Aberkennung des Tour-Sieges: Landis zieht vor Obersten Gerichtshof
zuletzt aktualisiert: 11.10.2007 - 12:25Düsseldorf (RPO). Der Fall Floyd Landis wird in letzter Instanz vor dem Obersten Sportschiedsgerichtshof in Lausanne entschieden. Der CAS bestätigte am Donnerstag in einer Pressemitteilung den Eingang der Berufung des US-Radprofis gegen seine Disqualifikation als Toursieger 2006 und die zweijährige Dopingsperre bis zum 29. Januar 2009.
Landis gibt sich noch immer nicht geschlagen und greift nach dem letzten Strohhalm. "Ich habe den Glauben an Fairness noch nicht aufgegeben, obwohl der Kampf um meine Unschuld für mich und meine Familie sehr lang und schwer ist", erklärte der Amerikaner, dem als erstem Radprofi der Toursieg nachträglich aberkannt worden ist.
Vor der letzten Instanz klagt der frühere Phonak-Kapitän gegen seine Disqualifikation als Gewinner der Frankreich-Rundfahrt 2006, die zweijährige Dopingsperre bis zum 29. Januar 2009 und die Aberkennung der Siegprämie von 450.000 Euro.
Rätselhaft bleibt, wie der 31-Jährige, der mit seiner Familie in San Diego lebt, finanziell den juristischen Marathon durchstehen kann, der nach allen Prognosen ein Kampf bis zum bitteren Ende ist. Seine Armada an Anwälten soll ihn im längsten Sportgerichtsverfahren der USA bereits zwei Millionen Dollar gekostet haben. Trotzdem war der Versuch gescheitert, dem französischen IOC-Labor Falsch-Analysen nachzuweisen. Dort war er nach der 17. Etappe der Tour de France am 20. Juli 2006 positiv auf Testosteron getestet worden.
"Ich bin Opfer eines korrupten Systems geworden", hatte Landis weiter beteuert, nachdem er am 20. September vom Schiedsgericht der US-Antidoping-Agentur USADA mit 2:1 Stimmen schuldig gesprochen worden war.
Seine Chancen vor dem CAS gelten als gering. Die Besetzung des dreiköpfigen Richtergremiums und die Termine für die Anhörung sollen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Normalerweise ist mit einem Urteil innerhalb von vier Monaten zu rechnen.
Alle drei US-Jurymitglieder hatten zwar bemängelt, das in Chatenay-Malabry durchgeführte Testosteron-Screening habe nicht den Forderungen der Welt-Antidoping-Agentur WADA entsprochen. Für zwei Richter stand aber fest, die zusätzliche Carbon-Isotopen-Analyse habe zweifelsfrei den Testosteronwert von 11:1 nachgewiesen, der klar über der erlaubten Grenze von 4:1 lag. Nur der von der Landis-Partei nominierte Vertreter schloss sich diesem Urteil nicht an.
"Das Screening ist nur eine grobe Methode. Auch wenn dabei möglicherweise ein Formfehler begangen wurde, sagt das wenig aus", hatte der Kölner IOC-Laborchef Professor Wilhelm Schänzer den Streitpunkt kommentiert: "Wenn sich aus dem Screening ein Verdacht ergibt, wird automatisch die Carbonanalyse angewandt. Sie allein ist maßgebend." Im Fall Landis sei dies "eindeutig und sauber" erfolgt.
Der Kalifornier, der am Tag zuvor völlig eingebrochen war, hatte die letzte Alpenetappe 2006 nach einem spektakulären Alleingang gewonnen. Das positive Testergebnis wurde jedoch erst am 27. Juli bekannt, vier Tage nach Ende der Rundfahrt. Nach Bestätigung durch die B-Probe war er von seinem später aufgelösten Schweizer Rennstall entlassen worden und hat seit der Tour kein Rennen mehr bestritten.
Der Radsport-Weltverband UCI hatte Landis am 21. September den Toursieg 2006 aberkannt. Dem damals zweitplatzierten Spanier Oscar Pereiro soll am kommenden Montag (15. Oktober) in Madrid von der Tour-Organisation das Gelbe Trikot überreicht werden. Der Deutsche Andreas Klöden rückt nachträglich auf Platz zwei vor, der Spanier Carlos Sastre auf Rang drei.
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