstraßen, die am Teamgefährt klebten, hätten da nur gestört.

Team Milram wird wohl aufgelöst.  Foto: AP, AP
Team Milram wird wohl aufgelöst. Foto: AP, AP

Milram bemüht sich mit Nachdruck, ein sauberes Bild abzugeben, nachdem in den Teams T-Mobile und Gerolsteiner die nationalen Konkurrenten im Dopingsumpf untergegangen sind. „Reine Produkte, sauberer Sport“, „Maximale Transparenz“, „Alles wird neu, alles wird anders“ stand auf den Powerpoint-Folien, mit denen die Mannschaft ihre „Philosophie“ vorstellte.

Wie oft waren solche Grundsätze in den vergangenen Jahren im Radsport zu vernehmen? Auch das Mantra „Wer dopt, fliegt“, das Claus Fischer vom Geldgeber Nordmilch betonte, ist so neu ja nicht.

Für Milram geht es ums sportliche Überleben. „Wir stehen unter Drück“, sagte Manager Gerry van Gerwen, ein Niederländer, in seinem putzigen Deutsch, „der Fokus des deutschen Radsports liegt in diesem Jahr ganz auf uns. Und vielleicht auch im nächsten.“

Vielleicht aber nur. Denn als 2008 die Wellen nach den Dopingskandalen der Tour de France wieder über dem deutschen Radsport zusammenbrachen, drohte auch der Molkereikonzern Milram mit dem sofortigen Rückzug als wichtigster Geldgeber des nach seinen Quark- und Joghurtprodukten benannten Teams. Die Vertragssituation hinderte das Unternehmen am Ausstieg.

„Wir haben die klare Botschaft, wenn irgendetwas passiert, ist sofort Schluss“, erklärte Nordmilch-Vorstandschef Josef Schwaiger. „Wir überprüfen unser Engagement ständig.“ Eine Zusage, den bis 2010 laufenden Vertrag mit van Gerwens Team zu erfüllen, wollte das für Marketing zuständige Vorstandsmitglied Fischer nicht geben.

Besonders die vom amerikanischen T-Mobile-Nachfolger Columbia zu van Gerwens Equipe gewechselten Linus Gerdemann und Gerald Ciolek stehen für die Zukunft des deutschen Radsports. Hinzu kommt eine Reihe von ehemaligen Gerolsteiner-Fahrern, angeführt von Fabian Wegmann, dem Deutschen Meister, und dem auf lange Rundfahrten spezialisierten Kaarster Markus Fothen.

Die Hierarchie steht schon nach dem ersten Trainingslager auf Mallorca fest. Als „Starfahrer“ bezeichnet van Gerwen den Rundfahrtspezialisten Gerdemann, der bei der Deutschland-Tour 2008 seinen ersten großen Sieg feierte, und den früheren Junioren-Weltmeister Ciolek. Der Pulheimer tritt bei Milram die Nachfolge des zurückgetretenen Erik Zabel als Ganzjahresfahrer und Sprinter an, der auch auf hügeligem Terrain gut zurechtkommt. Sein ambitioniertes, aber realistisches Hauptziel für dieses Jahr: ein Etappensieg bei der Tour de France.

Von einem „Kulturumbruch“ spricht van Gerwen und deutet damit an, dass das Thema Doping in Südeuropa weniger gewissenhaft behandelt wird als hierzulande. Der ehemals italienisch geprägte Rennstall bekommt am Stammsitz Dortmund praktisch eine neue Nationalität. 17 der 25 Milram-Profis besitzen einen deutschen Pass. Nur der Teambus ist noch nicht eingebürgert. Er fährt mit Kennzeichen „I“.


Das Team Milram 2009

Teamleitung: Gerry van Gerwen (Niederlande/06.01.1953)
Sportliche Leiter: Algeri Vittorio (Italien/03.01.1953), Ralf Grabsch (Hürth/07.04.1973), Jochen Hahn (Berlin/16.01.1962), Christian Henn (Heidelberg/11.03.1964), Raoul Liebregts (Niederlande/22.11.1975)
Fahrer (25): Luca Barla (Italien/29. 09.1987), Gerald Ciolek (Pulheim/19.09.1986/neu), Markus Eichler (Mönchengladbach/18.02.1982), Robert Förster (Markkleeberg/27.01. 1978/neu), Markus Fothen (Kaarst/09.09.1981/neu), Thomas Fothen (Kaarst/06.04.1983/neu), Johannes Fröhlinger (Freiburg/09.06. 1985/neu), Artur Gajek (Bergisch Gladbach/18.04.1985), Linus Gerdemann (Münster/16.09.1982/neu), Servais Knaven (Niederlande/06. 03.1971/neu), Christian Knees (Bornheim/05.03.1981), Christian Kux (Chemnitz/03.05.1985), Martin Müller (Forst/05.04.1974), Dominik Roels (Köln/21.01.1987), Thomas Rohregger (Österreich/23.12. 1982/neu), Matthias Ruß (Oberried/14.11.1983/neu), Ronny Scholz (Herrenberg/24.04.1978/neu), Björn Schröder (Berlin/27.10.1980), Wim Stroetinga (Niederlande/23.05.1985/neu), Niki Terpstra (Niederlande/18.05.1984), Martin Velits (Slowakei/21.02.1985), Peter Velits (Slowakei/21.02.1985), Paul Voß (Bielefeld/26.03. 1986/neu), Fabian Wegmann (Freiburg/20.06.1980/neu), Peter Wrolich (Österreich/30.05.1974/neu) Zugänge: Förster, Markus und Thomas Fothen, Fröhlinger, Ruß, Scholz, Wegmann, Wrolich (alle Gerolsteiner), Ciolek, Gerdemann, Knaven (alle Columbia), Rohregger (Elk Haus-Simplon), Stroetinga (Ubbink-Syntec), Voß (3C Gruppe)
Abgänge: Ralf Grabsch, Enrico Poitschke, Erik Zabel (alle Karrierende), Igor Astarloa, Andrej Griwko (beide ISD-Danieli), Alessandro Petacchi (LPR), Marco Velo (Quick Step), Alberto Ongarato (TMC Transformers), Fabio Sabatini (Liquigas), Brett Lancaster (Cervelo), Elia Rigotto (PVC Diquigiovanni), Dennis Haueisen (Sportlicher Leiter Milram-Nachwuchsteam), Wolodimir Djudja, Sergio Ghisalberti, Matej Jurco, Sebastian Schwager (alle Ziel unbekannt)

Quelle: RP

 
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