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127. US Open in New York: Haas erreicht Viertelfinale

zuletzt aktualisiert: 04.09.2007 - 10:44

New York (RPO). Tennisprofi Tommy Haas steht nach einem weiteren Fünfsatz-Krimi etwas überraschend im Viertelfinale der 127. US Open. Der gebürtige Hamburger erreichte die Runde der letzten Acht in New York durch ein 4:6, 6:4, 3:6, 6:0, 7:6 (7:4) gegen den Weltranglistensechsten James Blake (USA) und spielte dabei phasenweise überragend.

Tommy Haas jubelt nach fünf Sätzen harter Arbeit.  Foto: AP, AP
Tommy Haas jubelt nach fünf Sätzen harter Arbeit. Foto: AP, AP

Als er den letzten Ball in einem denkwürdigen Spiel geschlagen hatte, wusste Tommy Haas erst einmal nicht, ob er jubeln sollte. Oder durfte. Lokalmatador James Blake wollte es ganz genau wissen und forderte eine Überprüfung durch das elektronische Auge: War der Aufschlag von Haas beim zweiten Matchball tatsächlich ein Ass?

Nach Sekunden der Ungewissheit hob der Deutsche im Triumph die Faust: Um Millimeter hatte die Filzkugel noch die Linie berührt. Nachdem er zuvor selbst drei Matchbälle abgewehrt hatte, steht Haas nach einem Fünfsatz-Thriller nun im Viertelfinale der US Open.

"Das war ein Drama ohne Ende", sagte Haas. In der Tat: Schon bevor er schließlich 4:6, 6:4, 3:6, 6:0, 7:6 (7:4) gewann, lagen Sieg und Niederlage oft nur um Millimeter auseinander. 3:17 Stunden lang schwankten mehr als 23.000 Zuschauer im "Arthur Ashe Stadium" zwischen ihrer Verblüffung über Haas und ihrer Begeisterung für den gebürtigen New Yorker Blake.

"Viele Spiele waren unglaublich knapp. Nur im vierten Satz, da hat Tommy einfach unglaublich gespielt. Und wenn er so weitermacht, werden auch noch andere Probleme mit ihm bekommen", lobte der Weltranglisten-Sechste.

Nächster Gegner von Haas, der erst zum sechsten Mal bei einem Grand Slam im Viertelfinale steht, ist allerdings Nikolaj Dawydenko, "ein unangenehmer Spieler". Gegen die Ballmaschine aus Russland, in Runde zwei souveräner Sieger über Nicolas Kiefer (Hannover) und im Davis-Cup-Halbfinale (21. bis 23. September) Gegner der Deutschen, hat Haas zuletzt zwei bemerkenswerte Spiele absolviert: Im Vorjahr scheiterte er im Viertelfinale der US Open an der Nummer vier der Weltrangliste in fünf Sätzen; bei den diesjährigen Australian Open zog er dann mit einem Fünfsatz-Erfolg gegen den 26-Jährigen in das dritte Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere ein.

Erinnerungen an diese Begegnungen schossen Haas bereits beim Spiel gegen Blake durch den Kopf: Auch im Vorjahr hatte er, ehe er gegen Dawydenko ausschied, in der dritten Runde und im Achtelfinale jeweils ein Fünfsatz-Spiele gewonnen - beide im Tiebreak. "Über die Jahre habe ich gelernt, dass in Fünfsatz-Spielen alles möglich ist", sagte der 29-Jährige. 32-mal ist er nun die volle Distanz gegangen, seine Bilanz verbesserte er gegen Blake auf 17:15 Siege. Dass er im Vorjahr dazu zweimal diese Tiebreaks in New York gewann, daran hat er sich erinnert: "Ich mir habe mir gedacht: warum nicht nochmal". Zugleich ermahnte er sich deshalb, "ruhig zu bleiben".

