Erstmals unter den Top Ten: China erobert Tennis-Welt
VON GIANNI COSTA UND ANDREAS HARDT - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 12:38Melbourne/Düsseldorf (RP). Als vor sechs Jahren die Chinesinnen Li Ting und Sun Tiantian bei Olympia in Athen Gold im Doppel gewannen, sah man das in ihrer Heimat noch als Betriebsunfall an. Der Erfolg zu dieser frühen Zeitpunkt war noch gar nicht eingeplant. Tatsächlich wurde die Nachwuchsförderung wie üblich systematisch forciert.
Seit 2002 wurden 400 Trainer der höchsten Ebene in China ausgebildet. Mittlerweile gibt es weit über eine Million Tennisspieler in China, Anfang der 90er Jahre waren es gerade mal 10 000. Begünstigt wird dieser Trend durch den Wunsch der neuen Oberschicht, "westliche" Sportarten wie Golf und eben auch Tennis zu spielen.
In diesen Tagen der Australian Open in Melbourne zeigt sich, dass die Nachwuchsarbeit im Reich der Mitte äußerst erfolgreich war. Erstmals stehen zwei Chinesinnen im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, und erstmals gehört eine Chinesin zu den Top Ten der Weltrangliste. Gestern warf Na Li die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin Venus Williams mit 2:6, 7:6 (7:4), 7:5 aus dem Wettbewerb. Bereits am Tag zuvor hatte sich Zheng Jie für die heute beginnende Vorschlussrunde qualifiziert –die Belgierin Justine Henin tritt gegen sie an. Kontrahentin von Li ist Serena Williams.
Li hat ihr Ziel schon erreicht
Nichts scheint unmöglich, und ein Ziel hat die 27-jährige Li schon erreicht. "Ich wollte in diesem Jahr unter die besten Zehn vorstoßen", sagte sie, "und jetzt ist erst Januar." 2006 machten die Spielerinnen aus dem Reich der Mitte erstmals nachdrücklich auf sich aufmerksam, als Zheng mit ihrer Partnerin Yan Zi in Melbourne im Doppel triumphierten und damit einen Grand-Slam-Titel gewannen. Siege auf "normalen" WTA-Turnieren auch im Einzel haben die Chinesinnen inzwischen längst verbucht.
Im Zuge der Olympiabewerbung für 2008 hatte der Verband dann auch systematisch mit der Ausbildung von Tennisspielern begonnen. Landesweit wurden Stützpunkte angelegt und Kinder ausgebildet. Der Weltverband ITF startete zudem diverse Projekte und Aktionen in China, um Tennis populärer zu machen. Pro Jahr werden mehr als 1000 neue Tennisplätze gebaut.
"Tennis wird bei uns größer und größer"
Thomas Hogstedt, der Trainer von Tommy Haas, trainierte mit Li bereits 2005 und half vor Olympia 2008 dem chinesischen Verband als Fachberater. Seitdem arbeitet er wieder mit Li. Zheng wird von ihrem Ehemann trainiert. "Tennis wird bei uns größer und größer", sagt Na Li, deren Erfolge auch im chinesischen Fernsehen übertragen werden. Die Einschaltquoten sind gewaltig. Den Einzug der beiden ins Halbfinale von Australien sahen 100 Millionen Landsleute.
Einen persönlichen Erfolg hat Li in Verhandlungen mit ihrem Verband auch schon zu verzeichnen. Statt wie bisher 60 Prozent muss sie mittlerweile nur noch zwölf Prozent ihres Preisgelds abgeben.
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