Zahlreiche Spielabsagen: Hitzeschlacht bei den Australian Open
zuletzt aktualisiert: 16.01.2007 - 13:55Melbourne (RPO). Nicht nur die Spieler leiden bei den Australian Open unter den tropischen Temperaturen, auch der Spielplan kommt ins schwitzen. So wurde unter anderem bereits am Nachmittag das Erstrundenmatch von Anna-Lena Grönefeld gegen die Tschechin Sandra Zahlavova abgesagt.
Die Spiele von Tommy Haas, Florian Mayer, Alexander Waske und Philipp Kohlschreiber sollen erheblich verspätet beginnen.
Hervorgerufen wurde das Chaos von einer Heißluftfront, die in der Spitze um 16.20 Uhr Ortszeit das Thermometer bis auf 40,8 Grad klettern ließ. Nach den Regularien dürfen keine Spiele unter freiem Himmel mehr begonnen werden, wenn die Quecksilbersäule 35 Grad Celsius überschreitet, begonnene Matches werden aber zu Ende geführt.
Qualifikant Mischa Zverev hat der Hitze von Melbourne getrotzt und als erster von zehn deutschen Herren die zweite Runde der Australian Open erreicht.
Der 19 Jahre alte Hamburger bezwang bei seiner Grand-Slam-Premiere bei Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad Celsius in einem deutschen Duell Michael Berrer aus Stuttgart 6:4, 7:6 (7:1), 3:6, 6:4. Zverev trifft in der zweiten Runde auf den US-Amerikaner Robby Ginepri.
Auch Kohlschreiber weiter
Philipp Kohlschreiber aus Bamberg ist Zverev in die zweite Runde gefolgt. Der 23-Jährige bezwang etwas überraschend den in der Weltrangliste 24 Plätze besser notierten Kristof Vliegen aus Belgien 5:7, 6:3, 6:2, 6:4. Er bekommt es in der zweiten Runde nun mit dem an zwei gesetzten Spanier Rafael Nadal zu tun, einem der Topfavoriten des Turniers.
Bis zum frühen Abend Ortszeit war Zverev der einzige deutsche Spieler, der am zweiten Turniertag auf dem Platz stand. Angesichts der tropischen Temperaturen und der in Kraft getretenen Hitze-Regularien geriet der Spielplan auf den nicht überdachten Außenplätzen vollkommen durcheinander.
Unter die Dusche konnte er erst zwei Stunden nach Spielende. Steif wie eine Stabpuppe bewegte sich Mischa Zverev im Umkleideraum, konnte kaum einen richtigen Schritt mehr gehen, geschweige denn sich ausziehen. Eine falsche Bewegung - und schon hauten wieder die Krämpfe rein. Das war der Preis für seinen Erfolg im deutschen Qualifikantenduell gegen Michael Berrer (Stuttgart), mit dem er bei seinem Grand-Slam-Debüt bei den Australian Open auf Anhieb die zweite Runde gegen den US-Amerikaner Robby Ginepri erreichte.
Denn es war heiß in Melbourne, sehr heiß. Als die Partie der beiden Deutschen um 14.23 Ortszeit nach 3:04 Stunden zu Ende ging, brannte die Sonne mit knapp 40 Grad vom Himmel und verwandelte die Tennisanlage im Melbourne Park in einen Glutofen. "Auf dem Platz habe ich es gar nicht so gemerkt", sagte der Hamburger dennoch: "Erst im Umkleideraum habe ich gespürt, dass mein Körper völlig am Ende ist."
Eine heiß-kalte Wechseldusche, eine Massageeinheit, vier Bananen und eineinhalb Liter Wasser später aber ging es ihm schon wieder viel besser. Und während er nach Spielende nur noch mit leerem Blick aus eingefallenen Augen schaute, glitzerten diese Augen nun vor Freude über das Erreichte: "Ja, das ist ein super Erfolg, daran hätte ich vor einer Woche nie gedacht. Es wird mich weiter nach vorne bringen."
