"Das ist eine Schweinerei": Spanien ist empört über das Contador-Urteil
zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 12:30Frankfurt/Main (RPO). Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Fall von Radprofi Alberto Contador ist in dessen spanischer Heimat mit Empörung und Wut aufgenommen worden. "Das ist eine Schweinerei. Das habe ich nicht erwartet", sagte der fünfmalige Tour-de-France-Sieger Miguel Indurain.
Der CAS hatte Contador am Montag wegen einer positiven Dopingprobe bei der Tour de France 2010 mit einer zweijährigen Sperre belegt. Contador verliert damit sowohl seinen Tour-Titel von 2010 als auch den Sieg beim Giro dItalia 2011.
"Lächerlich und ohne Logik"
Heftig fielen die Reaktionen auch bei Oscar Pereiro, dem Tour-Sieger von 2006 und Carlos Sastre, Gewinner der Frankreich-Rundfahrt 2008 aus. Beide kritisierten den Schiedsspruch scharf. "Die Entscheidung ist lächerlich, schwer zu verstehen und ohne jede Logik. Die Titel, die man ihm nimmt, hat er legal gewonnen", sagte Sastre.
Pereiro, der bei seinem Tour-Sieg von der Suspendierung des Amerikaners Floyd Landis profitiert hatte, ließ kein gutes Haar am Weltverband UCI und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und verglich den Fall Contador mit dem des spanischen Radprofis Alejandro Valverde. Dieser war als Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes verurteilt worden: "Zwei Jahre Sperre und im Urteil schreiben sie, dass Doping nicht nachgewiesen wurde. Jetzt haben wir schon zwei gesperrte Spanier, ohne dass ihnen der CAS oder die UCI etwas nachgewiesen haben. Ihr solltet euch schämen, was ihr mit uns abzieht".
Auch Tennis-Superstar Rafael Nadal kritisierte das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS scharf. "Die Contador-Nachricht ist unglaublich. Es gibt keinen endgültigen Beweis, und sie geben ihm die Höchststrafe. Das ist zum Heulen. Nur Mut Champion! Du hast meine Unterstützung!", twitterte der Weltranglistenzweite.
Merckx wittert Verschwörung
Beim spanischen Radsport-Verband RFEC nahm man die Sperre Contadors ebenfalls enttäuscht auf, blieb in den Reaktionen aber deutlich sachlicher. "Es ist eine sehr traurige und unangenehme Nachricht für den spanischen Radsport und den Sport in unserem Land im Allgemeinen. Wir hatten Hoffnung, dass das Urteil positiv ausfällt, obwohl es immer Zweifel gibt", sagte Verbands-Präsident Juan Carlos Castano. Der Verband kündigte an, das Urteil zeitnah prüfen zu wollen und sich dann mit Contador in Verbindung zu setzen.
Der fünfmalige belgische Tour-Sieger Eddy Merckx witterte gar eine Verschwörung: "Das Urteil ist unerwartet und unglaublich. Wenn sie den Radsport zu einhundert Prozent sauber haben wollen, würden sie alle für positiv erklären. Es ist nicht gerecht, dass nur der Radsport so leidet, jemand möchte den Tod des Radsports".
"Hätte man dem CAS nicht mehr zugetraut"
Der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke hat das Urteil im Fall des spanischen Radprofis Alberto Contador begrüßt. "Die Rechtssprechung hat Flagge gezeigt", sagte 71-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (SID).
"Nach diesen langwierigen Vorgängen hätte man das dem CAS gar nicht mehr zugetraut", sagte Franke. Der Schiedsspruch sei daher "überraschend, aber sinnvoll". Dem Urteil war eine 18 Monate lange Hängepartie vorausgegangen, während derer die Institutionen in eine Glaubwürdigkeitskrise gerieten.
Die Reaktionen der Empörung in Spanien überraschen Franke dagegen nicht. "Spanien ist bekannt dafür, eigene sportliche Erfolge abzuschotten. In Spanien wird gerne vertuscht", sagte der Professor für Zell- und Molekularbiologie. Der spanische Sport habe seit 2006 und der Affäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes seine Glaubwürdigkeit verspielt.
Auch die spanischen Medien sind empört: Lesen Sie hier die spanischen Pressestimmen.
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