128. US Open in New York: Gefrusteter Haas erwägt Karriereende
zuletzt aktualisiert: 29.08.2008 - 23:19New York (RPO). Gefrustet vom Zweitrunden-Aus bei den US Open und zermürbt von seiner Verletzungsmisere hat Tommy Haas die Fortsetzung seiner Karriere in Frage gestellt. Anna-Lena Grönefeld ist als letzte Deutsche noch im Turnier.
"Ich werde in den nächsten Wochen entscheiden, was ich mache. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder man greift nochmal an oder man überlegt sich, wie lange man das noch mitmacht", erklärte Haas nach dem bitteren 6:2, 6:2, 6:7 (5:7), 3:6, 3:6 in der zweiten Runde gegen den Qualifikanten Gilles Muller (Luxemburg).
Titelverteidiger Roger Federer ist unterdessen seinem großen Rivalen Rafael Nadal (Spanien) in die dritte Runde gefolgt. Der 27-jährige Schweizer gab sich beim 6: 3, 7:5, 6:4 gegen den brasilianischen Qualifikanten Thiago Alves keine Blöße.
Federer, der seine Weltranglisten-Führung am 18. August an Nadal verloren hatte, trifft im Spiel um den Einzug ins Achtelfinale am Sonntag auf Radek Stepanek (Tschechien) oder Chris Guccione (Australien). Der an zwei gesetzte Federer hatte das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres in den vergangenen vier Jahren gewonnen.
Haas schloss derweil sogar eine vierte Operation an der lädierten rechten Schulter nicht aus: "Denn eigentlich will ich noch weitermachen. Doch es ist mental sehr hart, wenn immer wieder Rückschläge kommen." Drei Tage nach seinem Fünfsatz-Krimi gegen Richard Gasquet (Frankreich) konnte Haas nach einer 2:0-Satzführung und einem unerklärlichen Leistungseinbruch diesmal keinen Kraftakt vollbringen. Nicht zuletzt, weil der Daviscup-Spieler erneut von Schmerzen im Schlagarm behindert wurde.
Nach den immer wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen ist das frühe Aus bei seinem Lieblingsturnier ein neuer Rückschlag für Haas. In den vergangenen beiden Jahren hatte er in New York jeweils das Viertelfinale erreicht.
Damit ist Qualifikantin Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) die letzte verbliebene der zwölf gestarteten Deutschen. Im Spiel um den Einzug ins Achtelfinale trifft die 23-Jährige am Samstag auf Alize Cornet (Frankreich).
Haas ließ sich zunächst nicht von den ungeliebten Rahmenbedingungen irritieren. Bereits um elf Uhr am Vormittag und auf dem abgelegenen Court 11 hatte der Weltranglisten-39., der eher die große Bühne bevorzugt, antreten müssen. Nach starkem Beginn mit druckvollen Grundschlägen verlor Haas dann im dritten Satz den Faden, während Mullers Aufschlag (insgesamt 36 Asse) immer stärker wurde.
Der in der Rangliste um 91 Ränge besser platzierte Deutsche musste im entscheidenden Satz ein Break zum 3:5 hinnehmen und erholte sich davon nicht mehr. Haas: "Dabei habe ich immer gedacht, dass ich dieses Spiel nicht verlieren kann." Zuletzt war der Rechtshänder 2000 in der zweiten Runde gescheitert. Haas hatte die diesjährigen Grand Slams in Australien und Paris wegen seiner Schulter-Operationen absagen müssen.
Aus seiner Vorliebe für die Veranstaltung in Queens hatte Haas zuvor kein Geheimnis gemacht. "Ich mag dieses Turnier. Wenn man hier auf den großen Plätzen spielt, bekommt man eine Gänsehaut. Das ist dann wie eine Sucht", erklärte der Wahl-Amerikaner aus Florida. Die Beschwerden im Arm sind indes Auswirkungen seiner angegriffenen Schulter. "Jetzt zieht eben alles ein bißchen nach unten", meinte Haas, der extra Physiotherapeut Klaus Eder hatte einfliegen lassen.
Grönefeld bereitete sich derweil auf der Anlage rund um das gigantische Arthur-Ashe-Stadium mit einer Trainingseinheit auf ihre nächste große Herausforderung vor. Obwohl sie als Außenseiterin in das Duell mit der in der Bestenliste um 124 Plätze besser notierten Cornet geht, ist die 23-Jährige optimistisch. "Ich kann für eine Überraschung sorgen, denn ich habe zuletzt viel Selbstvertrauen getankt", betonte Grönefeld: "Ich habe eine gute Chance."
Wegen psychischer und physischer Probleme war die einstige Nummer 14 der Welt (April 2006) nach einer neunmonatigen Auszeit erst im Mai wieder in den Profizirkus eingestiegen. Mit fünf Turniersiegen auf der Challenger-Tour rüstete sie Grönefeld für ihr Comeback auf großer Bühne. Die jüngsten Erfolge im Big Apple haben bereits erste Auswirkungen gezeigt. "Es kommen auch schon Rückmeldungen aus Deutschland. Das ist etwas Schönes", berichtete die Fedcup-Spielerin mit einem Schmunzeln.
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