Fußball-WM, Wimbledon und Tour: Spaniens Sommermärchen ist komplett
zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 10:22Paris (RPO). Als Alberto Contador in einem Herzschlagfinale auf den Thron der Tour de France gefahren war, hatte das schier unglaubliche spanische Sommermärchen seinen nächsten Höhepunkt erreicht. Nach dem WM-Triumph der spanischen Fußballer in Südafrika und dem Wimbledon-Sieg von Rafael Nadal hat sich Contador zum dritten Mal nach 2007 und 2009 die Krone des Radsports aufgesetzt. Der Sportsommer spricht spanisch, eine Fiesta jagt die nächste.
"Dieser Sieg ist der emotionalste", gestand Contador ein. "Ich habe bei der Tour sehr viel gelitten, am meisten im Zeitfahren." Als er erfahren habe, dass sein Rivale Andy Schleck im Kampf gegen die Uhr bis auf drei Sekunden an das Gelbe Trikot herangefahren war, habe er bereits Panik bekommen und gedacht: "Oh mein Gott, jetzt ist alles vorbei."
39 Sekunden Vorsprung
Vorbei war es nicht, und am Ende durfte Contador auf dem Podium wieder lachen. So wie er es auch nach der 15. Etappe gemacht hatte. Dort hatte der Spanier in dem Moment attackiert, als seinem großen Rivalen Andy Schleck die Kette abgesprungen war. 39 Sekunden hatte er bei dem Gaunerstück herausgeschlagen, exakt jene 39 Sekunden, die am Ende zum Toursieg reichten. Eifrige Statisker haben ausgerechnt, dass ohne Contadors dreiste Attacke Schleck mit 640 Tausendstelsekunden Vorsprung die Tour gewonnen hätte.
"Alle großen Rennen werden durch kleine Unterschiede entschieden", sagte Contador, bei dem die Erleichterung dem schlechten Gewissen überwog: "Es gibt schwierige Situationen und es gibt ungeschriebene Gesetze, aber es gibt kein Handbuch, wie man in solch schwierigen Situationen handelt."
Doping-Vorwürfe
Contador meisterte die unangenehmen Fragen gewohnt gekonnt, so wie er die Angriffe Schlecks in den Bergen pariert hatte. Der 27-Jährige hat inzwischen Übung darin, genauso werden Fragen zum Thema Doping und seiner keineswegs lupenreinen Vergangenheit stets mit einem "Bueno" und einer nichtssagenden Antwort im Keim erstickt. Wie soll er auch erklären, dass das Kürzel AC einst wie von Geisterhand von der Kundenliste des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes verschwand.
So gibt sich Contador stets bescheiden, dankt eifrig seinen Teamkollegen, erzählt von "Kindheitsträumen", die in Erfüllung gegangen sind und liefert seinen Landsleuten den Stoff für Heldengeschichten. Bereits Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte Contador vergeblich zu entlocken versucht, worin denn das Geheimnis der spanischen Erfolge bestehe.
Spanische Dominanz
Denn neben den erwähnten Glanzlichtern ist die Liste der Erfolge der stolzen Iberer noch lange nicht beendet. So sind die spanischen Basketballer um Superstar Pau Gasol ebenfalls Welt- und Europameister, dazu dreht der zweimalige Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso immer noch schnelle Runden, im Handball und neuerdings auch im Volleyball sind Siege ebenfalls an der Tagesordnung, ganz zu schweigen von den vielen Erfolgen im Motorradsport. Die Experten verweisen auf das laxe Anti-Doping-Kontrollprogramm, Spaniens Sportminister Jaime Lissavetzky auf die tolle Sportförderung.
Contador hält sich auch aus dieser Diskussion heraus. Geht es nach dem Madrilenen, soll der dritte Tour-Sieg längst noch nicht der letzte sein. Dass der Erfolg am Ende so knapp ausfiel habe einfache Gründe. "Andy war etwa auf dem gleichen Level wie letztes Jahr. Ich war es, der schlechter war", behauptet Contador, der sich nach seiner unfairen Attacke in den Pyrenäen unter der Woche bei Schleck entschuldigt und ihm den Tagessieg auf den Tourmalet überlassen hatte.
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