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Tennis / US Open: Andre Agassi geht unter Tränen vom Platz

zuletzt aktualisiert: 18.09.2006 - 10:35

New York (RPO). Am Ende wurde Andre Agassi von seinen Gefühlen überwältigt. Ausgerechnet Nobody Benjamin Becker hat einen Schlussstrich unter die großartige Karriere des Tennis-Stars gezogen. Der Deutsche hat in der dritten Runde der US Open in einem packenden Vier-Satz-Krimi gesiegt. Agassi geht mit einer Niederlage vom Platz.

Zu Tränen gerührt: Andre Agassi. Foto: AFP, AFP

Der Saarländer Becker, der nur als Qualifikant gestartet war, bezwang seinen berühmten Konkurrenten mit 7:5, 5:7, 6:4, 7:5 und steht damit erstmals im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Während der amerikanische Traum für den unbekannten Deutschen mit dem großen Namen mit einem Match gegen Andy Roddick (USA) oder Fernando Verdasco (Spanien) weitergeht, nahm Agassi mit Tränen in den Augen Abschied vom weißen Sport. Keinen Zuschauer hielt es mehr auf seinem Sitz, als sich der US-Open-Sieger von 1994 und 1999 zum letzten Mal vor seinem Heimpublikum verbeugte.

Zweimal hatte Agassi New York bei seiner Abschiedsvorstellung noch einmal verzaubert und als der Altmeister und sein unerfahrener Kontrahent um 16 Minuten nach elf am Sonntagmorgen das Arthur-Ashe-Stadium betraten, schien sogar die Sonne im "Big Apple". Mit Training, Medienterminen und vor allem Entspannung hatte Becker die Wartezeit vor der Partie überbrückt. Als die Ausläufer von Tropensturm "Ernesto" den ersten Anlauf von Becker gegen Agassi am Samstag unmöglich gemacht hatten, war er nicht einmal auf die Anlage gefahren.

Agassi musste sich nach seinem faszinierenden Fünfsatzmarathon gegen Marcos Baghdatis (Zypern) in Runde zwei dagegen noch einmal mit Spritzen gegen die ewigen Rückenschmerzen behandeln lassen. Aber als er dann auf Platz stand, war nicht zu übersehen, wie sehr ihn die Schmerzen behinderten. Sein Vater Mike hatte Agassi sogar geraten, doch lieber gar nicht mehr anzutreten. Und auf der Tribüne saß Steffi Graf und litt sichtlich mit ihrem Ehemann, der sich nur mit einer unglaublichen Energieleistung im Match halten konnte. Fast schon verzweifelt versuchten auch die Fans, Agassi bei seinen 21. US Open immer wieder zurück ins Match zu schreien.

Auf der anderen Seite musste Becker, der erst im Juni in Wimbledon erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier aufgeschlagen hatte, erstmal seine Nerven in den Griff bekommen. Gute Aufschläge und freche Stopps wechselten sich mit vielen leichten Fehlern ab und so vergab er schon im Tiebreak des zweiten Satzes die Chance zur Vorentscheidung. Zwei Sätze später zeigte Becker dann aber Nervenstärke, wehrte beim Stande von 4:5 zunächst einen Satzball Agassis ab, glich zum 5:5 aus und schaffte dann das vorentscheidende Break zum 6:5. Nach 3:03 Stunden machte Benjamin Becker mit seinem ersten Matchball, einem Ass, das Ende von Agassis Karriere perfekt.

Neben Becker hatte von insgesamt 14 gestarteten Deutschen nur Tommy Haas (Sarasota-USA) die dritte Runde erreicht. Sein Match gegen US-Boy Robby Ginepri wurde wegen des Regens auf Montag verschoben, so dass Haas bei einem Sieg gleich am Dienstag weiterspielen müsste. Überhaupt hatten die Organisatoren ein Mammutprogramm für Sonntag angesetzt. So sollte erstmals auch im Louis-Armstrong-Stadium eine "Night Session" gespielt werden.

Ergebnisse:

Tennis, 126. US Open in New York (18,5 Millionen Dollar):

Herren, 2. Runde:

Marat Safin (Russland) - David Nalbandian (Argentinien/Nr. 4) 6:3, 7:5, 2:6, 3:6, 7:6 (8:6)
Olivier Rochus (Belgien) - Ryan Sweeting (USA) 6:2, 3:6, 4:6, 6:4, 6:0

3. Runde:

Benjamin Becker (Orscholz) - Andre Agassi (USA) 7:5, 6:7 (4:7), 6:4, 7:5
Tommy Robredo (Spanien/Nr. 6) - Stanislas Wawrinka (Schweiz) 6:3, 6:4, 6:2
Michail Juschni (Russland) - David Ferrer (Spanien/Nr. 11) 4:6, 6:4, 7:5, 6:4
Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 15) - Novak Djokovic (Serbien/Nr. 20) 6:3, 6:1

Damen, 3. Runde:

Tatiana Golovin (Frankreich/Nr. 27) - Nadia Petrowa (Russland/Nr. 5) 7:5, 6:7 (4:7), 6:3
Patty Schnyder (Schweiz/Nr. 7) - Marion Bartoli (Frankreich) 0:6, 6:3, 6:3
Lindsay Davenport (USA/Nr. 10) - Katarina Srebotnik (Slowenien) 3: 6, 6:3, 7:6 (7:5)
Dinara Safina (Russland/Nr. 12) - Jarmila Gajdosova (Slowakei) 6:3, 6:0
Anna Schachwetadse (Russland/Nr. 23) - Victoria Asarenka (Weißrussland) 6:4, 6:3
Virginie Razzano (Frankreich) - Kaia Kanepi (Estland) 7:5, 6:2


 
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