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Manager feiert 70. Geburtstag: Ion Tiriac: Beckers Geldbeschaffer

zuletzt aktualisiert: 09.05.2009 - 13:37

Düsseldorf (RPO). Er war mal der Zausel. Schwerer Gang, nach vorne abgeknickt, dunkle Kräuselhaare, finsterer Blick, Lachen möglicherweise ein Geburtsfehler, ein Mordsschnauzer verdeckte jede emotionale Regung. Inzwischen hat Ion Tiriac keine Wolle mehr auf dem Kopf, und er ist auch nicht mehr jener Zausel, den die Tenniswelt kannte und fürchtete.

Ion Tiriac und sein Ziehsohn Boris Becker im vertrauten Gespräch.  Foto: AP, AP
Ion Tiriac und sein Ziehsohn Boris Becker im vertrauten Gespräch. Foto: AP, AP

Doch Tiriac ist immer noch Tiriac, nicht immer geliebt, aber stets geachtet. Er war kein großer Spieler, aber fleißig und mit einem unglaublichen Näschen für Geld. Am kommenden Samstag (9. Mai) wird er 70 Jahre alt.

Geschäftlich hat er alles erreicht, ob im Privatleben auch, bleibt fraglich. Zwei Kinder hat er, keine Ehefrau, "die Freunde sind meine Familie", sagt er. Vor zwei Jahren stieg Tiriac zu Rumäniens erstem Milliardär auf, 2004 wählten ihn seine Landsleute zum beliebtesten Bürger des Landes. Tiriac gibt 1500 Menschen Arbeit, er ist Mitinhaber von Banken und Autohäusern.

Und er gibt seinem verarmten Land zurück. In seiner Heimatstadt Kronstadt errichtete Tiriac zehn Häuser für Waisenkinder. "Ich will dankbar sein meiner Heimat gegenüber, denn mein früherer Tennispartner Ilie Nastase und ich waren Helden in einem Land, das keine Helden kannte. Und wir hatten auch Vorteile, die andere nicht hatten", sagt er.

Wegen des finsteren Tiriac sprang nirgendwo in der Welt einer hoch, eher für den Künstler Nastase (62). Tiriac brachte es dennoch weiter, ob er deshalb glücklicher ist, weiß nur er. In seiner Garage stehen Ferrari, Mercedes, Bentley, auch der gepanzerte Wagen des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt. Er ist in der ganzen Welt zuhause, doch daheim, "das bin ich in Rumänien".

Ion Tiriac stammt aus Kronstadt in Siebenbürgen. Dort stand er am Fließband einer Kugellagerfabrik und prüfte den Härtegrad der Lager. Er wohnte in der gleichen Straße wie Günther Bosch (72), der testete neben ihm im gleichen Lastwagenwerk das Material.

Bosch spielte Tennis, Tiriac zog es an die Tischtennisplatte. Bosch gab dem zwei Jahre jüngeren Tiriac dann die ersten Tennisstunden. Bosch, der spätere deutsche Bundestrainer, sagte einst über Tiriac: "Er hatte ein gutes Auge und reagierte schnell."

Nach drei Jahren war der Zausel besser als sein Lehrer. Beide knatterten mit einem Java-Motorrad zu Turnieren in Rumänien, "bis der Frost kam", erinnert sich Bosch. Tiriac brachte Bosch bei, wie man Geld verdient: "Er war nicht nur auf dem Platz ein knallharter Spieler, sondern auch im Geschäft. Er verkaufte sich immer optimal."

Bosch hatte die Idee mit Boris Becker, Tiriac trieb das Geld ein. Bosch glaubte an Becker, er löste gar seinen "Beamtenjob" als Bundestrainer des Deutschen Tennis Bundes und tingelte mit dem Jungen durch die Lande. Doch die Turnierreisen kosteten gut und gerne 200.000 Mark im Jahr. "Ich brauchte jemanden, der auch an Boris glaubte", sagt Bosch, "wir beide brauchten Ion."

Eines Tages sagte er Tiriac, er solle sich Becker mal anschauen. Tiriac ließ den jungen Leimener mit dem Argentinier Guillermo Vilas, damals einer der Weltbesten, nicht weniger als fünf Stunden in Monte Carlo Bälle schlagen. Vilas kannte Becker nicht, aber Tiriac war halt sein Manager.

Am Ende war Becker kurz vor dem Erbrechen, Vilas auch. Tiriac sagte: "Günther, wir müssen mit den Eltern von Boris reden." Man traf sich 1983 im Flughafenhotel in Frankfurt/Main. Dass sich Tiriac damals einen Rolls Royce gemietet hat, um in Leimen bei Karl-Heinz und Elvira Becker Eindruck zu schinden, ist nichts weiter als eine Fabel.

Tiriac sagte den Eltern, der Sohn könne ein Weltklassespieler werden, er werde dann aber kaum noch zuhause sein. Und er sagte, der Junge habe das Talent und den Biss zum Wimbledonsieger. Das Trio wurde eine starke Firma: Becker spielte, Bosch trainierte, Tiriac beschaffte Verträge und Geld. Der ehemalige rumänische Eishockey-Nationalspieler mit einem Auftritt bei Olympia 1964 in Innsbruck wurde für alle zu einem Glücksgriff.

Und er kassierte ordentlich mit und ab. Vom Preisgeld behielt er zehn Prozent ein, von den Werbeeinnahmen 30 Prozent. Boris Becker wurde dennoch locker zum Multimillionär. Eine Bank rückte nach dem Wimbledonsieg 1985 für drei Jahre allein drei Millionen Mark raus.

Am Rande eines Masters-Finales in New York sagte Tiriac einst hoch oben in der Wolkenkratzer-Etage eines Luxsuhotels, der Name Boris Becker sei in der Welt inzwischen eine Marke wie VW. Er hatte natürlich Recht. Auch dem Deutschen Tennis Bund schaufelte der Rumäne in jenen Jahren Millionen zu, geblieben ist davon nichts. Die deutschen Landesverbände haben zwar weltweit die besten Leistungszentren, aber keinen entsprechenden Nachwuchs.

Als Ion Tiriac neun Jahre alt war, starb sein Vater. Er musste sich allein nach oben durchkämpfen, und das war im Ostblock wahrlich beschwerlicher als im Westen. Er klagte nie. "Ein Mann muss tun, was er tun muss", war immer seine Maxime. Er war Präsident des Nationalen Olympischen Komitees seines Landes, er besitzt Wohnungen in New York, Paris, Monte Carlo und London.

Geld, so erzählte er mal, hatte nie eine große Bedeutung für ihn, mit seinem ewigen Doppelpartner Ilie Nastase schlief er oft auf den Fahrten von Turnier zu Turnier in Eisenbahnwagons ("Das war billig"), einmal sogar in einem Restaurant - nach dem Essen natürlich: "Ich bestellte mir alles, was ich mochte, das war für mich damals Reichtum."

Ion Tiriac spricht sieben Sprachen, und er sagt heute: "Zehn Jahre meines Lebens habe ich Boris geopfert." Eines ist ihm völlig klar: "Ich werde als Rumäne sterben." In seiner Heimat war er nämlich nie der "Zausel", dort nennen sie ihn liebevoll "Bär".

Quelle: SID

 
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