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93. Tour de France: Voigt gewinnt Hitzeschlacht der 13. Etappe

zuletzt aktualisiert: 15.07.2006 - 18:02

Montelimar (rpo). Jens Voigt hat die längste Etappe der 93. Tour de France gewonen. Der Berliner fuhr bei brütender Hitze im Rhonetal seinen zweiten Tagessieg bei der "Großen Schleife" nach 2001 ein. Während sich der 34-Jährige feiern ließ, droht dem wegen Dopingverdacht suspendierten T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich in der Heimat die Kündigung beim Bonner Rennstall.

Voigt setzte sich nach 230 km und 5:24:36 Stunden zwischen Beziers und Montelimar im Schlussspurt vor seinem spanischen Fluchtkollegen Oscar Pereiro (Illes Balears) durch. Die ursprünglich fünf Ausreißer hatten zeitweise über 28 Minuten Vorsprung.

"Ich bin so froh, noch einmal gewonnen zu haben. Das zeigt mir, dass ich doch noch nicht alt bin, doch noch ein paar gute Jahre vor mir habe. Heute abend wird es wohl nicht bei einem Glas Champagner bleiben", sagte Voigt.

Landis kommt 30 Minuten später ins Ziel

Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters in der Gesamtwertung übernahm Pereiro von Phonak-Kapitän Floyd Landis. Der US-Profi kam im Hauptfeld rund 30 Minuten hinter Voigt ins Ziel. In der gleichen Gruppe kam auch T-Mobile-Profi Andreas Klöden (Mittweida) an.

Der Stern von Klödens suspendiertem Teamkapitän Ullrich scheint seit Samstag weiter zu sinken. Der Tour-Sieger von 1997 hat laut T-Mobile-Sprecher Christian Frommert die bis zum vergangenen Donnerstag gesetzte Frist zum Beweis seiner Unschuld ungenutzt verstreichen lassen. Jetzt ermitteln Anwälte die Rechtslage.

Die Punktwertung führt weiter der Australier Robbie McEwen (Lotto) an, als bester Nachwuchsfahrer fährt der Kaarster Markus Fothen vom Team Gerolsteiner im weißen Jersey in die Alpen. "Berg-König" blieb der Spanier David De la Fuente (Saunier).

Zweiter Etappensieg nach 2001

Voigt hatte seinen ersten Tagessieg bei der Tour am 25. Juli 2001 in Sarran gefeiert, nachdem er elf Tage zuvor am französishen Nationalfeiertag für 24 Stunden das Gelbe Trikot erobert hatte. Auch 2005 fuhr Voigt einen Tag in Gelb. Als "Berg-König" hatte der heutige CSC-Profi 1998 ebenfalls einmal auf dem Podest gestanden, am Samstag machte er den insgesamt 54. Etappensieg eines Deutschen seit dem Premieren-Erfolg des Berliners Kurt Stöpel 1932 perfekt.

Auf der 3. Etappe hatte T-Mobile-Profi Matthias Kessler den ersten Tagessieg eines Deutschen bei der diesjährigen Tour gefeiert. "So optimistisch war ich heute morgen gar nicht. Aber es immer ein Pokerspiel, heute hat es wunderbar funktioniert", meinte Voigt weiter zu seinem Erfolg.

Bei Temperaturen um 35 Grad Celsius hatte Voigt von Beginn an keine Zweifel an seinen Absichten gelassen. Der Fluchtexperte war direkt nach dem Start im Herzen der Languedoc-Weinregion nahe der Mittelmeerküste in die Offensive gegangen. Zunächst geriet der Ausreißversuch noch ins Stocken, doch schon nach 23 km hatte sich die letztlich erfolgreiche Führungsgruppe formiert, zu der lange auch der Ukrainer Sergej Griwko (Milram) gehörte.

28:13 Minuten Vorsprung

Auf dem welligen Terrain entlang den Ausläufern des Zentralmassivs mit fünf Bergwertungen der jeweils vierten Kategorie baute das Quintett seinen Vorsprung schnell aus, ohne dabei vom Peloton behelligt zu werden. Die Favoriten im Hauptfeld machten die Tempobolzerei der Führenden mit 46 km/h in der ersten Stunde nicht mit und schonten ihre Kräfte für die schweren Bergprüfungen der kommenden Tage.

Bei der Fahrt durch die Departments Herault, Gard, Ardeche und Drome stellten die Flüchtlinge einen Rekord für die laufende Tour auf: 28:13 Minuten Vorsprung hatte zuvor noch kein Ausreißer geschafft. Die bisherige "Bestzeit" hatte der Berliner Björn Schröder (Milram) gehalten, der mit dem Franzosen Samuel Dumoulin (AG2R) auf der fünften Etappe 12:50 Minuten vor dem Hauptfeld gefahren war.

Am Sonntag auf der ersten Alpenetappe bekommen Fluchtspezialisten wie Voigt und auch Fabian Wegmann (Freiburg) wieder ihre Chance. Jeweils zwei Bergprüfungen der zweiten und dritten Kategorie stehen auf den 180,5 km von Montelimar nach Gap im Department Hautes-Alpes auf dem Programm. Der 1303 m hohe Col de Perty weist bei "Halbzeit" auf 8,8 km Länge 5,1 Prozent Steigung auf.


13. Etappe über 230 km von Beziers nach Montelimar

1. Jens Voigt (Berlin/CSC) 5:24:36 Stunden, (42,513 km/h)
2. Oscar Pereiro (Spanien/Balears) gleiche Zeit
3. Sylvain Chavanel (Frankreich/Cofidis) 0:40 Minuten zurück
4. Manuel Quinziato (Italien/Liquigas), beide gleiche Zeit
5. Andrej Griwkow (Ukraine/Milram) 6:24
6. Robbie McEwen (Australien/Lotto) 29:57
7. Bernhard Eisel (Österreich/Francaise)
8. Tom Boonen (Belgien/Quickstep)
9. Carlos Da Cruz (Fankreich/Francaise)
10. Arnaud Coyot (Frankreich/Cofidis)
11. Marco Velo (Italien/Milram)
12. Thor Hushovd (Norwegen/Agricole)
13. Francisco Jose Ventoso (Spanien/Saunier)
14. Luca Paolini (Italien/Liquigas)
15. Erik Zabel (Unna/Milram) alle gleiche Zeit

Gesamtwertung:

1. Pereiro 59:50:34 Stunden
2. Floyd Landis (USA/Phonak) 1:29 Minuten zurück
3. Cyril Dessel (Frankreich/AG2R) 1:37
4. Denis Mentschow (Russland/Rabobank) 2: 30
5. Cadel Evans (Australien/Lotto) 2:46
6. Carlos Sastre (Spanien/CSC) 3:21
7. Andreas Klöden (Mittweida) 3:58
8. Michael Rogers (Australien/beide T-Mobile) 4:51
9. Juan Miguel Mercado (Spanien/Agritubel) 5:02
10. Christophe Moreau (Frankreich/AG2R) 5: 13
11. Jaroslaw Popowytsch (Ukraine/Discovery) 5:44
12. Markus Fothen (Kaarst/Gerolsteiner) 5:46
13. Haimar Zubeldia (Spanien/Euskatel) 5:55
14. Patrik Sinkewitz (Fulda/T-Mobile) 7: 07
15. Levi Leipheimer (USA/Gerolsteiner) 7:08


 
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