Seit frühester Jugend steht der Sohn des ehemaligen sowjetischen Daviscup-Spielers Alexander und der russischen Spitzenspielerin Irina quasi unter besonderer Beobachtung und dem Ruf "Ausnahmetalent". Schon mit 14 spielte er in der Herren-Regionalligamannschaft seines Heimatvereins UHC Hamburg mit. Die Eltern selbst coachen ihren Filius und begleiten ihn zu Turnieren. In Melbourne wohnt die ganze Familie in einem Apartment, dabei auch Bruder Sascha, zehn Jahre alt, ebenfalls sehr begabt: "Er hat sich letztes Jahr mehr verbessert als ich."
Boris Becker angelte sich mit seiner Marketingagentur schon vor Jahren die Vermarktungsrechte an dem Teenager Mischa. Warum gewann er dann nicht auch Wimbledon mit 17? Der große, spektakuläre Durchbruch, den gab es nicht, und teilweise wurde der Jugendliche schon als "ewiges Talent" abgeschrieben.
Der Weg aber ging weiter, stetig. 2005 die ersten größeren Erfolge, der Sprung von Platz 552 im ATP-Ranking auf 157. "Seit letztem Jahr bin ich dichter dran an den Großen", meint Zverev: "Mein ist jetzt, unter die Top-100 vorzustoßen."
Auch Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen hat den in Moskau geborenen Norddeutschen bereits unter die Lupe genommen: "Mischa hat auf dem Platz ein gutes Auge und zeigt ein attraktives, risikoreiches Serve-and-Volley-Spiel."
Daviscup jedenfalls wäre ein Traum für Zverev. Auch da strahlen die Augen wieder. Und es gibt gar keinen Zweifel, dass er den für Deutschland spielen will, auch wenn daheim russisch gesprochen wird: "Man sagt, ich habe einen deutschen Akzent. Hamburg ist mein Zuhause, hier bin ich groß geworden seit dem vierten Lebensjahr. Es ist völlig klar, dass ich Deutscher bin."
Becker empfiehlt sich für Daviscup-Einsatz
Trotz der Fünf-Satz-Niederlage bei den Australian Open kann Benjamin Becker Melbourne als Sieger verlassen. Der Saarländer hat beim 7:5, 6:7 (2:7), 6:3, 3:6, 4:6 gegen den russischen Weltklassemann Marat Safin in der Night Session zum Turnierauftakt nicht nur die knapp 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena begeistert, sondern auch Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen. Mit seinem couragierten Auftritt hat sich Becker nachdrücklich für das schwere Erstrundenmatch vom 9. bis 11. Februar in Krefeld gegen Kroatien empfohlen.
"Er ist auf jeden Fall ein Kandidat", bestätigte Kühnen: "Es war schon sehr beeindruckend wie er sich präsentiert hat, voller Selbstvertrauen und ohne Angst." Becker zeigte im Match gegen den Champion von 2005 keinen sichtbaren Respekt vor der gigantischen Kulisse und einem prominentem Gegner. So konnte er ja auch im September bei den US Open die Karriere des großen Andre Agassi beenden. Becker hat offenbar die Charaktereigenschaften, die man für den wichtigsten Tennis-Mannschaftswettbewerb braucht.
Erst am Dienstag nach dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres muss Kühnen seine Mannschaft für das Duell mit dem Sieger von 2005 nominieren, aber neben dem gesetzten Spitzenspieler Tommy Haas scheint es zu Becker im Augenblick keine wirkliche Alternative für das Einzel zu geben, da Nicolas Kiefer immer noch verletzt ist.
