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Nach Überraschungscoup: "Kohle" fliegt gegen Nieminen raus

zuletzt aktualisiert: 20.01.2008 - 09:23

Melbourne (RPO). Philipp Kohlschreiber (Augsburg) und Sabine Lisicki (Berlin) sind bei den Australian Open in Melbourne als letzte deutsche Spieler im Einzelwettbewerb gescheitert.

Zum Verzweifeln: Philipp Kohlschreiber verlor gegen Jarko Nieminen.  Foto: AP, AP
Zum Verzweifeln: Philipp Kohlschreiber verlor gegen Jarko Nieminen. Foto: AP, AP

Die große Euphorie währte nur anderthalb Tage: Dem unerwarteten Triumph gegen Andy Roddick folgte die unnötige Niederlage gegen Jarkko Nieminen. Philipp Kohlschreiber hat bei den Australian Open in Melbourne im Stile eines "Chancentods" die große Gelegenheit verpasst, erstmals in das Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier einzuziehen und gleichzeitig die vorzeitige Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking zu schaffen.

Da nicht nur der Augsburger mit 6:3, 6:7 (7:9), 6:7 (9:11), 3: 6 gegen den "ekligen" (Kohlschreiber) Finnen auf der Strecke blieb, sondern auch Sabine Lisicki durch ihre 6:4, 4:6, 3:6-Niederlage gegen Carline Wozniacki (Dänemark) in der dritten Runde ausgeschieden ist, findet das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres in der zweiten und entscheidenden Woche ohne deutsche Beteiligung statt.

"Ich habe ein Match aus der Hand gegeben, das ich gewinnen musste", sagte Kohlschreiber: "Irgendwie habe ich von Anfang an gemerkt, dass es nicht so läuft."

Statt in der Night Session unter geschlossenem Dach wie bei Roddick zu glänzen, musste sich Kohlschreiber morgens um 11.00 Uhr gegen den wenig spektakulären, aber soliden Kämpfer aus Finnland sowie den tückischen Wind abmühen: "Ich will jetzt so schnell wie möglich nach Hause und irgendwo hin, wo mich keiner findet."

Sabine Lisicki fliegt dagegen weiter in die USA. Die 18-Jährige wurde von Barbara Rittner für den Fed-Cup am 2. und 3. Februar in La Jolla gegen die USA nominiert. Der Lohn für ihre erfolgreichen Tage in Melbourne, die mit der überstandenen Qualifikation begonnen hatten: "Ich bin einfach stolz darauf, was ich geschafft habe, die Niederlage ist jetzt kein Weltuntergang."

30.000 Euro Preisgeld

Von Rang 194 in der Weltrangliste wird sie etwa 50 Plätze nach oben klettern, dazu kommt ein Preisgeld von etwa 30.000 Euro, das für kommende Turniere die Reisekasse entlastet.

Das Positive überwiegt bei der Newcomerin, die allerdings auch den Sieg zum Greifen nahe hatte. Bei 4:2 im zweiten Satz aber konnte sie drei Chancen zum vorentscheidenden 5:2 nicht nutzen. "Sie hatte drei Matches weniger in den Beinen, ich war am Ende nicht mehr ganz frisch", sagte Lisicki, deren Spiel eigentlich Samstag angesetzt war, aber wegen Regens verschoben werden musste.

"Ich habe versucht, alles zu geben und habe hier viel gelernt", meinte die Blondine voller Überzeugung: "Für mich werden noch viele Grand-Slam-Turniere kommen."

Die Erfahrungen, die Sabine Lisicki erst macht, sollte Kohlschreiber eigentlich schon haben. Doch seine Partie wirkte wie eine Blaupause seines Drittrundenspiels bei den US Open im September, als er auf ähnliche Art gegen den Spanier Carlos Moya unterlag. Sieben Satzbälle konnte er im zweiten Durchgang nicht nutzen, weitere vier im dritten. Nur sieben von 22 Breakchancen vermochte der 24-Jährige zu verwandeln.

Kohlschreiber fliegt trotz der Enttäuschung mit einem guten Gefühl zurück. Dem Turniersieg in Auckland folgte das Achtelfinale in Melbourne, nie stand er höher in der Weltrangliste (Platz 27), und für das Davis-Cup-Match gegen Südkorea vom 8. bis 10. Februar ist er eindeutig als Führungsspieler vorgesehen.

"Die Niederlage war natürlich bitter", meinte auch Teamchef Patrik Kühnen: "Aber insgesamt ist er als Spieler gereift, und er wird diese positiven Erfahrungen mit in die Saison nehmen."

Wer neben Kohlschreiber gegen die Asiaten auflaufen wird, ließ Kühnen noch offen. Durch die Verletzungen von Tommy Haas, Alexander Waske und Michael Kohlmann fehlen drei Stammspieler. Nicolas Kiefer lässt sich zurzeit von Klaus Eder in Donaustauf am Sprunggelenk behandeln. "Ich muss noch ein paar Gespräche führen", sagte Kühnen: "Ich habe für die Nominierung noch Zeit, und die brauche ich auch."

Quelle: sid

 
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