"Haben sauberen Sport erworben": Tour: ZDF erwägt Regressansprüche
zuletzt aktualisiert: 19.07.2007 - 11:52Frankfurt/Main (RPO). Nach dem vorläufigen Stopp der Berichterstattung von der Tour de France behält sich das ZDF gegenüber dem Organisator Regressansprüche vor. "Wir werden das Gespräch mit dem Veranstalter ASO suchen", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender
Gegenüber der "Berliner Zeitung" meinte Brender weiter: "Wir haben die Rechte an einer sauberen Sportveranstaltung erworben." Eine Ausstiegsklausel im Vertrag gebe es aber nicht. T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner erklärte, der Fall Sinkewitz zeige, dass die Kontrollen funktionierten.
ARD und ZDF hatten am Mittwoch die Berichterstattung über das berühmteste Radrennen der Welt gestoppt, nachdem ein neuer Dopingfall bekannt geworden war. Beim deutschen T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz war die A-Probe einer Trainingskontrolle vor der Tour positiv ausgefallen.
"Tragisch und unglücklich"
Wagner sagte dem Sender N24, es sei "natürlich tragisch und unglücklich, wenn so ein Dopingfall wie der von Patrik Sinkewitz auftritt". Aber es zeige auch, das System funktioniere. "Und diejenigen, die es noch immer nicht gelernt haben, werden entdeckt. Und das ist die gute Nachricht."
Auch der Sportjurist Ulrich Haas sagte im ZDF-Morgenmagazin, im Hinblick auf die Kontrollen sei die positive A-Probe kein schlechtes Ergebnis. "Mir würde es eher besonders verdächtig vorkommen, wenn es bei einer Großveranstaltung wie der Tour de France keine positive Probe gäbe." Fahrer wie Sinkewitz aus dem Verkehr zu ziehen, halte er für "die einzige wirksame Strafe". Allerdings sei das Problem Doping "nur mit dem Austausch von irgendwelchen Köpfen, also Sportlern" nicht zu lösen, sagte Haas. Das Problem sei systemimmanent.
Der Doping-Experte Werner Franke sagte N24, es gehe beim Dopingproblem nicht nur um die Fahrer. "Es sind Ärzte. Es sind Entourage-Leute, Mitarbeiter im Hintergrund, Trainer, Besorger von solchen Mitteln. Diesen Hintergrund, den muss man ausräumen." Erst wenn Ärzte ihre Approbation verlören, weil sie sich der Beihilfe zur Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Arzneimittelmittelgesetz sowie des Verstoßes gegen ärztliche Ethik schuldig gemacht hätten - "erst dann haben wir einen Erfolg erzielt".
Stuttgart: Rad-WM auf der Kippe
Der Stuttgarter Gemeinderat will sich heute mit der für September geplanten Straßenrad-Weltmeisterschaft in der Stadt befassen, wie eine Sprecherin berichtete. Es stehe ein Sachstandsbericht auf der Tagesordnung. Am Mittwoch hatte eine Sprecher der Stadt gesagt, man wolle trotz des neuen Dopingfalls an der Austragung festhalten und arbeite weiter an einer Vereinbarung für schärfere Dopingkontrollen. Dagegen sieht der baden-württembergische Sportminister Helmut Rau die WM noch nicht in trockenen Tüchern.
Falls der Weltradsportverband die scharfen Anti-Doping-Vorgaben von Bund, Land und Stadt nicht umsetzen wolle oder könne, stehe die Veranstaltung "zur Disposition", sagte der CDU-Politiker im Südwestrundfunk. Da die Vereinbarung noch nicht unterzeichnet sei, halte er das Ganze "immer noch für eine Hängepartie".
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