Tour de France: Schumacher stürzt und verliert Gelb
zuletzt aktualisiert: 10.07.2008 - 17:38Super-Besse (RPO). Deutschlands neuer Radheld Stefan Schumacher ist 300 Meter vor dem Ziel der 6. Etappe Opfer eines Sturzes geworden. Auf dem Zielanstieg fiel der Gerolsteiner-Fahrer plötzlich aus dem Sattel. "Kim Kirchen hat mich über den Haufen gefahren", sagte Schumacher, der das Gelbe Trikot ausgerechnet an Kirchen abgeben musste.
Der Italiener Riccardo Ricco hat sich derweil auf der ersten Berg-Etappe der 95. Tour de France im Zentral-Massiv den Tagessieg geholt. Nach 195,5 km zwischen Aigurande und der Skistation Super-Besse Sancy setzte sich Saunier-Kapitän bei der Bergankunft der sechsten Etappen im Schlussspurt nach 4:57:41 Stunden vor dem Spanier Alejandro Valverde (Epargne) und dem Australier Cadel Evans (Lotto) durch.
Stefan Schumacher schüttelte immer wieder den Kopf und zuckte mit den Schultern. "Es lief den ganzen Tag super - und dann das", stammelte der Gerolsteiner-Fahrer völlig fassungslos, nachdem ihn ein unglücklicher Sturz in Sichtweite der Ziellinie der sechsten Touretappe das Gelbe Trikot des Spitzenreiters gekostet hatte. "Es ist sehr bitter das Trikot auf diese Weise zu verlieren, so kurz vor dem Ziel", meinte der Nürtinger zu seinem Missgeschick.
Bis 500 m vor dem Ziel der ersten Bergankunft im Zentralmassiv war "Schumi" problemlos in der Spitzengruppe mitgefahren, ehe ihn eine leichte Berührung mit dem Hinterrad des vor ihm fahrenden Kim Kirchen zu Fall brachte. Ausgerechnet der Luxemburger profitierte von dem Zusammenstoß und übernahm als Tagesfünfter die Führung in der Gesamtwertung.
"Kirchen ist mir ins Rad gefahren, aber das war keine Absicht", sagte Schumacher, der 32 Sekunden nach Etappensieger Riccardo Ricco (Italien) als 25. ins Ziel kam und auf den dritten Gesamtplatz zurückfiel.
Kirchen war sich denn auch keiner Schuld bewusst: "Keiner weiß, wie die Etappe sonst ausgegangene wäre. Ich habe mir die Führung durch meine konstante Leistung in der ersten Woche verdient", erklärte der Fahrer vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia.
Nach zwei zweiten Plätzen auf den Teilstücken zwei und vier und dem vierten Rang bei der Auftaktetappe schaffte der Allrounder bereits seine vierte Top-Fünf-Platzierung dieser Tour. "Ich fühle mich glänzend und glaube, dass ich auch noch eine Etappe gewinnen kann. Aber dieser Erfolg ist schon einmal großartig", so Kirchen.
Total enttäuscht war dagegen Schumacher: "Nur dieser Sturz hat mich das Trikot gekostet. Das ist natürlich bitter. Ich habe mich aufgerappelt und nochmal alles gegeben, bin aber nicht mehr herangekommen", sagte der 26-jährige Schwabe. Auch sein Teamchef Hans-Michael Holczer konnte das Pech nicht fassen: "Nachdem die Mannschaft eine brillante Leistung abgeliefert hat, ist es unglaublich bitter, das Gelbe so zu verlieren."
Während Schumacher durch sein Missgeschick kurzzeitig außer Gefecht gesetzt war, machten die Favoriten auf den Gesamtsieg den Tageserfolg unter sich aus. Der Giro-Zweite Ricco vom Team Saunier Duval setzte sich dabei im Spurt vor dem Spanier Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne) und dem letztjährigen Tour-Zweiten Cadel Evans (Australien/Lotto) durch. Im Gesamtklassement führt Kirchen nun mit 6 Sekunden Vorsprung vor Evans und 16 vor Schumacher.
