US Open: Petkovic und Lisicki besiegen ihre Zweifel
zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 11:37New York (RPO). Andrea Petkovic zeigte einen wilden Breakdance, Sabine Lisicki empfahl sich als Meisterin der Luftsprünge: Nachdem quasi mit einem Schlag alle Selbstzweifel der letzten Monate besiegt waren, boten die beiden deutschen Tennishoffnungen angesichts ihres Zweitrunden-Einzugs bei den US Open in New York großes Gefühlskino.
Nur einen Steinwurf voneinander entfernt und fast zeitgleich fiel Petkovic und Lisicki die tonnenschwere Last nach ihren Auftaktsiegen deutlich erkennbar von den Schultern. "Diese Erfolge werden beiden sehr guttun. Sie hatten keine leichte Zeit", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner über das zuletzt schwächelnde Duo.
Während die deutsche Nummer eins Petkovic jüngst viele knappe Niederlagen kassiert hatte und schon fast ein Nervenbündel war, musste die ehemalige Wimbledon-Viertelfinalistin Lisicki wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung viereinhalb Monate pausieren.
3. Match: Philipp Kohlschreiber (Augsburg) - Tobias Kamke (Lübeck)
"Ich hatte noch nie zuvor so lange ausgesetzt und noch nie zuvor einen Gips. Ich musste wieder bei Null anfangen, weil mein linkes Bein nicht mehr existiert hat. Das hat viel Kraft gekostet und war hart", berichtete die 20-jährige Lisicki nach dem 6:1, 6:0 gegen Coco Vandeweghe (USA).
Petkovic behielt erstmals seit langem auch gegen eine Topspielerin die Nerven und schaffte beim 6:2, 4:6, 7:6 (7:4) gegen die Weltranglisten-16. Nadja Petrowa (Russland) eine Überraschung. "Ich habe aus den letzten Vorkommnissen gelernt. Das ist eine Stärke von mir. Ich habe bewiesen, dass ich es kann", sagte die 22-jährige Darmstädterin, die Ende Mai bei den French Open in Paris vier Matchbälle gegen Titelverteidigerin Swetlana Kusnezowa (Russland) vergeben hatte.
Auch diesmal deutete sich ein ähnliches Drama an, als die Weltranglisten-38. Petkovic im Louis-Armstrong-Stadium eine 4: 2-Führung im zweiten Satz verspielte. "Aber ich habe den Gedanken ans Verlieren weggeschoben. Das konnte ich in Paris noch nicht. Jetzt habe ich Vertrauen in mein Spiel", sagte "Petko". Den "wichtigsten Sieg in diesem Jahr" feierte sie mit einer "spontanen" Tanzeinlage.
Doch weil Stillstand für die Einser-Abiturientin gleichbedeutend mit Rückschritt ist, will sie weiter an Variation und Taktik feilen. "Außerdem muss ich auch noch diese Frechheit kriegen, die die Topspielerin haben", sagte Petkovic mit Blick auf Petrowa. Die French-Open-Viertelfinalistin hatte sich im zweiten Satz minutenlang behandeln lassen und brachte Petkovic auch danach mit mehreren Spielunterbrechungen immer mal wieder aus dem Konzept. In die zweite Runde gegen Bethanie Mattek-Sands (USA) geht die Darmstädterin nun als Favoritin.
Lisicki ist derweil gegen Wimbledon-Finalistin Wera Swonarewa aus Russland nur Außenseiterin, doch als kleine Siegerin darf sich die 20-Jährige jetzt schon fühlen. Nachdem sie die ersten beiden Matches nach ihrem Comeback noch verloren hatte, erinnerte der Auftritt auf dem Grandstand an die "alte Lisicki", die einst auf Platz 22 der Weltrangliste stand.
Und glaubt man der Berlinerin, dann ist die "neue Lisicki" noch viel stärker. "Ich bin eine andere Spielerin. Ich bin fitter, bewege mich besser und habe meine Lehren gezogen", sagt die Rechtshänderin mit Blick auf ihre dicken Knöchelbandagen.
Vor einem Jahr war Lisicki ausgerechnet bei den US Open umgeknickt und hatte den Court im Rollstuhl verlassen. Gut möglich, dass die folgenden Probleme von diesem Fehltritt rührten. Während der Auszeit und der Reha am Olympiastützpunkt Berlin hat Lisicki vor allen Dingen eines gelernt: Geduld zu haben: "Ich bin wochenlang an Krücken gegangen, konnte deshalb nicht mal ein Glas von einem Zimmer zu anderen tragen. Die Schultern haben wehgetan, ich hatte Knieschmerzen. Aber ich habe mich durchgeboxt."
