Tragischer Sturz bei der Tour de France: Warum Stefan Schumacher Gelb verlor
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 10.07.2008 - 19:12Super-Besse (RPO). Unmittelbar nach dem Zieleinlauf bei der 6. Etappe der Tour de France herrschten Verwirrung, Hektik und heftige Emotionen. Deutschlands neuer Radheld Stefan Schumacher beklagte, dass ihn Kim Kirchen "über den Haufen gefahren" habe, während sein Gerolsteiner Mannschaftschef Hans-Michael Holczer im Regelwerk nachschauen wollte, ob Schumacher wirklich das Gelbe Trikot abgenommen werden kann.
Am Ende verhielt sich die Jury, die ausgerechnet Kirchen das Gelbe Trikot überstreifte, aber absolut regelkonform. Holczer hatte zwar darauf spekuliert, dass Schumacher mit der gleichen Zeit wie Kirchen gewertet wird, weil der Sturz erst 300 Meter vor dem Ziel passierte, doch diese Regel gilt nur bei Flachetappen wegen der zu erwartenden Sprintankünfte. Dann liegt die "Sturzgrenze" bei drei Kilometern vor dem Ziel. Alle Sturzopfer werden mit der Zeit des Hauptfeldes gewertet.
Bei Zeitfahren und Bergankünften gilt diese Regel aber nicht. Dementsprechend hat Schumacher einfach Pech gehabt, weil er auf dem Zielanstieg stürzte. "Moralischer Spitzenreiter bleibt Stefan, damit trösten wir uns jetzt", sagte Holczer, nachdem sich die Wogen geglättet hatten. Fakt ist, dass für Schumacher das Regelwerk nicht umgeschreiben werden kann.
Zurück blieb nur ein übler Nachgeschmack, weil sich Schumacher als Opfer eines vermeintlich von Kirchen ausgelösten Sturzes sah. "Ich verstehe nicht, dass mich Kirchen über den Haufen fährt. So ist es nicht fair, das Trikot zu verlieren. Das ist wie ein schlechter Film", meinte Schumacher, der in der Nachbetrachtung allerdings einsehen musste, dass der Luxemburger Kirchen einfach nur an ihm vorbei fuhr.
Es herrschte Verwirrung und Hektik. Schumacher passte für einen Moment nicht auf - wie es in vielen Rennen vorkommt - und fiel ohne absichtliches Fremdverschulden hin.
Kirchen, der die Gesamtwertung nun mit knappen Vorsprung auf Cadel Evans anführt, wies die Vorwürfe ohnehin zurück. "Ich bin sehr überrascht, das zu hören. Vor mir stoppte ein Fahrer ab, deshalb musste ich bremsen und konnte nicht versuchen, um den Sieg zu sprinten."
Es ist dem Fahrer vom Team Columbia zuzutrauen, dass er ansonsten tatsächlich den Etappensieg perfekt gemacht hätte. Kirchen, Gesamtsiebter der Vorjahres-Tour, befindet sich in einer Top-Form, hat auch das Grüne Trikot und mausert sich zum Mitfavoriten für den Gesamtsieg.
Schumachers Festtage endeten zwar auf tragische Weise, doch rückblickend wird er mit Freude an seine Zeit in Gelb zurückdenken. Zwei volle Tage durfte er Chef im Peleton sein, ehe er das Trikot an den derzeit Besten abgeben musste. Wer bremst oder gar stürzt, verliert. Das ist in vielen Sportarten Gesetz, vor allem aber bei der Tour de France.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







