Kommentar zum Urteil im Fall Contador: Problemregion Spanien
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30Düsseldorf (RP). Das Urteil des Sportgerichtshofs stößt auf viel Kritik. In Spanien, dem Heimatland des verurteilten Alberto Contador, ganz besonders. Nichts anderes war zu erwarten. Doch es gibt auch bemerkenswerte Stimmen.
"El Periodico de Catalunya" hält Contadors Version vom verunreinigten Steak für "abenteuerlich". Und die angesehene Zeitung "El Pais" schreibt: "Der Fall zeigt, dass man in Spanien beim Doping mehr Toleranz walten lässt als in anderen Ländern."
Der Regierungschef soll ja dafür gesorgt haben, dass Contador von der nationalen Sportgerichtsbarkeit nicht aus dem Verkehr gezogen wurde. Doch es gibt nun auch in Spanien kritische Beobachter, die die großen Erfolge in vielen Sportarten mit Skepsis verfolgen. Sieh einer an!
Es wäre naiv anzunehmen, Contador sei ein Einzelfall in einem seit Olympia 1992 in Barcelona hochgezüchteten spanischen Sport. Dass der Rundfahrer der erste ganz Große seines Landes ist, der auffliegt, wirft Fragen auf. Sind Radrennfahrer schlechtere Menschen als andere Sportler? Wohl kaum. Wird im Radsport besser kontrolliert und konsequenter verfolgt als in Sportarten wie Tennis oder Fußball? Wohl eher.
Das liegt aber nicht an der Einsicht der Verbandsoberen, sondern an den wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Nur ein Radsport, der zumindest das Bemühen erkennen lässt sich zu bessern, hat eine Zukunft.
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