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Rinaldo Nocentini afp 2009 Panorama tour de france küsschen
  Foto: AFP, AFP
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Zwischenbilanz der Tour de France: Astana behält die Kontrolle

VON HARTMUT SCHERZER - zuletzt aktualisiert: 13.07.2009 - 10:36

Tarbes (RP). Der Italiener Rinaldo Nocentini trägt zwar das Gelbe Trikot, den Takt geben aber die Stars aus dem kasachischen Team an. Alberto Contador und Lance Armstrong, die Rivalen in einer Equipe, haben die Konkurrenz im Griff.

Ein Nobody namens Nocentini schlüpfte in den Pyrenäen ins Gelbe Trikot und darf es heute am Ruhetag in Limoges stolz in den Spind hängen. Das malerische Hochgebirge, das seinen einstigen Schrecken verloren hat, liegt hinter dem Italiener. Welche Überraschung, welcher Zufall. Rinaldo Nocentini (31) ist nach neun Etappen und 1377 Kilometern Spitzenreiter der 96.Tour de France – von Gnaden Lance Armstrongs und Alberto Contadors.

"Ich bin müde. Die Mannschaft hat großartig gearbeitet und hat davon profitiert, dass es im Peloton ruhig blieb", sagte Nocentini erschöpft und erleichtert. Das Pyrenäen-Profil war von den Streckenplanern bewusst weniger anspruchsvoll angelegt worden, um die Spannung für die Alpen, das Zeitfahren in Annecy und den Showdown am Mont Ventoux zu erhalten.

Das dominierende Team Astana spielte mit und suchte keine Vorentscheidung. Der mythische Tourmalet wahrte nur den Schein zum Pyrenäen-Finale. Zum 77. Mal seit 1910 ziert das 2115 hohe Monument zwar die Tour 2009, ist aber längst nicht mehr der brutalste und gefürchtetste Gipfel – schon gar nicht 70 Kilometer vor dem Ziel.

Info

Warum ist Astana immer noch Topfavorit, obwohl Nocentini führt?

Der Träger des Gelben Trikot ist eher ein Zufall, weil die Ausreißergruppe um Rinaldo Nocentini alleine ins Ziel kam. Das kommt Astana gerade recht. Das Team hat trotz Favoritenrolle gar kein Interesse daran, jetzt schon das Gelbe zu erobern, denn es würde enorme Mehrarbeit für deren Wasserträger bedeuten.

Astana hat vier Fahrer und den ersten Sechs, die Abstände sind gering. Es wird ein Leichtes, in der letzten und entscheidenden Tour-Woche die Gesamtführung zu übernehmen - zumal alle ernst zu nehmenden Konkurrenten bislang sehr schwach auftraten (beispielsweise Cadel Evans, Andy Schleck oder Carlos Sastre).

Immerhin verhinderten zwei wackere Kletterer die Groteske eines Massensprints in Tarbes nach der 160,5 Kilometer kurzen Tourmalet-Etappe: Pierrick Federico (30) bezwang im Duell den italienischen Giro-Dritten Franco Pellizotti um eine halbe Radlänge. Der dritte französischen Tagestriumph. Im Massenspurt 34 Sekunden später war der dreimalige Weltmeister Oscar Freire der Schnellste. Im Gesamtklassement blieb alles beim alten: Nocentini sechs Sekunden vor Contador, acht vor Armstrong.

Auch die beiden Deutschen behaupteten ihre Positionen unter den Top Ten: Sechster Andreas Klöden 54 Sekunden zurück, Siebter Tony Martin, weiterhin eine Minute zurück. Der 24-jährige Martin aus Eschborn bei Frankfurt imponierte im Weißen Trikot auch in den Pyrenäen mit seiner Kraft und seiner Stabilität. Sein sportlicher Leiter im Auto des Teams High Road Columbia, Brian Holm, ließ sich zu der Prognose verleiten: "Tony hat gezeigt, dass er das Zeug hat, vielleicht einmal die Tour zu gewinnen."


Das Zwischenzeugnis der deutschen Fahrer finden Sie hier.


Nachdem Contador (26) auf der ersten Pyrenäen-Etappe 1,7 Kilometer vor der Bergankunft Andorra-Arcalis Armstrong (37) überrumpelt und seiner Stärke demonstriert hatte ("L'Equipe" titelte: "Contador ist der Boss"), herrschte am zweiten Pyrenäen-Tag Waffenruhe. Gemeinsam gingen die einander misstrauenden Rivalen sogar zur Dopingkontrolle in St. Girons.

Der Amerikaner wurde damit bereits zum 41. Mal seit der Ankündigung seiner Rückkehr getestet. Die vermeintlichen Gegner, die Schlecks, Evans oder Sastre, haben weder den Mut noch die Kraft, dieses Super-Team anzugreifen. "Attacke-moi si tu peux". Hasch mich, wenn du kannst, spottete "L'Equipe".

Die Außenseiter nutzten erneut die Großzügigkeit der rivalisierenden Astana-Bosse auf allen drei Pyrenäen-Etappen. Auch auf der achten Etappe am Samstag wurden die Ausreißer nicht verfolgt. Astana sorgte für Ruhe im Peloton. Der Spanier Luis-Leon Sanchez (Caisse d'Epargne) gewann nach 176,5 Kilometern von Andorra in St.Girons den Sprint eines Spitzenquartetts.

Jens Voigt (37), Spezialist für die Flucht, versuchte am Sonntag diese Gunst zu nutzen und stampfte bei Temperaturen von 30 Grad als Dritter hinter Pellizotti und Federico über den Col d'Aspin, 3:26 Minuten vor der Hauptgruppe. Nicht mehr Astana, sondern Nocentinis Team AG2R La Mondiale führte bergauf, wie es sich für das Gelbe Trikot gehört. Begeisterte Menschenmassen applaudierten den Tour-Kämpfern. Schon zu Beginn der 17,1 Kilometer Anstieg (7,4 Prozent durchschnittliche Steigung)zum Tourmalet konnte Voigt nicht folgen.

Quelle: RP

 
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