"Diese Mädels haben großes Potenzial": Deutsche Tennis-Damen trumpfen auf
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 26.04.2011 - 10:42Stuttgart/Düsseldorf (RP). Im Finale setzt sich die 22-Jährige gegen die dänische Branchenführerin Caroline Wozniacki mit 7:6, 6:3 durch. Erstmals seit August 1999 stehen wieder zwei Deutsche unter den Top 30 – Petkovic und Görges.
Man muss schon ein wenig weiter in den Tennis-Statistiken zurückblättern. Es ist fast zwölf Jahre her, dass gleich zwei deutsche Damen unter den besten 30 der Weltrangliste standen. Im August 1999 war das. Die Spielerinnen hießen Steffi Graf und Anke Huber. Die Sportart hat seither hierzulande eine rasante Talfahrt erlebt. Das ist auch daran abzulesen, dass es nur noch ein Turnier der oberen Klasse gibt – in Stuttgart. Graf hat im Ländle nie gewinnen können, Huber triumphierte 1994, als noch in Filderstadt gespielt wurde, als letzte Deutsche.
Im neuen Klassement stehen erneut zwei deutsche Spielerinnen unter den besten 30. Die Darmstädterin Andrea Petkovic rangiert mittlerweile schon auf Position 15, zwölf Plätze dahinter liegt Julia Görges. Die 22-Jährige aus Bad Oldesloe hat sich nachhaltig in den Vordergrund gespielt und am vergangenen Wochenende in Stuttgart gewonnen. Sie besiegte die aktuelle Nummer eins, die Dänin Caroline Wozniacki, im Finale mit 7:6 (7:3), 6:3 und war ganz entzückt von ihrer Leistung. "Ein Traum ist wahr geworden", sagte sie. "Ich kann stolz auf mich sein."
Probleme mit der Prämie
Für ihre Leistung erhielt sie 110.000 Dollar als Siegprämie und einen Flitzer aus dem Fuhrpark von Sponsor Porsche. Mit dem 408 PS starken Wagen hatte sie so ihre Mühe. "Ich habe drei Monate kein Auto gefahren", entschuldigte sie die etwas holprige Anfahrt mit der Luxuskarosse.
Vielleicht wird Stuttgart einmal als Wendepunkt in die neuere Geschichte des deutschen Damen-Tennis eingehen. Jene zwei Wochen, in denen vier Frauen beste Werbung fürs Produkt vor einer breiteren Öffentlichkeit betrieben haben. Zunächst in der Fed-Cup- Begegnung um den Einzug in die Weltgruppe gegen die USA. Petkovic, Görges, Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld schafften die Rückkehr in den Kreis der besten Nationen eindrucksvoll mit einem 5:0-Erfolg.
Bitte keine Vergleiche mit Graf
Und auch beim anschließenden Turnier an selber Stelle ging der Triumphzug weiter – mit vier Vertreterinnen im Viertelfinale (Görges, Petkovic, Lisicki und Kristina Barrois). "Eine Sensation" nannte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner die "Woche der Deutschen" und regte an, weitere Frauen-Turniere in Deutschland zu schaffen. Im Gespräch ist eine Veranstaltung in Frankfurt am Main, ebenfalls soll Halle in Westfalen als Standort in Frage kommen. "Wir müssen jetzt die Chance nutzen und uns lautstark bemerkbar machen", bekundete Rittner. "Ich schaue voller Vorfreude in die Zukunft. Diese Mädels haben großes Potenzial."
Doch bei aller guten Laune, bei den Träumereien von weiteren Erfolgen nutzte Julia Görges den Augenblick ihres persönliches Erfolgs für einen Appell: "Wir alle freuen uns über die Euphorie. Man muss aber jetzt vorsichtig sein und das ein bisschen bremsen. Die Spielerinnen müssen Zeit bekommen, sich zu entwickeln." Niemand will sich an den großen Erfolgen einer Steffi Graf messen lassen. "Man hat die Vergleiche mit ihr so oft gehört", sagt Görges. "Das war nicht einfach für uns, denn sie war eine Ausnahme-Erscheinung. Wir versuchen einfach, jetzt unser Ding zu machen." Die ersten Schritte sehen sehr viel versprechend aus.
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