Nach Drogenbeichte: Agassi: "Ich hatte wirkliche Depressionen"
zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 15:15Mainz (RPO). Tiefe Depressionen, Drogenmissbrauch und eine Karriere, die er nicht gewollt hatte: Der frühere Tennisstar Andre Agassi sprach in der ZDF-Sendung Markus Lanz am Donnerstagabend mit aller Offenheit über seine turbulente Vergangenheit. Wie schon in seiner Biografie "open" nahm der Ehemann von Steffi Graf kein Blatt vor den Mund.
"Das Leben, das ich damals führte, hatte ich gar nicht selbst gewählt. Ich hatte eine Ehe, die ich eigentlich gar nicht wollte. Ich habe das Leben in dieser Form nicht gesucht", sagte Agassi. "Ich war deprimiert. Ich hatte wirkliche Depressionen. Man sprach nicht darüber. Niemand hat darüber gesprochen, auch nicht mit mir. Ich hab's nicht verstanden."
Drogen als Ausweg
Und dann sei plötzlich jemand gekommen und habe ihm eine Lösung angeboten, eine Fluchtmöglichkeit. Dieser Ausweg war die Droge Crystal Meth. Die einst schillernsde Figur des Tennis-Zirkus' brauchte zwölf Jahre, um über seinen Drogenkonsum zu sprechen.
Agassi war dabei durchaus bewusst, dass er mit der Beichte viel Kritik ernten konnte. "Natürlich, ich war mir darüber im Klaren, dass ich damit ein großes Risiko eingehe. Aber ich wollte einfach offen und ehrlich sein", sagte der 39-Jährige. Er glaube, dass dieses Buch Menschen auch helfen werde. "Und wenn der Preis darin besteht, dass ich hier verurteilt werde und dafür anderen helfen konnte, diesen Preis bezahle ich gerne."
Agassi, der in seiner Karriere acht Grand-Slam-Titel holte, gab jedoch auch zu, dass die Tenniskarriere nicht seine persönliche Wahl war. "Ich habe Tennis damals angefangen zu spielen aufgrund meines Vaters, aufgrund seiner Zwänge, wenn man so will", sagte der in Las Vegas geborene Rechtshänder.
"Es war ein Kampf für mich"
Sein Vater sei ein sehr leidenschaftlicher Mann gewesen, der ihn schließlich weggeschickt habe. "Er schickte mich damals nach Florida in eine so genannte Tennisakademie. Und dann, es wurde noch schwieriger, die Herausforderung wurde noch größer. Es war ein Kampf für mich. Es war überhaupt nicht einfach."
Als Spieler strickte Agassi ein Netzwerk aus Geheimnissen, für seine Frau Steffi Graf ist der Sunnyboy allerdings heute ein offenes Buch. "Es gibt und gab keine Geschichte in meinem Leben, die Stefanie überrascht hätte", erklärte Agassi: "Das Buch heißt ja 'open', also 'ganz offen' und ich rede und spreche ganz offen über mein Leben."
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