Dopingskandal: Radikaler Neuanfang gefordert
zuletzt aktualisiert: 25.05.2007 - 12:36Frankfurt/Main (RPO). Die Serie der Doping-Geständnisse lässt immer mehr Stimmen nach einem radikalen Neuanfang lauter werden. Vor allem die Entscheidung des T-Mobile-Teams, an Sportdirektor Rolf Aldag festzuhalten, wird scharf kritisiert. Aldag hatte am Donnerstag eingeräumt, er habe sich bewusst für Doping entschieden und mehrere Jahre lang das verbotene Hormon EPO verwendet.
Der Sportexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Detlef Parr, sagte im Südwestrundfunk (SWR), im Interesse eines wirklichen Neuanfangs sei es zwingend, dass die Rennstall-Betreuer ihre "Vorbildfunktion ohne Wenn und Aber" erfüllen könnten. Über die Entscheidung, an Aldag festzuhalten, müsse "sicher noch mal neu nachgedacht" werden.
Als Konsequenz aus den jüngsten Enthüllungen im Dopingskandal sei im übrigen ein standesrechtliches Verfahren gegen die beiden geständigen Freiburger Sportmediziner notwendig, sagte Parr. Die Bundesärztekammer müsse prüfen, ob beiden "die Approbation zu entziehen" sei.
Der sportpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, geht davon aus, dass auch in anderen Sportarten flächendeckend gedopt wird.
Die Dopingbeichten der Telekom-Radprofis könnten nur der Anfang sein, sagte Hermann der Chemnitzer "Freien Presse". Auch im Schwimmsport und in der Leichtathletik gebe es erhebliche Doping-Probleme. Selbst im Fußball werde zu Doping-Mitteln gegriffen.
Der Grünen-Politiker forderte von den betroffenen Sportlern, einen Schlussstrich zu ziehen und sich für ein Geständnis zu entscheiden. Auch ehemalige DDR-Sportler sollten sich outen. Als peinlich bezeichnete Hermann das Verhalten von Jan Ullrich, "dessen Toursieg offensichtlich auf Doping basiert und der immer noch schweigt".
Nach Auffassung von Hermann muss es bei Telekom-Radprofis einen personellen Neuanfang geben. Bislang seien die Konsequenzen nur halbherzig gewesen.
Der Grünen-Sportexperte bezweifelt zudem, dass die Konzernspitze von den Doping-Praktiken nichts gewusst habe. Entweder hätten die Kontrollen versagt oder die Verantwortlichen seien selber Mittäter, meinte Hermann.
Auch die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Silvia Schenk, forderte personelle Konsequenzen. Da die Geständnisse erst nach vorangegangenen Enthüllungen erfolgt seien, sei bei den Radsportlern auch keine Reue zu spüren, sagte sie bei Deutschlandradio Kultur.
"Ein notorischer Lügner wie Rolf Aldag, der letztes Jahr den Neuanfang verkündet hat, (...) kann nicht an führender Position bleiben", sagte sie.
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