Tennis: Kiefer bezweifelt Comeback in Halle
zuletzt aktualisiert: 17.05.2007 - 15:30Hamburg (RPO). Die Rückkehr von Nicolas Kiefer verzögert sich offenbar weiter: Der Tennisprofi hat wegen anhaltender Beschwerden an seinem zweimal operierten linken Handgelenk auch das angepeilte Comeback beim Rasenturnier im westfälischen Halle in zwei Wochen in Frage gestellt.
Seit fast ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen. Fortschritte, Rückschritte, ein Auf und Ab der Gefühle. Tennisprofi Nicolas Kiefer kämpft um seine Rückkehr auf der ATP-Tour, aber wegen der anhaltenden Beschwerden an seinem zweimal operierten linken Handgelenk hat er nun auch das angepeilte Comeback beim Rasenturnier im westfälischen Halle in zwei Wochen in Frage gestellt. "Ich weiß selber noch nicht, wann es wieder geht", erklärte der 29-Jährige am Rande des ATP-Mastersturniers in Hamburg.
Kiefer hat seit dem 2. Juni 2006 bei den French-Open in Paris kein Match mehr bestritten, wo er sich bei einem Sturz verletzte. Er musste sich im Juli und Oktober zwei Operationen unterziehen und ließ sich Ende April durch eine Punktierung eine Zyste entfernen. "Seitdem geht es viel besser, ich merke deutliche Fortschritte", sagte "Kiwi", der kaum erwarten kann, dass er wieder als Profi zum Schläger greifen kann: "Hauptsache, es passiert wieder etwas, und wenn es ein Fußfehler ist. Ich freue mich jetzt schon auf diesen Moment."
Doch die Ungewissheit nagt. Zu oft schon musste er seine Pläne zuletzt verschieben. Anfang Mai hatte er die Wildcard von Turnierdirektor Ralf Weber für das einzige deutsche Rasenturnier in Halle angenommen, weil er im Training keine Schmerzen mehr verspürte. Allerdings wollte der Australian-Open-Halbfinalist von 2006 ursprünglich schon Ende Dezember beim Hopman-Cup in Australien wieder spielen, dann war die US-Hartplatzsaison im März für eine Rückkehr geplant, und auch die Wildcards für die Turniere in München und Hamburg musste er ablehnen.
"Es ist ein ewiges Hin und Her", sagt Kiefer, "es ist schwierig, die richtige Balance zu finden." Er nimmt Schmerztabletten, bekommt Spritzen, dann sagen die Ärzte, er soll über den Schmerz hinwegspielen, keine Tabletten mehr, dann ist die fragliche Stelle überlastet, leicht entzündet, schonen - und so weiter und so weiter. Aber ob die Hand jemals wieder hundertprozentig wird, das scheint in den Sternen zu stehen. Dennoch will er den Kampf gegen den Körper weiter führen: "Ich war immer ein Kämpfer, ich werde jetzt bald 30, aber bis 34, 35 kann ich noch spielen", behauptet Kiefer, "ich habe nie daran gedacht, alles hinzuschmeißen."
Dabei ist es unglaublich schwierig, nach so langer Abwesenheit wieder das alte Niveau zu erreichen. Nach den French Open verliert er sämtliche Weltranglisten-Punkte. Nur Dank der Ausnahmeregeln der ATP für schwer verletzte Spieler kann er überhaupt an seine Rückkehr denken. Bei acht Turnieren innerhalb von neun Monaten nach dem Comeback kommt er noch mit seiner alten Weltranglisten-Position 14 in die Hauptfelder. Diese Turniere muss er sich sehr sorgfältig aussuchen. Dort muss er erfolgreich sein und für das Ranking neue Punkte sammeln. Ansonsten stehen ihm nur noch Wildcards zur Verfügung, aber die wird es für Kiefer wohl nur in Deutschland geben.
"Mit der Vorhand treffe ich den Ball sehr gut im Training", erzählt Nicolas Kiefer, "und ich bin so fit wie immer." Mit Coach Sascha Nensel arbeitet er weiterhin zusammen, ist im Kraftraum läuft um den Maschsee in Hannover. Alles bereits für den Tag X, der möglicherweise nie kommen wird. Und er spendiert viel von seiner unfreiwilligen Freizeit für die Stiftung Kindertraum, die schwer kranken Kindern das Leiden mindert: "Da sehe ich immer, dass meine Verletzung eigentlich gar nichts ist."
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