Tennis: Haas - die unvollendete Tennis-Karriere
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 18.04.2008 - 07:54Bremen (RP). Vor der Davis-Cup-Begegnung am vergangenen Wochenende in Bremen mit den Spaniern (1:4), bei der er schmerzlich vermisst wurde, hatte Tommy Haas über den Deutschen Tennis Bund (DTB) verbreiten lassen, dass er nicht nur darauf verzichten werde.
Auch beim Arag World Team Cup in Düsseldorf und bei Olympia in Peking wird Haas nicht aufschlagen. Seine Ärzte hätten ihm geraten, öfter mal längere schöpferische Pausen einzulegen, heißt es. Die Frage ist: Kann er überhaupt noch einmal ins Spitzentennis zurückfinden?
Die Karriere des gebürtigen Hamburgers begann mit der Ausbildung in der Akademie des Trainer-Gurus Nick Bollettieri in Bradenton/Florida. Ein Sponsoren-Pool finanzierte dem Elfjährigen den Aufenthalt. Erste Erfolge: 1997 erreichte er das Halbfinale der German Open am Hamburger Rothenbaum und zwei Jahre später zog er in die Vorschlussrunde der Australian Open ein.
Allerdings hatte 1998 erstmals eine Serie von Verletzungen seine Anfälligkeit angedeutet. Dennoch wird Haas im Mai 2002 als Nummer zwei der Weltrangliste registriert. Dann warf ihn ein Schicksalsschlag aus der Bahn. Im Sommer 2002 hatten seine Eltern einen schweren Motorradunfall, worauf der Vater monatelang im Koma lag.
Auch die Mutter war schwer verletzt. Tennis spielte fortan für Tommy nur eine untergeordnete Rolle. Als die Eltern endlich wieder gesund waren, legte eine hartnäckige Schulterverletzung den Davis-Cup-Spieler während der gesamten Saison 2003 lahm.
467 Tage Zwangspause
Zweimal musste er operiert werden. Nach einer Pause von 467 Tagen startete Tommy Haas ein erstaunliches Comeback, wie es noch nie einem Tennisprofi nach so langer Auszeit gelungen war.
Am 19.April 2004 stand er in Houston/Texas erstmals seit 23 Monaten wieder in einem Endspiel. Er bezwang Andy Roddick (USA) glatt mit 6:3, 6:4. Und wenig später feierte er in Los Angeles seinen siebten von derzeit elf Einzel-Titeln auf der ATP-Tour durch einen Finalsieg gegen Nicolas Kiefer.
Er war wieder dort angelangt, wo zwei Jahre zuvor seine Pechsträhne begonnen hatte. Auch die Saison 2006 bestätigte den Aufwärtstrend. Haas errang drei weitere Turniersiege, ehe er beim Davis-Cup-Relegationsspiel in Düsseldorf gegen Thailand erneut zurückgeworfen wurde. Völlig übermüdet und ausgelaugt kam er von den US Open, wo er drei kräftezehrende Fünf-Satz-Matches hatte bestreiten müssen.
So kam der Zusammenbruch, den er in Düsseldorf gegen den unbekannten Danai Udomchoke erlitt, nicht von ungefähr. Zum zweiten Einzel trat Haas gar nicht mehr an. Bis zum Jahresanfang 2007 hatte er sich von den Strapazen wieder erholt.
Zum dritten Mal zog er ins Halbfinale der Australian Open ein, und im Februar feierte er in Memphis seinen elften Turniersieg auf der ATP-Tour. Aber dann kam es wieder knüppeldick. Beim Turnier in Rom brach die Schulterverletzung wieder auf. Haas musste erneut wochenlang pausieren, verpasste den World Team Cup und die French Open.
In Wimbledon kämpfte er sich erstmals ins Achtelfinale, musste dann aber die Begegnung mit dem Weltranglisten-Ersten Roger Federer absagen. Im Dezember folgte die dritte Operation an der lädierten Schulter. Seit dem 3. April ist Haas 30 Jahre alt.
Mit jedem Tag schwindet nun die Chance, dass er eines seiner großen Ziele - Sieg im Davis Cup oder Gewinn wenigstens eines Grand-Slam-Titels - doch noch erreichen kann. Traurige Geschichte einer unvollendeten Karriere. Tommy Haas hadert derzeit mit sich und seiner Gesundheit.
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