Traum vom Halbfinale bei den US Open: Petkovic will Geburtstag auf dem Platz feiern
zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 - 16:55New York (RPO). Andrea Petkovic gibt sich mit dem Einzug ins Viertelfinale bei den US Open noch lange nicht zufrieden. Die Darmstädterin träumt davon, an ihrem Geburtstag am Freitag noch im Turnier zu sein. In Sachen Planung überlässt die Hoffnungsträgerin längst nichts mehr dem Zufall.
In den Tagen von New York hat Andrea Petkovic einen Traum. Und genau deshalb würde sie an ihrem 24. Geburtstag am Freitag nur allzu bereitwillig auf eine Shopping-Tour im Big Apple verzichten. Das Einkaufen kann warten, weil ein ganz anderes Präsent lockt. "Wenn ich am Freitag noch im Turnier bin, wäre dies das schönste Geburtstagsgeschenk", sagte Petkovic mit Blick auf das Viertelfinale der US Open am Mittwoch gegen die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki (Dänemark).
Am Dienstag musste der komplette Spieltag wegen Regens abgesagt werden. Damit spielt neben Petkovic auch Angelique Kerber (Kiel) ihr Viertelfinale gegen die Italienerin Flavia Pennetta am Mittwoch.
"Sie ist wie ein Stier"
Ulf Blecker ist Sportmediziner aus Düsseldorf. Der 48-Jährige betreut als Mannschaftsarzt das deutsche Fed-Cup-Team. Er kennt Petkovic seit über neun Jahren – eine besonders intensive Beziehung hat er in dieser Zeit zu ihrem Knie aufgebaut. Ihre Krankenakte ist dick, vor ein paar Jahren drohte nach einem Kreuzbandriss sogar das Karriereende. Doch sie hat sich wieder herangekämpft. "Man kann sie ganz schlecht stoppen, sie ist wie ein Stier", bekundet Blecker im Gespräch mit unserer Redaktion. Gleichwohl leidet er immer mit, wenn er sie spielen sieht und wartet darauf, dass sie als Zeichen der Entwarnung ihr Knie küsst.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. "Ein Meniskus dient als Puffer zwischen Ober- und Unterschenkel und verhindert, dass eine Reibung entsteht. Wenn er aber, wie bei Andrea, nur oberflächlich gerissen ist, kann sie ihr Knie ohne Schmerzen strecken und beugen", sagt der Orthopäde. Die Ferndiagnose von Blecker ist Grund für gesteigerten Optimismus: "Ich empfehle ihr, die US Open zu Ende zu spielen."
Sollte der Meniskus komplett durchreißen, hat sie verständlicherweise keine Chance weiterzuspielen. Sie hätte dann schlichtweg zu große Schmerzen. Solch ein Riss kann bei jeder falschen Bewegung entstehen, wie genau es im Fall von Petkovic passierte, kann nicht mehr rekonstruiert werden. Gerade das verschafft der Profisportlerin sogar einen Vorteil im Kampf gegen die Verletzung. "Ihr Muskelapparat ist größer als bei normalen Menschen. Ihre Muskeln können viel abfangen, das rettet sie vermutlich vor größeren Schäden", urteilt Sportmediziner Blecker.
Konstanz als Konstante
Ungeachtet ihres Meniskuseinrisses ist die Darmstädterin heiß auf ihren ersten Halbfinal-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier. "Jetzt will ich auch noch mehr erreichen. Wenn ich alles andere ausblende, werde ich meine Chance bekommen", meinte "Petko", die zumindest in einer Statistik schon die Nummer eins der Tenniswelt ist. Als einziger Spielerin ist der Weltranglistenelften bei drei der vier Grand-Slam-Turnieren der Sprung in die Runde der letzten Acht geglückt.
Die Konstanz ist mittlerweile eine Konstante im Spiel von Petkovic. Auf dem steinigen Weg dorthin überließ die akribische Arbeiterin allerdings nichts dem Zufall. Dass in der vielleicht wichtigsten Entwicklungsphase die US Open eine Schlüsselrolle spielten, ist vielleicht ein gutes Omen für die nächsten Tage.
Genau vor einem Jahr schaffte Petkovic in Flushing Meadows erstmals den Sprung in ein Achtelfinale eines Major-Tournaments. "Das war ein Durchbruch. Danach habe ich wirklich an mich geglaubt", erzählt die deutsche Nummer eins, die am Montag durch ein 6:1, 6:4 gegen die Spanierin Carla Suarez Navarro ins Viertelfinale einzog.
Professionellere Strukturen
Nach den Spätsommertagen 2010 feilte Petkovic nicht nur weiter konsequent an ihrem Spiel, sondern gab auch ihrem Umfeld professionellere Strukturen. Inzwischen gehört zum Beispiel eine Physiotherapeutin zum Team. Im Serben Dusan Vemic zudem ein Hittingpartner. Auch in Sachen Planung orientierte sich Petkovic bereits an den Besten der Welt. Hotel und Flüge werden so gebucht, als ob sie bis zum Ende eines Grand-Slam-Turniers dabei ist. "Das ist ein wichtiger Schritt, um vorbereitet zu sein, wenn es losgeht", erklärte die Fed-Cup-Spielerin.
Petkovic scheint bereit zu sein für den nächsten Abschnitt auf ihrer Reise, wie sie ihre Karriere einst beschrieb. Einen Meilenstein hat die eloquente Hessin in den vergangenen Monaten bereits hinter sich gelassen. Petkovic: "Ich fühle mich inzwischen angekommen auf der Tour und weiß, was in der Tenniswelt passiert." Längst bleibt sie nicht mehr mit offenem Mund stehen, wenn ein Rafael Nadal vorbeischlendert und nett grüßt. "Es ist jetzt mehr zum Alltag geworden", beschreibt Petkovic das veränderte Gefühl, was viel über ihr neues Standing aussagt.
Im Viertelfinale wird sie allerdings nicht nur mit Wozniacki zu kämpfen haben, gegen die Petkovic im Frühjahr in Miami gewann. Auch die Schonfrist für das lädierte Knie ist endgültig abgelaufen. Sie müsse sich am Mittwoch mental zwingen, "jeden Punkt hundertprozentig zu spielen und in die Ecken zu gehen", forderte Petkovic von sich selbst. In den vergangenen Tagen hatte ein italienischer Professor mit einer Lasertherapie für Linderung der Beschwerden gesorgt.
Trotzdem ist Papa Zoran Petkovic froh, "wenn alles vorbei ist" und die Verletzung nicht schlimmer geworden ist. Ein wenig Kleingeld für die noch nicht datierte Shoppingtour ist bereits eingespielt: Petkovic hat schon 225.000 Dollar sicher - die Siegerin kassiert eine Prämie in Höhe von 1,8 Millionen Euro.
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