US Open: Petkovic mit Hokuspokus auf Erfolgskurs
zuletzt aktualisiert: 04.09.2011 - 11:16New York (RPO). Frauenpower in New York: Drei deutsche Spielerinnen im Achtelfinale der US Open gab es seit 24 Jahren nicht mehr. Die an einem Meniskuseinriss laborierende Andrea Petkovic symbolisiert derzeit die Willensstärke, die das "Fräuleinwunder" auszeichnet.
In den Tagen von New York setzt Andrea Petkovic auf einen "FP3"-Laser, ein wenig Hokuspokus und einen italienischen Wunderarzt. Für Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner ist das beste Abschneiden der deutschen Tennisspielerinnen bei den US Open seit 1987 allerdings absolut kein fauler Zauber. "Sie wollen alle immer noch mehr. Und diese Siegermentalität macht sie so gut", sagte Rittner.
Die 38-Jährige hält mit Blick auf das Frauenpower-Trio im Achtelfinale sogar einen baldigen Grand-Slam-Triumph von Petkovic oder Sabine Lisicki für möglich. "Das könnte schneller passieren, als man vielleicht denkt", glaubt Rittner.
Bestes Beispiel für die enorme Willensstärke der neuen deutschen Welle ist die Weltranglistenelfte Petkovic. Die Darmstädterin marschierte ungeachtet eines Meniskuseinrisses ins Achtelfinale von New York, in dem sie am Montag gegen Carla Suarez Navarro (Spanien) die Favoritin ist. Am Sonntag hatten Sabine Lisicki (Berlin) und überraschend auch Angelique Kerber (Kiel) die Chance, das Viertelfinale zu erreichen.
Für die angeschlagene Petkovic geht der Tanz auf der Rasierklinge nach dem 6:4, 6:0 gegen Roberta Vinci (Italien) weiter. Sämtliche Vertrauenspersonen aus ihrem Umfeld wollten sie vom Spielen abhalten. Vater Zoran hofft sogar jedes Mal auf eine Niederlage seiner Tochter - und setzt sich nicht mehr in die Box. "Aber ich will hier noch mehr. Danach werde ich mir dann auch eine Auszeit nehmen, um alles richtig untersuchen zu lassen", kündigte die Melbourne- und Paris-Viertelfinalistin an, die noch um die Teilnahme am Masters Ende Oktober in Istanbul kämpft.
Und "Petko" lässt nichts unversucht. Auf Anraten des Weltranglistenersten Novak Djokovic und einiger anderer serbischer Spieler unterzieht sie sich zweimal täglich in einem New Yorker Hotel einer Lasertherapie bei dem italienischen Professor Pier Francesco Parra. Dabei soll die Regeneration des kaputten Gewebes beschleunigt werden. "Ich vertraue auf den Hokuspokus der Balkan-Truppe", berichtete Petkovic schmunzelnd.
Und die Behandlung fruchtet. "Ich fühle mich besser. Im Spiel gegen Vinci ist mir der Schmerz nur noch einmal reingefahren", erzählte die deutsche Nummer eins. Der Verletzung kann Petkovic, die sowieso ein "bisschen tougher" werden will, sogar etwas Positives abgewinnen. "Sie nimmt mir etwas den Druck, denn ich erwarte wegen der Ausgangslage nix von mir", sagte die Straßburg-Siegerin.
Ungeachtet dessen sind ihre Ansprüche nach einem Traumjahr und der Bilanz von 47:16 Siegen gestiegen. Während Petkovic im vergangenen Jahr nach ihrem Achtelfinaleinzug bei den US Open noch völlig euphorisch war, bleibt sie jetzt gelassen. Zumindest auf dem Tennisplatz.
Abseits des Courts gerät Petkovic derzeit leicht in Panik, denn in Spielerkreisen kursiert offenbar ein Virus. "Ich wasche mir ungefähr 37 Mal die Hände und gehe immer in den gleichen Restaurants essen. Außerdem habe ich die Abklatscherei etwas reduziert", sagte Petkovic, die nicht zuletzt wegen der Resonanz auf ihren Siegertanz zum New Yorker Publikum ein besonderes Verhältnis aufgebaut hat: "Die Zuschauer hier wissen diese Einlage mehr zu schätzen als anderswo."
Dass die Hartplatzsaison ihre Spuren hinterlässt, beweist nicht nur der Fall Petkovic. Bei den US Open wurde bereits vor dem Achtelfinale der Rekord der meisten Ausfälle bei einem Grand-Slam-Turnier gebrochen. 16 Profis hatten aufgegeben oder waren gar nicht erst angetreten. Das ist eine Negativmarke und übertrifft den bisherigen Rekord von zwölf Ausfällen während des gesamten Turniers in Wimbledon 2008 und bei den Australian Open 2003.
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