Australian Open: Kohlschreiber: Das ist bitter
VON PETRA PHILIPSSEN - zuletzt aktualisiert: 21.01.2008 - 10:51Melbourne (RPO). Ungewohnte Schwächen von Philipp Kohlschreiber verhindern gegen den Finnen Nieminen den Einzug ins Viertelfinale. Bei den Australian Open sind alle deutschen Teilnehmer ausgeschieden.
Kohlschreiber konnte es nicht fassen. Kopfschüttelnd blickte er hinüber zu seiner Box, doch auch sein Anhang wusste sich wohl nicht zu erklären, warum an diesem Tag in der Margaret Court Arena alles gegen den 24-jährigen Augsburger lief. Gerade hatte er einen Spielzug geschickt vorbereitet, den Gegner dabei weit aus dem Feld getrieben und sich im Grunde aussuchen können, wo er den Ball versenken wollte.
Doch er verzog seine Rückhand um einige Zentimeter. Auf seine beste Waffe war kein Verlass, seine Quote mit 76 Fehlern immens und die Chancenverwertung mit sieben von 22 Breakmöglichkeiten kläglich. Elf Satzbälle konnte er nicht nutzen. Und so spielten im Achtelfinale der Australian Open für Kohlschreiber Frustration und Enttäuschung die Hauptrollen, als er sich nach dreieinhalb Stunden dem Finnen Jarkko Nieminen mit 6:3, 6:7, 6:7 und 3:6 geschlagen geben musste.
Sein erstes Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier war für Kohlschreiber zum Greifen nahe gewesen, doch der an Position 26 der Welt geführte Nieminen wusste dessen Schwächen kühl für sich zu nutzen.
„Es ist bitter, ich habe ein Match aus der Hand gegeben, das ich hätte gewinnen müssen“, gestand Kohlschreiber ein. „Ich fühlte mich irgendwie halbleer, mir fehlte die letzte Kraft. Aber vielleicht war ich einfach noch nicht bereit für ein Viertelfinale“, fügte er hinzu.
Dabei war Kohlschreiber noch am Freitag einer der wichtigsten Siege seiner Karriere gelungen, ein Sieg, der für ihn den nächsten Schritt auf dem Weg in die Top-Ten-Ränge bedeuten sollte. In einem hochklassigen Fünfsatzmatch bezwang er den Weltranglistensechsten Andy Roddick und beeindruckte dabei mit einer furchtlosen und nahezu fehlerfreien Leistung. 104 Winner platzierte Kohlschreiber vor allem mit seiner Rückhand im Feld des US-Amerikaners und hielt dessen Rekord von 42 Assen sogar 32 entgegen.
Das intensiv geführte Match zeigte deutlich die Stärken des „neuen Kohlschreibers“, wie er es selbst beschrieb. In hitzigen Situationen bewahrte er Ruhe, nahm die Flutlichtatmosphäre in der ausverkauften Rod Laver Arena als zusätzliche Motivation in sich auf, anstatt sich von ihr hemmen zu lassen und bewies, dass er seine spielerischen Fähigkeiten im vergangenen Jahr weiter verbessert hat. „Das war für mich nur ein Zwischensieg auf dem Weg nach oben. Ich weiß, dass ich da hinkommen kann“, sagte Kohlschreiber nach der Partie selbstbewusst.
Doch ohne die Flutlichter, ohne das Adrenalin, ohne das Gefühl, dass man nichts zu verlieren hat und ein ganz besonderer Moment in der Karriere bevorsteht, fiel es ihm schwer, diese außergewöhnliche Leistung noch einmal abzurufen und damit zu bestätigen.
Er sei dennoch stolz darauf, was er in den letzten Wochen bereits erreicht habe, den Sieg beim Turnier in Auckland mit eingeschlossen: „Es sollte wohl noch nicht sein, aber ich nehme das Positive mit. Ich habe gesehen, was möglich ist und das wird mir bei den nächsten Turnieren sicher einen Schub geben“, erklärte Kohlschreiber.
Von den 16 Deutschen (je acht Männer und Frauen) im Hauptfeld hatten es nur Kohlschreiber und die Qualifikantin Sabine Lisicki ins Achtelfinale oder die dritte Runde geschafft. Der Rest war an starken Gegnern, Verletzungen oder der eigenem Formschwäche früh gescheitert. Doch gerade der Auftritt der beiden gibt Anlass zu Hoffnung auf Besserung, die besonders das deutsche Damentennis dringend nötig hat.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







