"Pharma-Leistungsschau": ARD und ZDF erwägen Ausstieg aus Tour-de-France-Berichterstattung
zuletzt aktualisiert: 28.01.2007 - 16:11Mainz (RPO). Erst drohte das ZDF, sich aus der Tour-de-France-Berichterstattung zurückzuziehen: Man berichte über Sportereignisse, nicht über eine "Pharma-Leistungsschau". Jetzt erwägt auch die ARD diesen Schritt. Man könne eine sportliche Leistung bei der Tour offenbar kaum bewerten.
ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf forderte am Freitag im ARD-Mittagsmagazin von Veranstaltern, Mannschaften und Verbänden klare Garantien für einen sauberen Sport. "Wenn man als Journalist nicht mehr weiß, ob man eine sportliche Leistung überhaupt noch bewerten kann oder nicht, dann muss man sich zurückziehen", sagte er wörtlich. Allerdings seien Kurzschlussreaktionen vor anstehenden Radrennen nicht hilfreich.
Gemeinsam mit dem ZDF wolle die ARD an einem Runden Tisch klären, was zu geschehen habe. Das Hauptproblem sei der Wettlauf zwischen den Doping- und Analysemethoden: "Die Schummler haben immer einen Schritt Vorsprung." Trotzdem dürfe man den Kampf gegen die Manipulation nicht einstellen. Das verheerende an dem neuen Skandal sei, dass er die verbliebene Hoffnung auf eine saubere Tour komplett zerstört habe.
ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte zuvor bereits deutliche Worte für den Skandal gefunden: "Wir haben einen Fernsehvertrag über eine Sportveranstaltung und nicht über eine Pharma-Leistungsschau abgeschlossen."
Der neuerliche Fall zeige, dass ohne wirksame Gegenmaßnahmen der Wegfall der Geschäftsgrundlage drohe: "In diesem Fall müssen wir über ein Ende der Berichterstattung des ZDF über die Tour nachdenken."
Brender wollte den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die deutschen Rennställe zu einer Konferenz über die Einhaltung eines Doping-Kodexes einladen. Zudem verlangt das ZDF vom Weltverband UCI und vom Tour-Veranstalter A.S.O. eindeutige Garantien über wirksame Maßnahmen gegen Doping sowie eine Verschärfung der Strafen bis hin zur Sperrung von Rennställen.
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