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Tennis: Die Australian Open haben ein Gewaltproblem

zuletzt aktualisiert: 24.01.2009 - 12:10

Melbourne (RPO). Am Samstag war die Polizeipräsenz deutlich verstärkt. Für jeden sichtbar schlenderten die uniformierten Ordnungshüter in Zweiergruppen über die Tennisanlage im Melbourne Park. "Hast du die Russen dort im Auge?", wisperte einer in sein Funksprechgerät.

Die Nervosität ist gestiegen, nachdem es am Freitag im dritten Jahr nacheinander zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen hitzköpfigen jungen Männern gekommen war. Stühle flogen, und eine Frau wurde leicht verletzt. 30 Personen wurden rausgeworfen, die dann jenseits des Zauns so richtig weitermachten.

Der "Happy Slam" ist dabei, seinen Status als das fröhlichste und unkomplizierte der großen Tennisturniere zu verlieren. "Es ist furchtbar enttäuschend. Tennis ist schließlich ein Spiel der Fairness", sagt Roger Federer, "die Organistoren arbeiten hart, damit es ein Topevent wird und dann sieht man solche Szenen."

Verursacher der Handgreiflichkeiten sind stets junge Männer zwischen 20 und 30, die unterschiedlichen ethnischen Gruppe angehören. Sie leben als Kinder von Auswanderern bereits in der zweiten und dritten Generation in Australien. Es sind Griechen, Serben, Bosnier, Kroaten, die in den meisten Fällen das Heimatland ihrer Vorväter nie gesehen haben, aber stolz deren Nationalfarben tragen und die Konflikte aus Europa nach Australien transportieren.

Als Katalysator dienen dabei die Tennisspieler verschiedener Herkunft. Der Kroate Ivan Ljubicic hat festgestellt: "Viele Fans kommen aus politischen Gründen zu diesem Turnier und nicht, um die Spieler anzufeuern". Der Serbe Novak Djokovic hat indes Verständnis für diese Überidealisierung. "Sie haben nicht oft die Gelegenheit, Athleten aus ihrem Heimatland zu sehen", sagte der Titelverteidiger, "die Australian Open sind eben wegen der verschiedenen Nationalitäten so einzigartig."

Auch der griechische Zyprer Marcos Baghdatis hat die lautstarke Unterstützung der Griechen in Melbourne stets genossen. Er ließ sich vor zwei Jahren sogar von einer Gruppe als nationalistisch bekannter Fußballfans zu einem folkloristischen Grillabend einladen, auf dem er antitürkische Parolen rief. Sonntagnacht treffen Djokovic und Baghdatis im Achtelfinale aufeinander. Die Polizei ist alarmiert.

Denn Melbourne hat offenbar ohnehin ein Problem mit Jugendgewalt, die von übermäßigem Alkoholgenuss angeheizt wird. Im September hatte die Stadtverwaltung Vertreter von Jugendgruppen, Bars, Hotels und Taxiunternehmen zu einem "Gewaltgipfel" geladen, nachdem ein 24-Jähriger ums Leben gekommen war.

Die Situation beim Tennis wird zudem dadurch erschwert, dass die Anlage völlig überfüllt ist. In jedem Jahr werden mehr Tickets verkauft. Knapp 64.000 kommen täglich, und das Bier fließt in Strömen. Ein Brauer ist als Hauptsponsor vor Ort und schenkt fleißig aus. Daran aber wird nichts geändert, auch wenn der Ausschank pro forma auf zwei Becher pro Person beschränkt ist - geht man halt öfter.

Quelle: SID

 
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