Tennis: Davis Cup in der Eissporthalle
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 06.03.2009 - 12:20Garmisch-Partenkirchen (RP). Deutschlands Davis-Cup-Mannschaft tritt gegen Österreich in Garmisch-Partenkirchen als klarer Favorit an. Teamchef Kühnen warnt allerdings vor Überheblichkeit.
Die glorreichen Zeiten des SC Riessersee sind schon eine ganze Weile her. Der Eishockey-Klub, der 1968 zu den Gründungsmitgliedern der damaligen Bundesliga zählte, war lange durch wirtschaftliche Schieflage in der sportlichen Versenkung verschwunden. Mittlerweile spielt der Verein zweitklassig. Man könnte meinen, es gebe bessere Orte für das deutsche Tennis-Team, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Denn die Akteure bei der Davis-Cup-Partie in Garmisch laufen Gefahr, kalte Füße zu bekommen. Das liegt weniger an Erstrundengegner Österreich, sondern vielmehr am Belag. Es fröstelt ein wenig, weil der Tennisplatz über dem Eis verlegt wurde, wo sonst der SCR spielt.
Vielleicht ist diese Eissporthalle aber auch ein ganz gutes Symbol für die Lage im Tennis hier zu Lande. Die Klappstühle verheißen nicht unbedingt Bequemlichkeit, an den Wänden blättert die Farbe ab, und es verfestigt sich der Eindruck, dass die letzte Renovierung ein paar Jahre zurückliegt. Dem DTB geht es ähnlich. Der Glanz der Boris-Becker-Zeiten ist deutlich verblasst.
Teamchef Patrik Kühnen hat für die ersten beiden Einzel Rainer Schüttler und Philipp Kohlschreiber nominiert. Zum Auftakt heute (14.30 Uhr/live im DSF) trifft Schüttler, Nummer 1 im deutschen Team und in der Weltrangliste auf Platz 31 notiert, auf den Österreicher Stefan Koubek. Danach tritt Kohlschreiber (37.) gegen Jürgen Melzer an. Nicolas Kiefer (33.) wird morgen erst im Doppel an der Seite von Christopher Kas eingreifen. Der Hannoveraner hatte wegen einer Sprunggelenksverletzung seit Anfang des Jahres keine Partie mehr bestritten. "Es ist für mich eine Riesensache, hier überhaupt dabei zu sein", kommentiert Kiefer. "Als Teil der Mannschaft versuche ich dazu beizutragen, dass wir am Ende drei Punkte haben."
Ganz so harmonisch ging es im Vorfeld allerdings nicht zur Sache. Schüttler moserte über Kühnen, weil der erst spät seinen Kader berief. Die Disharmonien sollen ausgeräumt worden sein. "Wir konzentrieren uns auf Tennis", sagt Kühnen. "Österreich ist keine Truppe, die wir einfach so vom Platz fegen."
Für Kiefer sind die Tage in Garmisch-Partenkirchen ein besonderes Erlebnis. Dort hat er 1995 als damals 17-Jähriger sein erstes Profiturnier gewonnen. "Seit dem Challenger", sagt der Niedersachse, "war ich nie wieder dort." Er hat noch immer große Ziele mit der Tennis-Nationalmannschaft – er will einmal den Davis-Pokal gewinnen, zuletzt ist das einem DTB-Team 1993 geglückt. "Mein Ziel ist es, bis zu den Olympischen Spielen 2012 zu spielen", erklärt Kiefer. "Bis dahin gibt es hoffentlich auch noch ein paar Möglichkeiten im Davis Cup." Bei einem Erfolg über die Österreicher würde Deutschland im Viertelfinale auf Spanien oder Serbien treffen. "Soweit blicke ich jetzt noch nicht", sagt er. "Zunächst müssen wir unsere Hausaufgaben machen."
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