Tour de France / 7. Etappe: Gerdemann sorgt für Sensation - Etappensieg und Gelb
zuletzt aktualisiert: 14.07.2007 - 17:58Le Grand-Bornand (RPO). Etappensieg, kämpferischster Fahrer, weißes Trikot und obendrauf das Gelbe! Linus Gerdemann hat die siebte Etappe der Tour de France für sich entschieden. Der gebürtige Münsteraner setzte sich auf dem 197,5 Kilometer langen Teilstück zwischen Bourg-en-Bresse und Le Grand-Bornand mit einem sensationellen Einzelritt vor allen Favoriten durch.
Gerdemann hatte am letzten Anstieg des Tages, dem 16 km langen Col de la Colombiere, aus einer Ausreißergruppe heraus attackiert.
"Ich kann kaum sprechen. Das ist unbeschreiblich. Das ist unbeschreiblich", meinte Gerdemann kurz nach der Zieldurchfahrt. "Danke an das Team, danke an alle." An die Gesamtwertung denkt er aber nicht. "Michael Rogers ist unser Kapitän, ich wollte nur die Etappe gewinnen."
Der T-Mobile-Neuling setzte sich nach 4:53:13 Stunden im Alleingang mit 40 Sekunden Vorsprung vor dem Spanier Inigo Landaluze (Euskatel) und 1:38 Minuten vor dem Franzosen David de la Fuente (Saunier) durch. In der ersten Verfolgergruppe kam der deutsche Meister Fabian Wegmann vom Team Gerolsteiner als Sechster an.
Linus Gerdemann im Stenogramm
Geb. am 16. September 1982 in Münster - Wohnort: Köln - Größe: 1,82 m - Gewicht: 70 kg
Profi seit 2005, seit 2006 bei T-Mobile
Größte Erfolge:
Tour de France (1. Teilnahme): Etappensieger in Le Grand-Bornand (2007)
Rundfahrten: Etappensieg Tour de Suisse (2005), 7. im Gesamtklassement der Tour de Suisse (2006)
Im vergangenen Jahr hatten Matthias Kessler und Jens Voigt Etappensiege gefeiert. Gerdemann ist der 18. deutsche Tagessieger der Tour, bei der erstmals der Berliner Kurt Stöpel 1932 triumphierte. Ingesamt gibt es nun 55 deutsche Etappensieger.
Als zuvor letzter Deutscher war der Berliner Jens Voigt am 10. Juli 2005 im Mülhausen ins Gelbe Trikot gefahren. Gerdemann fährt nun als insgesamt 12. Deutscher in der 104-jährigen Tour-Gschichte in Gelb. Das Trikot hatte Rudi Altig 1962 erstmals erobert. Der spätere Weltmeister ist gemeinsam mit Jan Ullrich deutscher Rekordfahrer in Gelb, beide blieben jeweils 18 Tage an der Spitze des Gesamtklassements.
Klöden ohne Probleme
Die nach schweren Stürzen am vergangenen Donnerstag durch Verletzungen gehandicapten Astana-Stars Andreas Klöden und Alexander Winokurow hielten unerwartet gut mit. "Sie sind noch spät in der Nacht behandelt worden und haben wenig geschlafen. Wir müssen optimistisch bleiben", sagte Astana-Teamchef Marc Biver.
Prologsieger Fabian Cancellara musste das Gelbe Trikot erwartungsgemäß abgeben und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister revanchierte sich am Samstag für die sechstägige Unterstützung seiner Mannschaft und leistete an der Spitze des Pelotons die Führungsarbeit der Verfolger. Erst am 14 Kilometer langen Aufstieg mit teilweise 10 Prozent Steigung musste er abreißen lassen.
Während das rot-weiß-gepunktete Trikot von Berg-König Sylvain Chavanel (Cofidis) dank des komfortablen Punktvorsprungs des Franzosen nicht in Gefahr geriet, baute Ex-Weltmeister Tom Boonen seinen Vorspung im Kampf ums Grüne Trikot auf 15 Punkte vor Milram-Kapitän Erik Zabel aus. Der Belgier konnte die erste Sprintwertung des Tages 16 Kilometer nach dem Start vor Zabel gewinnen.
