US Open: Kerber im Viertelfinale – Lisicki und Mayer raus
zuletzt aktualisiert: 05.09.2011 - 07:08New York (RPO). Das Fräuleinwunder von New York ist perfekt und weckt Erinnerungen an große alte Zeiten: Angelique Kerber hat als erste Deutsche seit elf Jahren das Viertelfinale der US Open erreicht.
Auf ihrem überraschenden Siegeszug von Flushing Meadows bezwang die Weltranglisten-92. aus Kiel Monica Niculescu (Rumänien) mit 6:4, 6:3 und trat ein wenig aus dem Schatten der zuletzt so erfolgreichen Vorzeigefrauen.
Mayer ausgeschieden
Florian Mayer ist indes als letzter deutscher Spieler in der dritten Runde des Herreneinzels ausgeschieden. Der 27-Jährige aus Bayreuth unterlag dem an Position fünf gesetzten Spanier David Ferrer in 1:47 Stunden mit 1:6, 2:6, 6:7 (2:7).
Ungeachtet des verpassten Achtelfinaleinzugs erreichte Mayer in Flushing Meadows sein bestes Grand-Slam-Ergebnis in diesem Jahr. Bei den vorherigen drei Majors war der Mannschafts-Weltmeister jeweils in Runde zwei gescheitert.
Lisicki chancenlos
Sabine Lisicki hat derweil den Einzug ins Viertelfinale der US Open ebenfalls nicht geschafft. Die Fed-Cup-Spielerin aus Berlin verlor in der Night Session gegen die Weltranglistenzweite Wera Swonarewa (Russland) nach 77 Minuten mit 2:6, 3:6.
Damit verpasste es die 21-jährige Lisicki, der Kielerin Angelique Kerber in die Runde der letzten Acht zu folgen. Am Montag hatte in Flushing Meadows noch Andrea Petkovic (Darmstadt) die Chance, nachzuziehen. Zuletzt hatten beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres 1987 zwei deutsche Spielerinnen im Viertelfinale gestanden.
Lisicki erwischte vor rund 14.000 Zuschauern im größten Tennisstadion der Welt einen denkbar schlechten Start. Gleich zweimal hintereinander musste die Wimbledon-Halbfinalistin ihren Aufschlag abgeben und lag schnell mit 0:3 in Rückstand. In den ersten drei Spielen unterliefen der an Position 22 gesetzten Lisicki acht unbedrängte Fehler. Nach 29 Minuten verwandelte die letztjährige Finalistin Swonarewa gleich ihren ersten Satzball.
Danach konnte Lisicki vier Spielbälle zum möglichen 2:0 nicht nutzen. Das entscheidende Break gelang Swonarewa zum 4:3. Damit misslang Dallas-Siegerin Lisicki auch die Revanche für die Zweitrundenniederlage gegen die 26-jährige Swonarewa bei den French Open in Paris im Mai.
Bereits der Achtelfinaleinzug des Frauenpower-Trios war jedoch das beste Abschneiden deutscher Spielerinnen im Big Apple seit 1987 – Andrea Petkovic bestreitet schließlich am Montagauch noch ihr Achtelfinale. "Sie wollen alle immer noch mehr. Und diese Siegermentalität macht sie so gut", sagte Rittner dem Sport-Informations-Dienst (SID). Die 38-Jährige hält sogar einen baldigen Grand-Slam-Triumph von Petkovic oder Lisicki für möglich. "Das könnte schneller passieren, als man vielleicht denkt", glaubt Rittner.
Ausrufezeichen im Seuchenjahr
Die 23-jährige Kerber, die im bisherigen "Seuchenjahr 2011" schon zehn Erstrundenpleiten kassierte, zeigte sich in ihrem ersten Grand-Slam-Achtelfinale nervenstark. Auf Außenplatz 17 legte die Linkshänderin mit zwei frühen Breaks in beiden Sätzen den Grundstein für ihren bislang größten Erfolg, durch den sie bereits eine Prämie von 225.000 Dollar sicher hat.
In dem Geduldsspiel gegen die im Ranking 24 Plätze besser platzierte Niculesu sicherte sich Kerber nach 54 Minuten den ersten Satz und zeigte erleichtert die Faust. Nach dem Matchball schrie sie ihre Erleichterung in den blauen New Yorker Himmel.
Den konditionellen Grundstein hatte die Norddeutsche gemeinsam mit Petkovic im Juli durch ein dreiwöchiges Intensivtraining in der Waske-Academy in Offenbach gelegt. "Da habe ich schon gesagt, dass es Angie schafft und bald in die Top 30 kommt", sagte "Petko". Kerber war von Rang 45 zu Jahresbeginn sogar bis auf Rang 107 abgerutscht. Im Viertelfinale trifft sie am Dienstag auf die an Position 26 gesetzte Italienerin Flavia Pennetta, die Peng Shuai aus China mit 6:4, 7:6 (8:6) besiegte.
Petkovic "will noch mehr"
Die an einem Meniskuseinriss laborierende Petkovic setzt im Kampf ums Viertelfinale derweil auf einen "FP3"-Laser, ein wenig Hokuspokus und einen italienischen Wunderarzt. Sämtliche Vertrauenspersonen aus ihrem Umfeld wollten die Weltranglistenelfte vom Spielen abhalten. "Aber ich will hier noch mehr. Danach werde ich mir dann auch eine Auszeit nehmen", kündigte die Melbourne- und Paris-Viertelfinalistin an, die am Montag gegen Carla Suarez Navarro (Spanien) Favoritin ist.
Und "Petko" lässt nichts unversucht. Auf Anraten des Weltranglistenersten Novak Djokovic und einiger anderer serbischer Spieler unterzieht sie sich zweimal täglich in einem New Yorker Hotel einer Lasertherapie beim italienischen Professor Pier Francesco Parra. "Ich vertraue auf den Hokuspokus der Balkan-Truppe", berichtete Petkovic schmunzelnd.
Tommy Haas ließ indes seine Zukunft nach dem Drittrundenaus gegen den Argentinier Juan Monaco (7:6, 3:6, 2:6, 3:6) offen. Ausgerechnet auf dem Court, auf dem der Stern des damals 18-jährigen Haas 1996 im Duell mit Michael Stich aufgegangen war, könnte eine große Karriere auf der Grand-Slam-Bühne zu Ende gegangen sein. "Sollten das meine letzten US Open gewesen sein, ist es ein Buch, das sich schließt", sagte Haas nach dem verpassten Achtelfinaleinzug.
Haas will im Oktober ein paar Hallenturniere spielen und erst dann seine Entscheidung fällen. Bis dahin wird "die große Frage in meinem Leben" den Alltag des 33-Jährigen bestimmen. Diese lautet: Hält der geschundene Körper den Belastungen der Knochenmühle Profitennis noch stand? Haas war erst im April nach 15-monatiger Verletzungspause auf die Tour zurückgekehrt.
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