kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Wenn-der-Stress-fuer-Sportler-zuviel-wird_6_67727.jpg
  Foto: ddp
Kommentare ()

Analyse zur Erklärung des Ex-Radprofis: Jan Ullrich gesteht ein bisschen

VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012 - 10:33

Düsseldorf (RP). Nach dem Schuldspruch durch den Sportgerichtshof räumt der einzige deutsche Tour-Sieger Kontakt zum Blutdoping-Experten Fuentes ein. Er gibt aber nicht ausdrücklich zu, Doping betrieben zu haben. Eine Analyse seiner Erklärung.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag veröffentlichte Jan Ullrich (38) auf seiner Homepage eine Stellungnahme, mit der er auf den Schuldspruch des Sportgerichtshofs (Cas) reagierte. Wegen Verstrickung in das Dopingsystem um den Spanier Eufemiano Fuentes hatte ihn der Cas für zwei Jahre gesperrt und ihm unter anderem Rang drei bei der Tour de France 2005 genommen. Hier einige Auszüge im Original, dazu die Einordnung.

Ullrich: "Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue."

Nirgends in der Erklärung sagt er ausdrücklich, dass er bei dem Spanier Blutdoping betrieben hat. Er gesteht nur den Kontakt zu Fuentes. Aber den hat der Bäcker, bei dem Fuentes seine Hörnchen kauft, auch. Möglicherweise versucht Ullrich so zu vermeiden, dass er von früheren Sponsoren rechtlich belangt wird. Die Telekom teilte gestern jedoch mit, für sie sei der Fall erledigt. Schadenersatzforderungen an Ullrich werde es nicht geben. Zu diesem Thema passt folgende Passage:

"Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung (2006 durch das T-Mobile-Team, Anm. d. Red.), den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen."

In seinem Mini-Geständnis beschränkt er sich auf die Nähe zu einem Blutdoping-Experten. In der Anklage des Radsport-Weltverbandes werden aber weitere Dopingmittel und -methoden genannt, die er eingesetzt haben soll. Mit der Fokussierung auf die Fuentes-Zeit (ab 2005) schafft Ullrich auch Distanz zum Toursieg 1997. Er erweckt so den Eindruck, dass er damals, zur Hoch-Zeit des Ausdauermittels Epo, sauber gewesen sei.

Die Fans waren ihm immer sehr wichtig. Er hat es zwar genossen, wenn sie ihm zugejubelt haben, aber er hat nie Allüren gezeigt. Er wendet sich direkt an die vielen Anhänger, die er immer noch hat:

"Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen – es tut mir sehr leid. Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln."

Er schlüpft in die Opferrolle. Er betont, dass er sich unter anderem von seinen Sponsoren (T-Mobile meint er wohl, nennt den Konzern aber nicht) unter Druck gesetzt fühlte und gibt ihnen damit eine Mitschuld an seinen Fehltritten:

"Ich wollte für die Tour 2006 nochmal alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong."

Auch in einer weiteren Passage heischt er um Mitleid:

"Kurz vor der Tour 2006 macht es dann einen großen Schlag: Suspendierung, Schlagzeilen, Ächtung, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Klagen. Ich fühlte mich alleingelassen, wie durch ein Sieb gefallen. Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen, und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen."

In dieser Tonart geht es weiter. Er weist auf Burnout-Symptome hin:

"Letztendlich hat mich dieses Thema über Jahre so sehr belastet, dass ich krank wurde und irgendwann zusammengebrochen bin. Ich bin froh, dass endlich ein Urteil gefällt wurde."

Den Fans, die sich ein Comeback des einzigen deutschen Tour-de-France-Siegers wünschen, erteilte er eine Absage. Er betonte auch, dass er nicht als Teamchef oder Trainer arbeiten wolle:

"Für mich ist damit das Kapital meiner aktiven Radsportkarriere endgültig abgeschlossen, und ganz persönlich ist es für mich und meine Familie das Ende einer über Jahre hinweg schwierigen Zeit. Der heutige Schiedsspruch kann für mich und meine Zukunftspläne nichts mehr ändern. Ich habe nie daran gedacht, in irgendeiner Funktion wieder in den aktiven Profiradsport zurückzukehren."

Ullrich hatte angekündigt, dass er 2012 an fünf Jedermannrennen teilnehmen werde. So konkret sagt er das in seiner abschließenden Erklärung nicht. Die zweijährige Sperre, die der Cas gegen ihn verhängte, bezieht sich nach Auskunft des Bundes Deutscher Radfahrer auch auf Jedermannrennen. Deshalb formulierte Ullrich weich:

"In Zukunft werde ich deshalb auch in verschiedenen Funktionen und Bereichen im Jedermann-Radsport tätig sein."

Einen Interview- und Talkshowmarathon, wie er ihn nach seinem Rücktritt vom Profisport im Jahr 2007 absolvierte, soll es dieses Mal nicht geben:

"Mit dieser Erklärung ist von meiner Seite alles gesagt, und zu diesem Thema möchte ich keine weiteren Statements, Stellungnahmen oder Interviews in der Öffentlichkeit abgeben."