Serbin gewinnt French Open: Ivanovic: "Du musst ein Killer sein"
zuletzt aktualisiert: 08.06.2008 - 13:01Paris (RPO). Der kritischste Moment kam für Ana Ivanovic an diesem für sie so bedeutsamen Nachmittag, als das Spiel vorbei war. Wie sollte sie hochkommen in die VIP-Ränge, zu den Freunden, dem Team, zu Bruder Milos, Vater Miroslav und Mutter Dragana, die sie doch alle so gerne umarmen wollte?
Nur ein wackliger Linienrichterstuhl stand da, um die hohe Barriere zu überwinden. "Ich musste diese Chance einfach nutzen", sagte die 20-Jährige und zeigte beim Aufstieg auf die Tribüne die gleiche Entschlossenheit, den Mut und die Durchsetzungskraft wie bei ihrem Aufstieg in der Tenniswelt.
Mit ihrem 6:4, 6:3 im Finale der French Open in Paris am Samstag gegen die Russin Dinara Safina hat sich die Serbin zur neuen Tenniskönigin gekrönt. Sie ist nicht nur ab Montag die Nummer eins der Weltrangliste, sondern durfte in der französischen Hauptstadt auch ihren ersten Grand-Slam-Titel feiern.
Besser geht es nicht, kein Wunder, dass ihr nach dem verwandelten Matchball die Freudentränen in die Augen schossen. "Ich habe davon geträumt, seit ich ein kleines Kind war", erzählte Ivanovic, "ich bin unglaublich stolz auf mich selbst."
Nach den verlorenen Endspielen vor einem Jahr in Paris gegen Justine Henin und in Melbourne gegen Maria Scharapowa war dieser Sieg wie eine Erlösung. "Die Niederlage in Australien war sehr hart für mich, ich hatte danach einige schlaflose Nächte", gab Ivanovic zu, "aber ich habe daraus gelernt und war in der Lage, mich absolut zu konzentrieren."
Immer, wenn es mal knapp zu werden drohte, wie nach dem 4:4 im ersten Satz und im dritten Spiel des zweiten, konnte Ivanovic sich steigern. Die Fähigkeit, in engen Situationen zuzulegen, hatte sie bereits bei ihrem Halbfinalsieg gegen ihre Landsmännin Jelena Jankovic bewiesen. Sie sieht hübsch aus, ist stets freundlich, aber die Ana außerhalb des Courts ist ganz anders als die Ivanovic auf dem Platz. "Du musst die Gegnerin immer unter Druck setzen", sagt sie: "Du musst ein Killer sein."
Ohne dieses innere Feuer und den Ehrgeiz wäre ihre Karriere nicht denkbar gewesen. Tennistraining in Belgrad seit dem fünften Lebensjahr. Unbedingt spielen wollte sie, seit sie Monica Seles, die erste Serbin auf dem Tennisthron, im Fernsehen gesehen hatte.
Harte Arbeit unter widrigen Umständen in der vom Krieg gebeutelten serbischen Hauptstadt, schließlich die große Chance in der Schweiz, wo der Geschäftsmann Dan Holzmann in sie investierte, seit sie 13 war und nun ebenfalls erntet. Eine Million Euro beträgt das Preisgeld für den Titel. 2.686.420 Millionen waren es bislang schon in der Karriere.
Die Werbeeinnahmen aber dürften bereits deutlich höher sein, denn die Brünette kommt zur rechten Zeit für das Frauentennis, dem zuletzt doch arg die Persönlichkeiten ausgegangen sind. Erst vor drei Wochen trat Justine Henin zurück, die ihrer Nachfolgerin als Nummer eins und French-Open-Championesse den Coupe Suzanne Lenglen überreichte. Bei den French Open hörte man schon von unzufriedenen Sponsoren, die in Zukunft wie in New York und Melbourne die Halbfinals der Frauen mit denen der Männer kombinieren wollen.
Zuletzt saß Maria Scharapowa allein auf dem Thron und scheffelte die Millionen fast exklusiv. Jetzt ist die sympathische Alternative zu der blonden Diva erschienen. Die Werbewirtschaft lechzt nach neuen Gesichtern, und Ana Ivanovic erfüllt die Kriterien optimal: jung, erfolgreich, hübsch. Und ehrgeizig: "Das ist mein Lohn für all die harte Arbeit - ich will noch mehr von diesen Trophäen gewinnen."
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