Sieg bei den Australian Open: Djokovic ringt Tsonga nieder
zuletzt aktualisiert: 27.01.2008 - 13:03Melbourne (RPO). Novak Djokovic hat die Australian Open gewonnen. Der 20-jährige Serbe setzte sich im Finale vor 15.000 Zuschauern in der Rod Laver Arena gegen den französischen Aufsteiger Jo-Wilfried Tsonga mit 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (7:2) durch.
Vor vier Jahren saß Djokovic mit tausend anderen in Melbourne auf der Wiese vor der Rod Laver Arena und verfolgte auf der große Bildwand, wie Roger Federer seinen ersten Titel bei den Australian Open gewann. Der damals 16-jährige Serbe war im Halbfinale des Juniorenturniers ausgeschieden und fasste einen Entschluss: "Als ich Roger gesehen habe, diese Freude, da habe ich mir vorgenommen, ich werde dafür arbeiten, auch in diese Situation zu kommen." Und das meinte er ernst.
Jetzt war es soweit, Djokovic hat sich seinen Traum erfüllt. Durch den Sieg über den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga gewann der "Djoker" seinen ersten Grand-Slam-Titel bei den "Großen". "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte er nach seinem Erfolg in 3:05 Stunden Spielzeit, "und ich bin sehr stolz, dass ich der erste Spieler aus meinem Heimatland bin, dem dies gelang. In Belgrad und dem ganzen Land spielen die Leute jetzt sicher verrückt."
Schritt für Schritt setzt Djokovic seinen Weg nach oben fort. Auf zwei Halbfinals in Paris und Wimbledon und das knapp verlorene Endspiel in New York folgte jetzt der Titel, für den er im Halbfinale Branchenprimus Roger Federer ausschalten musste. Zum verbalen "Königssturz" aber ließ er sich nicht locken: "Natürlich bleibt Roger die Nummer eins, ein Turnier verändert nicht die Geschichte."
Noch lange nach seinem Sieg sangen und feierten seine Anhänger im Melbourne Park im Stil von Fußballfans. Während des hochklassigen und dramatischen Matches allerdings waren sie in der Minderheit unter den 15.000 in der Arena. Dem Newcomer Tsonga, der mit seinem spektakulären Spiel auf dem Weg in sein erstes Finale gleich drei Top-Ten-Spieler eliminiert hatte, gehörten die meisten Sympathien.
Als er den ersten Satz gewonnen hatte, "explodierte" das Stadion geradezu. Der "Tennis-Ali" mit der großen Ähnlichkeit zu der lebenden Box-Legende, feierte den Satzgewinn mit einer "Säge". "Jo hat ein unglaubliches Turnier gespielt, er kann stolz auf sich sein", sagte Djokovic, der zwar zwei Jahre jünger als sein Kontrahent ist, als Weltranglisten-Dritter aber bereits viel erfahrener: "Es war sehr eng, hätte er gewonnen, wäre er ein absolut verdienter Sieger gewesen."
Von Platz 38 in der Weltrangliste klettert Tsonga auf Rang 18. Er kassiert ein Preisgeld von rund 410.000 Euro und damit das Doppelte seiner bisherigen Einkünfte. Tsonga, dessen Eltern am Sonntagmorgen zum Finale in Melbourne eingetroffen waren, konnte jedoch nur eineinhalb Sätze lang die Partie mit seiner extrem harten Vorhand so dominieren wie es ihm im Halbfinale am Donnerstag gegen Rafael Nadal gelungen war.
"Ich war am Anfang nervös, es ist ungewöhnlich für mich, als Favorit in einem Grand-Slam-Finale zu stehen", erzählte Djokovic. Doch im Laufe des Matches bewies er erneut seine für sein Alter ungewöhnliche Reife, die ihn während des gesamten Turniers ausgezeichnet hatte: "Ich habe den Titel verdient, ich habe hier sehr gut gespielt, ich lerne immer mehr dazu."
Ab dem Break zum 4:3 im zweiten Satz hatte der Serbe das Spiel eigentlich im Griff. "Er hatte ja nichts zu verlieren, ich war der Favorit. Aber ich war mir sicher, dass ich mit meinem Stil die Kontrolle übernehmen kann", sagte der neue Champion. Im vierten Satz hatte er noch einmal Probleme, weil seine Waden kurz vor einem Krampf waren.
"Ich beginne sofort wieder die Arbeit mit meinem Konditionstrainer", sagte Djokovic. Diesmal war es ein Scherz.
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