Mittlerweile weiß die auf Weltranglistenrang 94 abgestürzte Lisicki ihre zwei gesunden Beine umso mehr zu schätzen. Und doch bleiben ein paar schöne Erinneringen an die Gips-Zeit zurück. An Krücken besuchte sie mit einer Freundin in Berlin das Konzert von Lady Gaga: "Ich war erst schlecht drauf, aber dann war es lustig."
Tennis, US Open in New York (17,7 Mio. Euro), 2. Spieltag:
Herreneinzel, 1. Runde: Philipp Petzschner (Bayreuth) - Dusan Lojda (Tschechien) 6-3, 6-1, 6-1, Benoit Paire (Frankreich) - Rainer Schüttler (Korbach) 6-3, 6-3, 4-6, 3-6, 7-6 (7/2), Benjamin Becker (Orscholz) - Daniel Brands (Deggendorf) 7-6 (7-1), 7-6 (7-5), 6-4, Florent Serra (Frankreich) - Florian Mayer (Bayreuth) 7-6, 6-2, 6-0, Rafael Nadal (Spanien/Nr. 1) - Teimuras Gabaschwili (Russland) 7-6 (7-4), 7-6 (7-4), 6-3, Novak Djokovic (Serbien/Nr. 3) - Viktor Troicki (Serbien) 6-3, 3-6, 2-6, 7-5, 6-3, Fernando Verdasco (Spanien/Nr. 8) - Fabio Fognini (Italien) 1-6, 7-5, 6-1, 4-6, 6-3, David Ferrer (Spanien/Nr. 10) - Alexander Dolgopolow (Ukraine) 6-2, 6-2, 6-3, Arnaud Clement (Frankreich) - Marcos Baghdatis (Zypern/Nr. 16) 6-3, 2-6, 1-6, 6-4, 7-5, Mardy Fish (USA/Nr. 19) - Jan Hajek (Tschechien) 6-0, 3-6, 4-6, 6-0, 6-1, Feliciano Lopez (Spanien/Nr. 23) - Santiago Giraldo (Kolumbien) 6-4, 6-4, 6-4, Jeremy Chardy (Frankreich) - Ernests Gulbis (Lettland/Nr. 24) 6-2, 7-6 (7/1), 6-4, Julien Benneteau (Frankreich) - Radek Stepanek (Tschechien/Nr. 28) 6-4, 6-2, 4-6, 6-4, Peter Polansky (Kanada) - Juan Monaco (Argentinien/Nr. 30) 6-2, 7-6 (7-5), 6-3, David Nalbandian (Argentinien/Nr. 31) - Rik de Voest (Südafrika) 7-6 (7-4), 3-6, 6-4, 6-7 (6-8), 6-4
Dameneinzel, 1. Runde: Julia Görges (Bad Oldesloe) - Romina Oprandi (ITA) 6-3, 6-4, Andrea Petkovic (Darmstadt) - Nadia Petrowa (Russland/Nr. 17) 6-2, 4-6, 7-6 (7:4), Sabine Lisicki (Berlin) - Coco Vandeweghe (USA) 6-1, 6-0, Caroline Wozniacki (Kanada/Nr. 1) - Chelsey Gullickson (USA) 6-1, 6-1, Jelena Jankovic (Serbien/Nr. 4) - Simona Halep (Rumänien) 6-4, 4-6, 7-5, Vera Zwonarewa (Russland/Nr. 7) - Zuzana Kucova (Slowakei) 6-2, 6-1, Kateryna Bondarenko (Ukraine) - Li Na (China/Nr. 8) 2-6, 6-4, 6-2, Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 9) - Arantxa Parra Santonja (Spanien) 6-4, 6-3, Swetlana Kuznetsowa (Russland/Nr. 11) - Kimiko Date Krumm (Japan) 6-2, 4-6, 6-1, Maria Scharapowa (Russland/Nr. 14) - Jamila Groth (Australien) 4-6, 6-3, 6-1, Yanina Wickmayer (Belgien/Nr. 15) - Alla Kudrijawzewa (Russland) 6-1, 6-2, Aravane Rezai (Frankreich/Nr.18) - Magdalena Rybarikova (Slowakei) 7-6 (7/5), 7-6 (9/7), Maria Jose Martinez (Spanien/Nr.22) - Jamie Hampton (USA) 6-4, 3-6, 6-0, Maria Kirilenko (Russland/Nr. 23) - Barbora Zahlavova (Tschechien) 7-5, 6-4, Alexandra Dulgheru (Rumänien/Nr. 25) - Julie Coin (Frankreich) 6-3, 6-1, Lourdes Dominguez (Spanien) - Jaroslawa Schwedowa (Kasachstan/Nr. 30) 6-4, 3-6, 6-2, Kaia Kanepi (Estland) - Alize Cornet (Frankreich) 3-6, 6-1, 6-0
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