Grönefeld rechnet ab: "Ich war Marionette meines Trainers"
zuletzt aktualisiert: 10.12.2007 - 07:45Nürnberg (RPO). Deutschlands ehemalige Nummer eins Anna-Lena Grönefeld hat ihr Schweigen gebrochen und mit Ex-Trainer Rafel Font de Mora abgerechnet. "Für Font de Mora war ich sein Besitz, sein Projekt. Ich habe später auch in seinem Haus gewohnt, so dass er mich auf Schritt und Tritt voll unter Kontrolle hatte.
"Ich habe unter ihm nur noch wie eine Marionette funktioniert", sagte die 22-jährige Tennisspielerin dem Sportmagazin "kicker", für das die ehemalige Weltranglistenvierte Claudia Kohde-Kilsch die Fragen stellte.
Der Spanier, der Grönefeld bei den US Open 2006 verlassen und auch den Management-Vertrag aufgelöst hat, habe sie als 17-Jährige zu sich geholt, um aus ihr „seine“ Tennisspielerin zu machen: „Er wusste genau, wie man einen so jungen Menschen an sich bindet.“ Das Training bei dem Spanier sei zwar gut gewesen, „aber das Leben ansonsten war schrecklich“.
Font de Mora habe ihr ständig eingeimpft, dass sie ohne ihn nichts sei. Irgendwann habe sie das auch geglaubt. „Ich habe nichts alleine entschieden. Aber ich kannte es nicht anders, ich dachte, das muss alles so sein, sonst wird man nichts im Tennis“, erzählt Grönefeld.
Zudem habe der Trainer und Manager versucht, einen Keil zwischen Anna-Lena Grönefeld und ihre Eltern zu treiben. „Er hat mir immer gesagt, meine Familie wäre schlecht für mich und meine Karriere. Meine Eltern hätten mich nicht für das Tennis erzogen, und wenn sie kommen würden, würde ich zu weich werden. Er hat meinen Eltern deshalb verboten, zu den Turnieren zu reisen und mir zuzuschauen“, sagte die ehemalige Nummer 14 der Welt, mittlerweile auf Platz 204 abgerutscht.
Ihre deutliche Gewichtszunahme schiebt sie auf die Trennung von Font de Mora. „Nachdem er mich jahrelang total kontrolliert hatte, fing ich nach der Trennung von ihm erst wieder an zu leben“, sagte Grönefeld: „Ich musste bei Font de Mora dreimal am Tag auf die Waage. Hatte ich auch nur ein paar Gramm zuviel, setzte er sofort Straftraining an. Das hatte aber mit auf die Ernährung achten nichts zu tun. Es wurde nur ständig mein Gewicht kontrolliert.“
Selbst der Managementvertrag soll eine Gewichtsklausel enthalten haben. Das Jahr 2006 verlief für Anna-Lena Grönefeld ganz und gar nicht nach Plan. Von 24 Matches gewann sie lediglich drei, elfmal schied sie in der ersten Runde aus. „Mit dem Zustand zuletzt war ich auch nicht zufrieden“, sagte sie: „Aber es war dieses Jahr erst mal eines wichtig: Ich wollte wieder glücklich sein.“
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