Tennis: Deutschland steht im Davis-Cup-Viertelfinale
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 08.03.2009 - 15:44Garmisch-Partenkirchen (RPO). Vermutlich wird Nicolas Kiefer noch lange von diesem Arbeitstag auf dem im Eissportzentrum von Garmisch aufgebauten Tennisplatz erzählen. Er musste viele Rückschläge verkraften, zumeist weil sein Körper streikte und sich lange Auszeiten nahm.
Zuletzt war das Anfang des Jahres so, als er wegen einer Bänderverletzung acht Wochen ausfiel. Manchmal stand er sich auch selbst im Weg und verlor in wichtigen Augenblicken schlichtweg die Nerven. Nun, im für einen Profi-Sportler reifen Alter von 31, hat er wohl eine innere Ruhe zu sich und seinem Beruf gefunden. Zumindest hat er mit zwei starken Auftritten das deutsche Davis-Cup-Team zum Erfolg gegen Österreich geführt.
„Das ist ein absolut überwältigendes Gefühl”, sagt der Hannoveraner Kiefer, nachdem er im Einzel gegen Jürgen Melzer mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:4 triumphierte und damit seine Mannschaft uneinholbar mit 3:1 in Führung brachte. Das bedeutungslos gewordene letzte Einzel verlor Doppelspezialist Christopher Kas gegen Stefan Koubek.
„Ich wusste am Anfang selbst nicht, wo ich nach meiner langen Pause stehe”, erklärt Kiefer, der nach einem Stolperer mit einer Schürfwunde am Knie und zahlreichen Pflaster um die Finger vom Feld stolzierte. „Ich habe auf dem Platz mein Herz und etwas Blut gelassen.” Das sah auch Teamchef Patrik Kühnen so, der seinem Schützling bescheinigte, „dass er eines seiner besten Davis-Cup-Matches gespielt hat. Der Kiwi war wirklich extrem gut.”
Einen Tag zuvor hatte der Hannoveraner schon im Doppel an der Seite des Augsburgers Philipp Kohlschreiber das deutsche Team mit 2:1 in Führung gebracht.
Am ersten Tag musste noch gezittert werden. Zunächst unterlag Rainer Schüttler nach einer schwachen Vorstellung dem Österreicher Koubek, dann mühte sich Kohlschreiber über fünf Sätze zum Erfolg gegen Melzer. Wohl der psychologische Knackpunkt ein 0:2 hat Deutschland im Davis Cup nur einmal aufgeholt und gedreht: 1960 gegen die Tschechoslowakei.
Durch den Erstrunden-Sieg hat sich die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) fürs Viertelfinale qualifiziert. Vom 10. bis 12. Juli heißt der Gegner wie im Vorjahr Spanien die Iberer genießen aber diesmal Heimrecht. Im Juli 2008 unterlag Deutschland dem späteren Davis-Cup-Sieger in Bremen mit 1:4. Der Titelverteidiger um den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal gewann in Benidorm locker mit 4:1 gegen Serbien.
Die Spanier strotzen nur so vor Selbstbewusstsein, seit zehn Jahren haben sie kein Heimspiel mehr verloren. Am Ende präsentierte sich das deutsche Team in Garmisch noch einmal geschlossen und wollte damit auch den letzten Zweifler davon überzeugen, wie harmonisch es intern zugeht. Noch vor einigen Tagen sah das ganz anders aus, als Vorwürfe gegen Kühnen laut wurden, er hätte Probleme mit seinen Spielern.
„Wir sind ein Team”, betonte der Saarländer, der seit 2003 die Verantwortung für die Davis-Cup-Mannschaft trägt. Kühnen: „Wir haben viel miteinander gearbeitet, geredet und gelacht. Es macht einfach Spaß mit so einer Truppe. Ich brauche jetzt aber erstmal ein paar Tage Ruhe.” Zeit zum Entspannen haben die Spieler nicht. Kohlschreiber, Kiefer und Schüttler fliegen heute bereits nach Amerika zum Turnier in Indian Wells.
„Ein hartes Programm”, sagt Kiefer. „Doch es gibt nichts Geileres, als für dein Heimatland auf dem Platz zu stehen. Das war sicher eines der erfolgreichsten Wochenenden meiner Laufbahn.”
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