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Australian Open: Haas: Süße Revanche

zuletzt aktualisiert: 25.01.2007 - 18:07

Melbourne (RP). Deutschlands bester Tennisprofi Tommy Haas erreichte durch einen hart erkämpften Fünfsatz-Sieg gegen den Russen Nikolai Dawidenko das Halbfinale der Australian Open. Sein nächster Gegner ist am Freitagmorgen (9.30 Uhr im LIVE!-Ticker) der Chilene Fernando Gonzalez.

Die Worte sind Tommy Haas förmlich ins Gesicht geschrieben: „Nicht schon wieder!“ 4:5 steht es im fünften Satz und 30:40. Er hat einen Matchball gegen sich, sein erster Aufschlag landet im Aus. Er atmet durch, blickt hinüber zu Trainer und Freundin in der Box. Für einen kurzen Moment scheint die Erinnerung in ihm hochzukommen. An das Viertelfinale bei den US Open im vorigen September. Auch dort hieß der Gegner Nikolai Dawidenko. Haas führte und verlor doch mit 4:6 im fünften Satz. Eine bittere Niederlage, von der er sich wochenlang nicht erholen sollte.

Er wollte unbedingt Revanche - und jetzt das: die gleiche Situation im Viertelfinale der Australian Open. Haas nimmt sich noch einen Augenblick, dann wirft er den Ball hoch und serviert nach außen. Dawidenko trifft mit voller Wucht, trifft aber ins Netz. Haas atmet auf, das vorzeitige Aus ist abgewendet und er gleicht zum 5:5 aus. Den positiven Schub der Schrecksekunde nutzt er, setzt bei jedem Punkt voll auf Risiko und wird belohnt. Mit einem gewaltigen Vorhand-Winner, direkt an der Seitenlinie platziert, sichert er sich das Break.

Dawidenkos Gegenwehr ist gebrochen, nach 3:17 Minuten hat Haas zwei Matchbälle. Den ersten glaubt er bereits verwandelt, sein Jubel kommt jedoch verfrüht, denn der Videobeweis gibt Dawidenkos Einspruch Recht. Als beim zweiten Versuch die Vorhand des Russen knapp das Feld verfehlt, darf Haas endlich energisch die Siegerfaust in den Melbourner Himmel recken.

„Es ist einer der schönsten Momente in meiner Karriere. Ich wollte diese Revanche so sehr. Ich hatte am Ende keinen Bock darauf, dass er mich noch mal zurück breakt. Das war einfach geil“, sprudelte es aus Haas heraus, der mit seinem 6:3, 2:6, 1:6, 6:1, 7:5-Sieg gegen Dawidenko zum dritten Mal, nach 1999 und 2002, im Halbfinale der Australian Open steht.

Zuvor war er jeweils an einem Russen gescheitert - Jewgeni Kafelnikow und Marat Safin. „Ich bin froh, dass ich in einem wichtigen Match endlich einen Russen schlagen konnte“, meinte Haas, nachdem er gegen Dawidenko ein Wechselbad der Gefühle durchlebt hatte. Nach einem furiosen Start hatte er völlig den Faden verloren. „Du bist ein Vollidiot“, schnauzte er sich an. Das irritierte Dawidenko, der lange in Deutschland gelebt hat: „Ich dachte, der ist verrückt. Er redet mit sich selbst und sagt sich, wie schlecht er spielt. Unglaublich.“

Während die Temperamentsausbrüche seine Leistung normalerweise negativ beeinflussen, half Haas die Selbstansprache dieses Mal zurück in die Erfolgsspur. Er wehrte mehrere Breakpunkte und schließlich auch diesen Matchball ab. Dann war es geschafft.

Die Revanche konnte süßer kaum sein, vor allem kam sie zum richtigen Zeitpunkt. Mit 28 Jahren ist Haas nun der älteste Spieler im Halbfinale von Melbourne. Seine Karriere wurde immer wieder von schweren Verletzungen geprägt. So musste er Ende 2002 für 15 Monate wegen einer hartnäckigen Schulterverletzung pausieren, bangte um seine sportliche Zukunft. Der Einzug in ein Grand-Slam-Halbfinale entschädigt ihn für viele Entbehrungen, auch in der Gewissheit, dass vielleicht nicht mehr viele Höhepunkte folgen werden.

Gegner in der Vorschlussrunde ist der Chilene Fernando Gonzalez, der den Mitfavoriten Rafael Nadal souverän aus dem Wettbewerb warf. Haas ist dennoch selbstbewusst: „Er ist ein guter Mann, aber ich bin inzwischen erfahrener geworden. Wenn ich das zeige, was ich kann, wird es für jeden Spieler schwer, mich zu schlagen.“


 
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