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Nach Doping-Skandalen im Radsport: T-Mobile und Adidas steigen aus

zuletzt aktualisiert: 27.11.2007 - 19:15

Düsseldorf (RPO). Nach 15 Jahren wird die Deutsche Telekom ihr Engagement im Radsport beenden. Diese Entscheidung ist offenbar die Konsequenz aus den ständigen Dopingskandalen auch beim Rennstall T-Mobile. 

Unmittelbar nach der Telekom gab auch der Sportartikelhersteller adidas den Rückzug aus dem Radsport-Sponsoring bekannt. "Wir werden ab sofort nicht mehr als Ausrüster des ehemaligen Teams T-Mobile auftreten," teilte Adidas mit.

Die finanzielle Förderung des Teams werde Ende 2008 vertragsgemäß auslaufen und nicht mehr verlängert. Adidas verurteile Doping im Sport in jeglicher Form und werde auch in Zukunft an dem Grundsatz festhalten, die laufenden Verträge mit Sportlern, die nachweislich gedopt waren, unverzüglich und vereinbarungsgemäß zu kündigen.

Dennoch geht es für die Mannschaft im Jahr 2008 weiter. Unter dem Namen "Team High Road" wird Teamchef Bob Stapleton seine 29 Fahrer genauso wie das Frauen-Team auch im kommenden Jahr ins Rennen schicken.

Die Ära Telekom/T-Mobile aber ist nach 17 Jahren unwiderruflich zu Ende. "Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um uns und die Marke T-Mobile von den jüngsten Doping-Erkenntnissen im Sport und speziell im Radsport zu distanzieren. Angesichts unserer langjährigen Unterstützung für den Profiradsport und der Fortschritte, die das Management um Bob Stapleton zuletzt machte, ist uns dies nicht leicht gefallen", sagte Hamid Akhavan, Telekom-Vorstand und T-Mobile International Vorstandsvorsitzender zur Entscheidung, den bis 2010 laufenden Vertrag vorzeitig zu kündigen.

Seit 1991 hatten sich die Telekom und ihre Tochtergesellschaft T-Mobile im Radsport engagiert. Höhepunkt der 17-jährigen Ära waren die Toursiege von Bjarne Riis (1996) und Jan Ulrrich (1997).

BDR-Präsident Rudolf Scharping bedauerte den Ausstieg des Sponsors und sprach von einem "äußerst ernsten Rückschlag für den Profiradsport in Deutschland". Trotzdem gebiete es aber die Fairness festzuhalten, dass Telekom und T-Mobile am Aufschwung des Profiradsports bleibende Verdienste hätten.

Erst im August hatte der Konzern sein Radsport-Sponsoring auf den Prüfstand gestellt, nachdem T-Mobile-Profi Sinkewitz positiv auf Testosteron getestet worden war. Damals verwarf der Konzern nach längerer Bedenkzeit noch den Gedanken an den Ausstieg. Dieser Entschluss wurde nun aber nach einem weiteren Dopingfall im Team durch Lorenzo Bernucci und insbesondere durch die Enthüllungen von Sinkewitz wieder revidiert.

Der frühere Deutschland-Toursieger hatte vor dem Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ausgesagt, auch nach dem Fall Ullrich im Jahr 2006 weiter unter Führung von Ex-Teamarzt Lothar Heinrich Eigenblut-Doping betrieben zu haben.

Das sofortige Aus beendet eine 17 Monate lange Skandalkette. Nachdem sich das Team vom Fall Ullrich, der Mitte 2006 als mutmaßlicher Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes suspendiert wurde, etwas erholt und mit komplett neuer Leitung unter Stapleton einen Neuanfang gewagt hatte, brach im Frühjahr der belgische Ex-Masseur Jef d'Hont das Schweigen und berichtete über systematisches Doping im Telekom-Team der 90er Jahre.

Es folgte eine Geständniswelle von Bert Dietz über Erik Zabel bis hin zu Bjarne Riis und den Freiburger Teamärzten Heinrich und Andreas Schmid. Auch Sportdirektor Rolf Aldag, der stets jegliches Doping geleugnet hatte, musste gestehen. Im Juli folgte der nächste Rückschlag mit der positiven Probe von Sinkewitz. Seine jüngsten Enthüllungen brachten das Fass zum Überlaufen.

Nun steht Stapleton vor einem völligen Neuanfang. Ende 2006 hatte der Amerikaner in drei Monaten ein neues Team aufgebaut und mit einer neuen Philosophie einen Neustart vollzogen. Nicht mehr Toursiege, sondern sauberer Sports sollten im Mittelpunkt stehen.

"Die Entscheidung von T-Mobile ist eine große Herausforderung für uns. Wir wollen aber die Arbeit, die wir bei T-Mobile begonnen haben, auch in Zukunft fortsetzen und für Erfolg durch fairen und sauberen Sport stehen", sagte Stapleton. In wieweit der millionenschwere Unternehmer eine Entschädigung von T-Mobile erhält oder das Team aus der eigenen Tasche finanziert, ist nicht bekannt.

Für den deutschen Radsport ist der Ausstieg von T-Mobile ein weiterer schwerer Schlag. Erst vor wenigen Wochen hatte der Gerolsteiner-Konzern seinen Abschied vom Radsport mit Ende 2008 angekündigt. Teamchef Hans-Michael Holczer sucht derzeit nach einem neuen Sponsor. Beim zweitklassigen Wiesenhof-Team stehen bereits die Räder still.


 
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