Tour de France: Neuer Doping-Wirbel vor dem Start
zuletzt aktualisiert: 03.07.2009 - 07:50Monte Carlo (RPO). Schon vor der ersten Etappe ist Doping das Top-Thema der Tour de France 2009. Die französische Sportzeitung "L'Equipe" hat mit einem Bericht für Wirbel gesorgt, außerdem gibt es neue Dopingfälle und Betrüger Alexander Winokurow will wieder auf den Sattel steigen.
Die "L'Equipe" berichtete über vier bis sieben neue Dopingfälle, nachdem erst am Mittwoch die Nachricht von der positiven Probe (Epo) des niederländischen Jungstars Thomas Dekker bei einer Nachanalyse von 2007 für Wirbel im Fürstentum Monaco gesorgt hatte.
Da passte es ins Bild, dass am Donnerstag auch noch der Dopingfall des Franzosen Clement L'Hotellerie bekannt wurde, Kokainsünder Tom Boonen im Kampf um seinen Tour-Start den Gang durch die Gerichte fortsetzte und Alexander Winokurow mit markigen Sprüchen sein Comeback nach Ablauf der Sperre ankündigte.
Vom oft zitierten Neuanfang war vor dem Grand Depart am Samstag noch nichts zu spüren. Insbesondere die L'Equipe-Meldung, dass der Radsport-Weltverband in den nächsten Tagen vier bis sieben neue Fälle veröffentlichen werde, sorgte im Feld für Alarmstimmung. Die UCI dementierte aber umgehend entsprechende Meldungen. "Das ist falsch. Wir haben in den nächsten Tagen nichts im Visier. Es gibt keine anderen Fälle oder irgendeinen Zeitplan", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani dem SID.
Unter den Fahrern wird aber bereits heiß diskutiert, wer der nächste Dopingsünder sein könnte. "Ich habe sogar schon Namen gehört. Es ist aber jedes Jahr das Gleiche. Eine Woche vor der Tour wird alles hochgekocht. Man hat das Gefühl, da werden im Januar Sachen geschrieben und jetzt aus der Schublade geholt. Dekkers positive Probe ist zwei Jahre her, warum hat man nicht schon 2008 was veröffentlicht", monierte der frühere Deutschland-Toursieger Jens Voigt.
"Nichts genommen"
Der überführte Dekker beteuert seine Unschuld. "Ich habe nichts genommen. Ich verstehe nicht, warum eine Probe, die 2007 negativ war, nochmal analysiert wird. Ich habe das Gefühl, dass ich betrogen wurde", sagte Dekker der niederländischen Zeitung De Telegraaf. Er werde mit seinem Anwalt beraten, ob er rechtliche Schritte einleite. Der 24-Jährige war am Mittwoch aus der Startliste der Tour gestrichen und von seinem Team Silence-Lotto suspendiert worden.
Anders ist der Fall L'Hotellerie gelagert. Der Franzose war beim Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich am 26. April auf das verbotene Mittel Methylhexanamin getestet worden, bestreitet aber, damit wissentlich gedopt zu haben. Er behauptet, das Mittel sei über ein Pflanzenöl in den Körper gekommen.
Nicht wegen Dopings, sondern aus ethischen Gründen ist Boonen bei der Tour unerwünscht. Nachdem dem Belgier im April zum dritten Mal der Konsum von Kokain nachgewiesen worden war, hatte die Tour-Organisation den Sprintstar ausgeladen. Am Donnerstag kündigte das französische Olympische Komitee (CNOSF) eine Entscheidung über Boonens Einspruch gegen den Ausschluss für Freitag an.
Kämpferisch präsentierte sich auch Winokurow. Mit markigen Sprüchen und mit einer klaren Ansage an den Armstrong-Clan hat sich der Kasache auf der großen Radsport-Bühne zurückgemeldet. Zwei Tage vor dem Tourstart präsentierte der 35-Jährige seine Comeback-Pläne und forderte zugleich seinen Ausnahmestatus im Astana-Team zurück.
"Ich werde am 24. Juli zurückkehren und ich sehe mich nirgendwo anders als bei Astana. Dieses Team wurde 2006 zusammen mit dem kasachischen Radsport-Verband gegründet. Das ist unser Baby", sagte Winokurow, der bei der Tour 2007 des Testosteron-Dopings überführt worden war.
Große Hindernisse bei seiner Rückkehr zu Astana sieht der frühere T-Mobile-Star nicht, auch nicht durch Armstrong oder Teamchef Johan Bruyneel. "Ich wüsste nicht, was eine Zusammenarbeit verhindern könnte. Kommt es zu keiner Einigung, dann muss Johan das Team halt verlassen. Dieses Team wurde für mich geschaffen", redete Winokurow Klartext. Damit dürfte ein Abschied von Bruyneel und Armstrong unausweichleich sein.
Das Doping-Thema dürfte auch während der Rundfahrt kaum verstummen. Die Doping-Fahnder haben den "schwarzen Schafen" mit einer konzertierten Aktion den Kampf angesagt. Ein neu entwickeltes Testverfahren, eine Top-50-Liste der verdächtigsten Fahrer und ein Pakt zwischen dem Radsport-Weltverband UCI und der französischen Antidoping-Agentur AFLD soll das Netz noch enger als jemals zuvor spannen.
"Wir wissen genau, wen wir testen müssen. Einige Fahrer werden überrascht sein. Wir haben ein neues Testverfahren für eine Substanz entwickelt, von dem die Fahrer noch nichts wissen", sagte AFLD-Chef Pierre Bordry. Um welches Mittel und welche Methoden es sich handelt, wollte der 70-Jährige nicht verraten.
Mit einem ähnlichen Coup hatte die AFLD bereits im vergangenen Jahr das Peloton in Angst und Schrecken versetzt - und einige Betrüger entlarvt. So tappten 2008 unter anderem der zweimalige Etappensieger Stefan Schumacher, Bergkönig Bernhard Kohl und Kletterspezialist Riccardo Ricco in die Cera-Falle. Die AFLD hatte völlig überraschend ein neues Verfahren zum Nachweis des Epo-Nachfolgers auf den Weg gebracht.
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