Mit diesem Duell war die "Woche der Sprinter" endgültig vorbei. Beim Aufstieg ins Jura-Gebirge zog sich das Feld weit auseinander, bevor sich nach rund 35 Kilometern eine erste Gruppe an der Spitze etablierte.
Der Spitzengruppe schlossen sich kurz danach Wegmann und Gerdemann an, der bereits nach seinem Sieg bei der 2. Sprintwertung im Rhone-Tal im virtuellen Gelben Trikot fuhr. Die Flüchtlinge hatten teilweise rund acht Minuten Vorsprung und blieben bis zum Finale unter sich.
Die 2. Tour-Woche beginnt am Sonntag mit der ersten Bergankunft der "Großen Schleife". 165 Kilometer lang ist der Weg von Le Grand-Bonard zur Touristen-Hochburg Tignes, wo das Ziel in 2068 Meter Höhe erreicht wird. Die Bergankunft ist erstmals eine Wertung der 1. Kategorie. Der Schlussanstieg vom Tal der Isere hinauf zu Europas höchstgelegener Gemeinde ist 18 Kilometer lang und geht über rund 1000 Höhenmeter mit teilweise mehr als 10 Prozent Steigung.
Radsport, 94. Tour de France, 7. Etappe über 197,5 km von Bourg-en-Bresse nach Le Grand-Bornand:
1. Linus Gerdemann (Köln/T-Mobile) 4:53:13 Stunden
2. Inigo Landaluze (Spanien/Euskatel) 0:40 Minuten zurück
3. David de la Fuente (Spanien/Saunier) 1:39
4. Juan Soler (Kolumbien/Barloworld) 2:14
5. Laurent Lefevre (Frankreich/Bouygues) 2:21
6. Fabian Wegmann (Freiburg/Gerolsteiner) 3:32
7. Juan Manuel Garate (Spanien/Quickstep) 3:38
8. Xavier Florencio (Spanien/Bouygues)
9. Christophe Moreau (Frankreich/AG2R)
10. Alejandro Valverde (Spanien/Caisse d'Epargne) alle gleiche Zeit
Gesamtwertung (Gelbes Trikot):
1. Gerdemann 10:43:40 Stunden
2. Landaluze 1:24 Minuten zurück
3. de la Fuente 2:45
4. Lefevre 2:55
5. Soler 3:05
6. Andreas Klöden (Mittweida/Astana) 3:39
7. Wladimir Gussew (Russland/Discovery) 3:51
8. Wladimir Karpez (Russland/Caisse d'Epargne) 3:52
9. Mikel Astarloza (Spanien/Euskatel) 3:55
10. Thomas Dekker (Niederlande/Rabobank) 3:57
Punktewertung (Grünes Trikot):
1. Boonen 147 Punkte
2. Zabel 134
3. Hunter 103
4. Hushovd 101
5. McEwen 97
6. Sebastien Chavanel 94
7. Förster 78
Bergwertung (gepunktetes Trikot):
1. Sylvain Chavanel 42 Punkte
2. Gerdemann 30
3. De la Fuente 30
4. Lefevre 27
5. Landaluze 26
6. Rasmussen 24
Nachwuchswertung (Weißes Trikot):
1. Gerdemann 34:43:40 Stunden
2. Soler 3:05
3. Gussew 3:51
4. Dekker 3:57
5. Contador 4:01
6. Kohl 4:31
Teamwertung:
1. T-Mobile Team 104:19:43 Stunden
2. Euskaltel 0:52 Minuten zurück
3. Saunier Duval 2:04
4. Discovery Channel 2:58
5. Caisse d'Epargne 3:11
6. Rabobank 3:40
7. Astana 4:13
8. Team Gerolsteiner 4:23
... 13. Team CSC 6:21
... 21. Team Milram 38:46
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