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Doping-Wahnsinn: Wann packt Ullrich aus?

VON KOMMENTAR VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 24.05.2007 - 20:28

Düsseldorf (RPO). Diese Woche wird in die Annalen der Sport-Geschichte eingehen. Vielleicht als eine der schwärzesten. Vielleicht aber auch als eine, die die Sportwelt ein wenig besser gemacht hat. Nach den bisherigen Doping-Beichten fragen sich Fans und Beobachter: Wann packt Jan Ullrich aus?   

Sechs frühere Telekom-Profis haben Doping zugegeben, darunter Helden wie der große Wasserträger Rolf Aldag, Udo Bölts (berühmt für seinen Ausspruch "Quäl Dich, Du Sau!") oder Erik Zabel, der sechs Mal das Grüne Trikot bei der Tour de France gewonnen hat.

Zabel ließ seinen Emotionen bei seiner Dopingbeichte derart freien Lauf, dass man glauben mag, er hat tatsächlich begriffen, einen Fehler begangen zu haben. Sein Kollege Bölts behauptet dies für sich selbst zumindest: "Es war der größte Fehler meines Lebens."

Ein weiterer Großer hat sein Geständnis quasi angekündigt: Der Däne Bjarne Riis, ebenfalls Telekom-Fahrer und Kapitän, hält am Freitagnachmittag eine Pressekonferenz ab. Viele Beobachter rechnen auch hier mit einem Geständnis. Wenn der Tour-de-France-Sieger seinen Erfolg nur mit Doping erreicht hat, wäre das ein weiterer Höhepunkt einer ohnehin schon dramatischen Wendung im Radsport.

Und wie werden die Sünder bestraft? Werden die Ergebnislisten der 90er Jahre gestrichen? Eher nicht. Werden die Geständigen straffrei ausgehen? Sind die Regelverstöße nicht ohnehin verjährt? Wie reagiert die Staatsanwaltschaft? Die Frage nach Amnestie wird später beantwortet. Zunächst wird es weitere Beichten geben. Wie viele, das weiß niemand.

Und der vermeintlich Größte fehlt noch in der Liste der Geständigen: Jan Ullrich. Der Tour-Sieger von 1997 versteckt sich hinter einem schwebenden Verfahren. Dabei kommt der einstige Emporkömmling, der den Radsport in Deutschland so populär gemacht hat, kaum aus der Ecke, in die er von den Indizien aus Spanien gedrückt wird.

Dort wohnt ein spanischer Arzt namens Fuentes, der Blutbeutel wie andere Leute Briefmarken sammelt und sie auch ordentlich beschriftet. Auch Ullrichs Blut soll im Kühlschrank des Dopingarztes gefunden worden sein.

Ullrichs Plan, als Berater eines zweitklassigen Radsport-Teams zu arbeiten, ist geplatzt. Fans wenden sich ab. Sein Anwalt ist weg. 

Ullrichs Manager Wolfgang Strohband ist noch da. Aber dieser hat den 33-Jährigen schon mehr als einmal schlecht beraten. Strohband kündigt an: "Von Jan wird es zu der derzeitigen Diskussion nichts geben." Nach Meinung vieler Radsport-Experten wieder der falsche Rat. In der Tat sollte auch Ullrich jetzt sein Schweigen brechen.

Wie geht es weiter? Ein trauriges Ergebnis der bisherigen Geständnisse ist, dass die Dopingkontrollen oft ihre Funktionen nicht erfüllen. Dass heute im Radsport nicht gedopt wird, ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Dass andere Sportarten betroffen sind genauso.

Nur wenn die Vergangenheit komplett aufgeschlüsselt wird, wenn weitere Betrüger ihre Verstöße zugeben, wird diese Woche noch eine gute.


 
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