Die Ruhe zu bewahren war alles andere als leicht. Drei Sätze lang war es hin und her gegangen, beide Spieler verloren mehrfach ihren Aufschlag. Dann spielte Haas im vierten Satz Tennis von einem anderen Stern und nahm Blake auch zu Beginn des fünften Satzes den Aufschlag ab. Doch nachdem er einen weiteren Breakball zum 5:2 eher fahrlässig vergeben hatte, kippte die Begegnung nochmal. Beim Stand von 4:5 hatte Haas drei Matchbälle gegen sich - und wehrte sie im Stile eines Champions ab: Sein Aufschlag hatte ihn zu dieser Zeit verlassen, doch in den drei entscheidenden Momenten servierte er drei Service-"winner".

"Einer musste leider verlieren, aber wir können beide unglaublich stolz auf uns sein", sagte Haas. In der Summe bot das Match alles, was Tennis attraktiv und spannend macht: spektakuläre Ballwechsel, überraschende Wendungen durch zahlreiche Breaks, eine Reihe vergebener "Elfmeter" und grandiose Siegschläge wie zum 4:3 im Tiebreak, als Haas einen Lob spielte: "Der Punkt war ganz wichtig". Und am Ende entschied noch das "hawkeye" über die Matchbälle. Haas selbst hatte beim ersten Matchball Blakes Return im Aus gesehen, daher das "Auge" befragt und geirrt: ebenfalls um Millimeter.

Die angeblich so malade rechte Schulter von Haas ist dafür kein Thema mehr: Sie hat in New York zweimal vier und zweimal fünf Sätze gehalten und gegen Blake schien sie wirklich kein Handicap mehr zu sein. Der Deutsche konnte sich unbeschwert dem Gefühl hingeben, im "Ashe" zu spielen.

Es war eine Premiere für Haas, den die Atmosphäre zu beflügen schien. Mehrfach huschte ein Lächeln über ein Gesicht. "Das war bestimmt eine meiner besten und größten Erfahrungen", sagte er, und eine aufwühlende war es dazu: "Ich werde mir bestimmt heute Abend eine Schlaftablette nehmen."

Federer, Roddick und Dawydenko folgen Haas

Neben Schwerarbeiter Tommy Haas haben am amerikanischen "Tag der Arbeit" auch Roger Federer (Schweiz), Andy Roddick (USA) und Nikolaj Dawydenko (Russland) das Viertelfinale erreicht. Bei den Damen spielten sich zugleich Shahar Peer (Israel), Swetlana Tschakwedatse, Swetlana Kusnezowa (beide Russland) und Agnes Szavay (Ungarn) in die Runde der letzten Acht. Alle haben damit ein Preisgeld von 150.000 Dollar sicher.

Titelverteidiger Federer besiegte den ungesetzten Spanier Feliciano Lopez nach großen Anlaufschwierigkeiten 4:6, 6:4, 6:1, 6:4 und trifft nun in einer Neuauflage des Vorjahres-Endspiels auf den Weltranglistenfünften Roddick. Der US-Amerikaner profitierte zum zweiten Mal nach der zweiten Runde von der Aufgabe seines Gegners. Tomas Berdych, Weltranglistenneunter aus Tschechien konnte beim Stand von 7:6 (8:6), 2:0 für Roddick wegen Atembeschwerden nicht weiterspielen.

Unterdessen macht der an Nummer vier gesetzte Dawydenko, der in der zweiten Runde Nicolas Kiefer (Hannover) ausgeschaltet hatte, weiter kurzen Prozess mit seinen Gegnern. Der Russe besiegte den 31 Jahre alten Südkoreaner Lee Hyung-Taik 6:1, 6:3, 6:4 und ist in New York weiter ohne Satzverlust. Sein Spiel gegen Haas am Donnerstag ist zugleich eine Generalprobe für das Halbfinale im Davis Cup in Moskau (21. bis 23. September).

Bei den Damen war das Viertelfinale am Montagabend komplett, nachdem bereits die Weltranglistenerste Justine Henin (Belgien), die Williams-Schwester Serena und Venus sowie Jelena Jankovic (Serbien) in die Runde der letzten Acht eingezogen waren. Einzige ungesetzte Spielerin im Viertelfinale ist die Ungarin Agnes Szavay, die Julia Wakulenko (Ukraine) 6:4, 7:6 (7:1) besiegte.

