French Open: Deutsches Debakel in Roland Garros
zuletzt aktualisiert: 01.06.2007 - 14:12Paris (PRO). Ohne große Erwartungen waren die deutschen Tennisprofis zur 90. Auflage der French Open angereist - und bereits nach zwei Runden konnte das gesamte Team um Philipp Kohlschreiber und Martina Müller wieder die Heimreise antreten. Bei den Entscheidungen in der zweiten Woche spielen die deutschen Profis keine Rolle mehr.
Als bislang letzter hatte der Dauerverletzte Nicolas Kiefer zwar noch 2005 das Achtelfinale erreicht. Doch schon elf Jahre ist es her, dass in dem späteren Finalisten Michael Stich und Bernd Karbacher deutsche Profis in der Runde der letzten Acht standen.
Ohne Kiefer und vor allem den erneut von einer Schulterverletzung zurückgeworfenen Tommy Haas gab es auf der roten Asche, wo die heutigen Profis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) meist aufgewachsen sind, für die nur drei gestarteten Herren Kohlschreiber, Florian Mayer und Benjamin Becker im kleinsten deutschen Herren-Aufgebot seit 35 Jahren nichts zu holen.
Ein Jahr nach dem Viertelfinaleinzug von Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn), die nach der Trennung von ihrem Trainer derzeit ganz andere Sorgen als das nächste Tennismatch hat, schaffte auch von den sechs gestarteten DTB-Damen keine den Einzug in die zweite Runde. Als letzte hatte sich Martina Müller gegen die gute Qualifikantin Dominika Cibulkova aus der Slowakei am Donnerstagabend in zwei Sätzen verabschiedet.
Die Enttäuschung über das wenig ruhmreiche Abschneiden hielt sich insgesamt aber in Grenzen, den ganz großen Wurf hatte ohnehin niemand erwartet. "So negativ es ist, dass keine Deutsche die dritte Runde erreicht hat: Ich ziehe grundsätzlich ein positives Fazit. Denn die jungen Spielerinnen um Andrea Petkovic haben Anschluss gefunden, und das ist die Generation, auf die ich bauen muss", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner.
Lob für Lichtblick Petkovic
Tatsächlich war die 19 Jahre alte Petkovic der große deutsche Lichtblick an der Seine. Über die Qualifikation hatte sie sich erstmals in ein Grand-Slam-Hauptfeld gespielt und war dort nach erfrischenden Auftritten auf und neben dem Platz unglücklich in der zweiten Runde gescheitert. "Ich hoffe, Andrea hat begriffen, dass sie viel näher dran ist, als sie immer denkt. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die Jungen so schnell wie möglich unter die Top 50 bekommen", meinte Rittner.
Unter die Top 10 will am liebsten Philipp Kohlschreiber, der beim 6:7 (8:10), 1:6, 1:6 gegen den spanischen Sandplatzspezialisten Oscar Hernandez allerdings vorerst im Sand stecken blieb. "Wenn du eine Erkältung hast, bist du geschwächt", sagte Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen. Auch das Erstrunden-Aus und die grüblerischen Äußerungen von Florian Mayer ("Es macht mir alles nicht mehr so viel Spaß") wollte Kühnen nicht überbewerten.
"Das war auch in der Enttäuschung formuliert. In den nächsten Tagen werde ich mit ihm darüber reden." Gleich zehn gescheiterte deutsche Profis in der Qualifikation waren für Kühnen auch kein Anlass zur Unruhe. "Ich habe die Spiele nicht gesehen, kann das also auch nicht pauschal bewerten. Da hat jeder auf seine eigene Weise gekämpft", sagte der Saarländer.
Ohnehin blieb den deutschen Tennis-Assen der Trost, nicht allein so früh abreisen zu müssen: Zum ersten Mal seit 34 Jahren fand die zweite Runde eines Grand-Slam-Turniers bei den Herren ohne US-Beteiligung statt.
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