Im Schlussanstieg hatten zahlreiche Attacken einzelner Fahrer immer wieder zu Tempoverschärfungen geführt, sodass die Gruppe der Favoriten und ihrer Helfer zunehmend dezimiert wurde. Auf dem letzten Kilometer zog sich das Feld nochmals in die Länge, wobei die Abstände zwischen den Top-Fahrern im Sekunden-Bereich blieben. Größere Abstände sind erstmals am Sonntag zu erwarten, wenn die Tour die Pyrenäen erreicht.
Zu Beginn der 195,5 km langen Etappe von Aigurande zur Skistation Super-Besse hatten sich drei Fahrer zu einer Fluchtgruppe zusammengefunden und sich mit einem zwischenzeitlichen Vorsprung von rund fünf Minuten über die ersten beiden Bergwertungen des Tages "gerettet". Bis zum Schlussanstieg war der Versprung der drei Franzosen Sylvain Chavanel (Cofidis), Freddy Bichot (Agritubel) und Benoit Vaugrenard (FdJ) dann aufgebraucht, wobei Chavanel immerhin noch mit der Eroberung des Bergtrikots belohnt wurde.
Zu den Sturzopfern des Tages zählte kurz vor Ende der Etappe auch Milram-Kapitän Erik Zabel, der bei einem Zusammenstoß mit dem Franzosen Nicolas Vogondy zu Fall kam. Allerdings saß der 38-Jährige aus Unna ohne größere Blessuren nach wenigen Sekunden wieder auf dem Rad und kehrte kurz darauf ins Hauptfeld zurück.
Auch mit der siebten Etappe bleibt die Tour im Zentralmassiv und führt auf dem Weg von Brioude nach Aurillac über fünf Bergwertungen. Als größte Schwierigkeiten stehen zwei Pässe der zweiten Kategorie nach 101,5 sowie 117 der insgesamt 159 km auf dem Programm.
Der 1210 m hohe Col d'Entremont weist auf 6,5 km Länge eine durchschnittliche Steigung von 4,7 Prozent auf, der 1588 m hohe Pas de Peyrol steigt auf 7,8 km sogar 6,2 Prozent an. Der steilste Anstieg der Etappe wartet indes 10 km vor dem Ziel mit dem Cote de St. Jean de Donne (9,9 Prozent), ist jedoch nur 1,7 km lang.
Ergebnisse:
Radsport in Zahlen, 95. Tour de France, 6. Etappe über 195,5 km von Aigurande nach Super-Besse Sancy: 1. Ricard Ricco (Italien/Saunier), 4:57:52 Stunden, 2. Alejandro Valverde (Spanien/Epargne) 0:01 Minuten zurück, 3. Cadel Evans (Australien/Lotto) gleiche Zeit, 4. Frank Schleck 0:04, 5. Kim Kirchen (beide Luxemburg/CSC) gleiche Zeit, 6. Roman Kreuziger (Tschechien/Liquigas) 0:07, 7. Moises Duenas Nevado (Italien/Barloworld), 8. Carlos Sastre (Spanien/CSC), 9. Denis Mentschow (Russland/Rabobank), 10. Leonardo Piepoli (Italien/Saunier) alle gleiche Zeit, ... 25. Stefan Schumacher (Nürtingen/Gerolsteiner) 0:32
Gesamtwertung (Gelbes Trikot): 1. Kirchen 24:30:41 Stunden, 2. Evans 0:06 Minuten zurück, 3. Schumacher 0:16, 4. Christian Vandevelde (USA) 0:44, 5. David Millar (Schottland/beide Garmin) 0: 47, 6. Thomas Lövqvist (Schweden/Columbia) 0:54, 7. Mentschow 1:03, 8. Valverde 1:12, 9. Stijn Devolder (Belgien/Quickstep) 1:21, 10. Oscar Pereiro (Spanien/Epargne) gleiche Zeit