Australian Open in Melbourne (14,9 Mio. Dollar), 2. Spieltag:
Herreneinzel, 1. Runde:
Mischa Zverev (Hamburg) - Michael Berrer (Stuttgart) 6:4 7:6 (7:1), 3:6, 6:4, Rafael Nadal (Spanien/Nr. 2) - Robert Kendrick (USA) 7:6 (8:6), 6:3, 6:2, Nikolai Dawydenko (Russland/Nr. 3) - Sergio Roitman (Argentinien) 6: 2, 7:5, 6:2, James Blake (USA/Nr. 5) - Carlos Moya (Spanien) 7:6 (10:8), 6:2, 6:4, David Nalbandian (Argentinien/Nr. 8) - Janko Tipsarevic (Serbien) 6:7 (5:7), 4:6, 7:6 (7:2), 6:0, 2:1 Aufgabe Tipsarevic, Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 13) - Lee Hyung-Taik (Südkorea) 6:1, 6:2, 6:2, Andy Murray (Großbritannien/Nr. 15) - Alberto Martin (Spanien) 6:0, 6:0, 6:1, Sebastien Grosjean (Frankreich/Nr. 28) - Christophe Rochus (Belgien) 6:2, 4:1 Aufgabe Rochus
Stanislas Wawrinka (Schweiz/nr. 31) - Kevin Kim (USA) 6:1, 2:6, 6:4, 6:2, Robby Ginepri (USA) - Nicolas Almagro (Spanien/Nr. 32) 4:6, 6:2, 4:6, 7:5, 6:3, Robert Smeets (Australien) - Lukas Lacko (Slowakei) 6:2, 3:6, 6:1, 6:4, Juan Ignacio Chela (Argentinien) - Potito Starace (Italien) 7:6 (7:5), 6:4, 6:4, Paul Capdeville (Chile) - Julien Benneteau (Frankreich) 4:6, 6:7 (4:7), 6:2, 6:1, 6:2, Olivier Rochus (Belgien) - Chris Guccione (Australien) 3:6, 7:5, 7:5, 6:7 (4:7), 9:7, Nicolas Lapentti (Ecuador) - Alan Mackin (Großbritannien) 6:4, 6:4, 6:2, Gilles Muller (Luxemburg) - Gaston Gaudio (Argentinien) 6:0, 4:6, 6:2, 6:3
Dameneinzel, 1. Runde:
Maria Scharapowa (Russland/Nr. 1) - Camille Pin (Frankreich) 6:3, 4:6, 9:7, Kim Clijsters (Belgien/Nr. 4) - Wassilissa Bardina (Russland) 6:0, 6:0, Martina Hingis (Schweiz/Nr. 6) - Nathalie Dechy (Frankreich) 6:0, 6:2, Anna Tschakwetaze (Russland/Nr. 12) - Sybille Bammer (Österreich) 6:4, 7: 5, Ana Ivanovic (Serbien/Nr. 13) - Vania King (USA) 6:2, 6:0, Samantha Stosur (Australien/Nr. 24) - Klara Zakopalova (Tschechien) 6:3, 6:1, Alona Bondarenko (Ukraine) - Stephanie Cohen-Aloro (Frankreich) 6:1, 7:6 (8:6), Aiko Nakamura (Japan) - Eleni Daniilidou (Griechenland/Nr. 32) 6:4, 6:0
Anastassia Rodijonowa (Russland) - Roberta Vinci (Italien) 6:3, 6:1, Sania Mirza (Indien) - Olga Sawtschuk (Ukraine) 6:3, 7:5, Laura Granville (USA) - Julia Bejgelsimer (Ukraine) 6:2, 6:3, Alicia Molik (Australien) - Yung-Jan Chan (Taiwan) 6:2, 7:6 (7:4), Jelena Kostanic (Kroatien) - Sophie Ferguson (Australien) 7:5, 6:3, Renata Voracova (Tschechien) - Meghann Shaughnessy (USA) 7:5, 6:3, Virginie Razzano (Frankreich) - Nicole Pratt (Australien) 6:7 (8:10), 6:4, 6:0, Agnieszka Radwanska (Polen) - Warwara Leptschenko (Usbekistan) 5:7, 6:3, 6:2
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