Auch die anderen drei Damen machten es am Montag in zwei Sätzen. Swetlana Kusnezowa, US-Open-Siegerin 2004, bezwang die Weißrussin Wiktoria Asarenko 6:2, 6:3, Anna Tschakwedatse stoppte die 16 Jahre alte Österreicherin Tamira Paszek 6:1, 7:5, und die an Nummer 18 gesetzte Israelin Shahar Peer gewann 6:4, 6:1 gegen die Polin Agnieszka Radwanska, die zuvor Titelverteidigerin Maria Scharapowa (Russland) ausgeschaltet hatte.


127. US Open in New York (19,6 Millionen Dollar), 8. Tag:

Herreneinzel, Achtelfinale: Tommy Haas (USA-Sarasota/Nr. 10) - James Blake (USA/Nr. 6) 4:6, 6:4, 3:6, 6:0, 7:6 (7:4), Roger Federer (Schweiz/TV/Nr. 1) - Feliciano Lopez (Spanien) 3:6, 6:4, 6:1, 6:4, Nikolaj Dawydenko (Russland/Nr. 4) - Lee Hyung-Taik (Südkorea) 6:1, 6:3, 6:4, Andy Roddick (USA/Nr. 5) - Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 9) 7:6 (8:6), 2:0-Aufgabe Berdych

Damit im Viertelfinale: Roger Federer - Andy Roddick, Nikolaj Dawydenko - Tommy Haas, Sieger aus Ernests Gulbis/Carlos Moya - Sieger aus Juan Monaco/Novak Djokovic, Sieger aus Stanislas Wawrinka/Juan Ignacio Chela - Sieger aus David Ferrer/Rafael Nadal

Dameneinzel, Achtelfinale: Swetlana Kusenzowa (Russland/Nr. 4) - Victoria Asarenka (Weißrussland) 6:2, 6:3, Anna Tschakwetadse (Russland/Nr. 6) - Tamira Paszek (Österreich) 6:1, 7:5, Shahar Peer (Israel/Nr. 18) - Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 30) 6:4, 6:1, Agnes Szavay (Ungarn) - Julia Wakulenko (Ukraine) 6:4, 7:6 (7:1)

Damit im Viertelfinale: Justin Henin - Serena Williams, Jelena Jankovic - Venus Williams, Agnes Szavay - Swetlana Kusnezowa, Anna Tschakwetadse - Shahar Peer

Herrendoppel, Viertelfinale: Simon Aspelin/Julia Knowles (Schweden/Österreich/Nr. 10) - Bob und Mike Bryan (USA/Nr. 1) 7:5, 6:4, Julien Benneteau/Nicolas Mahut (Frankreich) - Robert Kendrick/Sam Querrey (USA) 6:3, 6:4

Damit im Halbfinale: Simon Aspelin/Julian Knowles - Julien Benneteau/Nicolas Mahut, Sieger aus Paul Hanley/Kevin Ullyett - Marcelo Melo/Andre Sa - Sieger aus Lukas Dlouhy/Pavel Vizner - Sieger aus Mark Knowles/Daniel Nestor

Mixed, Viertelfinale: Zi Yan/Mark Knowles (China/Bahamas/Nr. 3) - Nathalie Dechy/Andy Ram (Frankreich/Israel) 6:4, 6:4, Meghann Shaughnessy/Leander Paes (USA/Indien) - Ashley Harkleroad/Justin Gimelstop (USA) 6:3, 6:4, Victoria Asarenka/Max Mirnij (Weißrussland) - Sania Mirza/Mahesh Bhupathi (Indien) 6:4, 6:1, Liezel Huber/James Murray (Südafrika/Großbritannien) - Agnieszka Radwanska/Mariusz Fyrstenberg (Polen) 6:1, 6:2

Damit im Halbfinale: Victoria Asarenka/Max Mirnj - Zi Yan/Mark Knowles, Liezel Huber/Andy Murray - Meghann Shaughnessy/Leander Paes

Quelle: sid

 
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