Verzweifelte Suche: Keiner will Dopingsünder Sinkewitz
zuletzt aktualisiert: 01.06.2008 - 11:59Düsseldorf (RPO). In sechs Wochen läuft die Sperre des geständigen Dopingsünders Patrik Sinkewitz aus. Doch die Hoffnungen des Radprofis auf ein Engagement bei einem neuen Rennstall schwinden mehr und mehr. Keiner will Sinkewitz unter Vertrag nehmen.
Er sei bei ihnen kein Thema, heißt es unisono von den ProTour-Teams Gerolsteiner und Milram. Sinkewitz-Anwalt Michael Lehner sieht dadurch die Kronzeugenregel gefährdet, während Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer "in erster Linie persönliche Gründe" für die Absage anführt.
"Man darf nicht so tun, als ob die Kronzeugen in den fünf oder zehn Jahren vor ihrer Aussage berührungslos durch die Lande gelaufen sind. Das hat nichts mit dem löblichen Schritt ihrer Aussagen zu tun", sagte Holczer.
Man müsse solche Fahrer auch immer in die Mannschaft integrieren, was unter den Umständen schwierig sei. Sein Top-Fahrer Markus Fothen hatte sich bereits im vergangenen Jahr deutlich gegen eine Rückkehr von Sinkewitz in den Radsport ausgesprochen.
"Sinkewitz steht nicht auf der Liste"
Auch beim Bremer Team Milram sieht man keine Möglichkeit einer Verpflichtung des früheren Siegers der Deutschland-Tour. "Ich entscheide, wer verpflichtet wird, und es gibt viele freie Fahrer. Sinkewitz steht bei uns nicht auf der Liste", sagte Teamchef Gerry van Gerwen.
Absagen dieser Art kassiert Sinkewitz momentan reihenweise. "Jeder lobt mich für meine Haltung", sagte der 27-Jährige auf einem Dopingkongress in Bonn, aber "leider habe man derzeit keinen Platz frei". Dennoch traue sich der frühere T-Mobile-Profi, der während der Tour de France 2007 des Testosteron-Dopings überführt worden war, zu, sofort wieder vorn mitfahren zu können, wenn niemand gedopt sei.
Unter Berücksichtigung der Kronzeugenregel war Sinkewitz ebenso wie Jörg Jaksche für ein Jahr gesperrt worden. Wie Jaksche, der inzwischen seine Karriere beendet hat, sieht Sinkewitz nach dem Ablauf der Sperre am 17. Juli einer ungewissen Zukunft entgegen. Sein Anwalt Lehner stellt deshalb die Kronzeugenregelung in Frage: "Wenn es bei dieser Ablehnung von reuigen Sündern bleibt, dann wackelt das Kronzeugen-Konzept, von dem sich alle soviel versprochen haben."
Lehner würde sich wünschen, dass die deutschen Teams Gerolsteiner oder Milram den Image-Gewinn sähen, die ihnen eine Verpflichtung von Sinkewitz bieten würde: "Das wäre ein Meilenstein in der Dopingbekämpfung. Wenn aber Kronzeugen keine zweite Chance bekommen, dann können wir einpacken und uns von dem Gedanken verabschieden, das System aufzubrechen."
Holczer will Sinkewitz zwar nicht für seine Eifel-Equipe verpflichten, betont aber die immense Bedeutung des Kronzeugensystems. "Sie ist ein elementares Element der Abschreckung und wichtiger Bestandteil im Anti-Doping-Kampf", sagte der Mathematik- und Geschichtslehrer, der sich momentan noch immer auf der Sponsorensuche für seinen Rennstall befindet.
Sinkewitz helfen solche Aussagen freilich wenig, solange er ein arbeitsloser Radprofi ist. Dennoch ist der Fuldaer aus heutiger Sicht froh, sich zu seiner Aussage entschlossen zu haben: "Kein Sportler betreibt Doping als Hobby, er wird durch Erfolgsdruck und Angst vor Versagen dazu getrieben."
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